Campi Flegrei: Erdbebenaktivität zieht weiter an

Weiteres spürbares Erdbeben Md 3,4 erschüttert Campi Flegrei – Erdbebenherd direkt unter Bahnlinie

Am Nachmittag des 8. Aprils manifestierte sich unter der süditalienischen Caldera Campi Flegrei ein weiterer deutlich spürbarer Erdstoß der Magnitude Md 3,4. Die Herdtiefe betrug nur 900 m unter dem Meeresspiegel. Besonders brisant ist die Lage des Erdstoßes: Das Epizentrum lag westlich des Monte Olibano, genauer, direkt auf der Bahnlinie die Pozzuoli mit Neapel verbindet und wenige Hundert Meter vor dem Tunnel, der bei den starken Erdbebensequenzen im letzten Jahr beschädigt wurde. 


Campi Flegrei. © INGV

Beim Monte Olibano handelt es sich um einen alten Domkomplex am Südrand des Solfatara-Kraters. Ausgerechnet diesen Standpunkt wählte die italienische Luftwaffe für eine Luftwaffen-Akademie aus, in der Offiziersanwärter ausgebildet werden. Warum man ausgerechnet diesen Standpunkt wählte, ist mir rätselhaft, vielleicht wegen des schönen Ausblicks über den Golf von Pozzuoli und jenen von Neapel oder der Nähe zum Flughafen Neapel, der auch als Militärflughafen genutzt wird. Geologisch betrachtet hätte man sich auf jeden Fall keinen ungünstigeren Platz suchen können, was zeigt, dass man bei der Standortwahl auch ein wenig über den eigenen Horizont hinausblicken sollte.

Der Untergrund des Monte Olibano ist alles andere als stabil und steht im Fokus der dynamischen Prozesse des Solfatara-Gebiets: Am Monte Olibano wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren bei diversen Messkampagnen eine negative Schwereanomalie festgestellt, das heißt, die lokale Gravitation ist schwächer als erwartet. Ursache dafür sind vor allem poröse Gesteine von geringerer Dichte im Untergrund, wie vulkanische Tuffe sowie durch heiße Fluide aufgelockerte Bereiche. Auch Hohlräume und gasreiche Zonen tragen dazu bei. Über die Zeit gab es leichte Schwankungen bei den Schweremessungen, was auf eine gewisse Dynamik des Untergrunds hindeutet. Diese steht in engem Zusammenhang mit der magmatischen Aktivität und liefert wichtige Hinweise auf unterirdische Prozesse wie hydrothermale Systeme oder mögliche Magmaansammlungen. Außerdem befindet sich der Monte Olibano am Rand der Zone mit der größten Bodenhebung. Bei den Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich vom letzten Jahr gab es deutlich messbare Bodenbewegungen, sowohl vertikaler Natur als auch horizontaler. Die Hangneigung veränderte sich um 110 µrad.

Die aktuell auflebende Seismizität stärkerer Erdbeben konzentriert sich erneut auf das weitere Umfeld des Monte Olibano und könnte mit Spannungen infolge von Fluidbewegungen und Druckumlagerungen im Zusammenhang stehen.

Natürlich blieb es nicht bei dem Erdbeben Md 3,4: Heute wurden bereits 28 Erschütterungen registriert.