Am Piton Fournaise öffnete sich ein neuer Förderschlot – kleine Lavafontäne speist Lavastrom
Heute Morgen ereignete sich am Piton de la Fournaise gegen 09:05 Uhr Ortszeit etwas, das man eigentlich für unwahrscheinlich in der dritten Eruptionsphase des Vulkanausbruchs, der am 13. Februar begann, gehalten hatte: Oberhalb des bislang aktiven Kraterkegels öffnete sich auf der Bruchzone von der Initialphase der Eruption ein neuer Förderschlot. Aus ihm steigt eine kleine Lavafontäne auf, die einen Lavastrom speist. Zuvor war Oberflächenaktivität am bisherigen Krater sichtbar gewesen.
Am Morgen des 8. April registrierten die Messinstrumente gegen 5:30 Uhr eine deutliche Zunahme des vulkanischen Tremors. Diese Entwicklung weist auf verstärkte Magmazirkulation und Entgasung in oberflächennahen Bereichen hin. Am frühen Nachmittag intensivierte sich schließlich die Aktivität am bereits bestehenden Eruptionskegel: Gegen 13:15 Uhr wurde eine deutlich stärkere Entgasung beobachtet, bevor Überflüge kurz darauf bestätigten, dass Magma die Oberfläche erreicht hatte. Im Inneren des Kegels bildete sich ein kleiner Lavasee.
Im weiteren Verlauf fluktuierte die Aktivität. Phasen ohne sichtbare Oberflächenaktivität wechselten sich mit Auswürfen glühender Lava ab, während derer der Tremor deutlich anstieg. Gleichzeitig reaktivierten sich die bereits in den ersten beiden Eruptionsphasen im Februar und März entstandenen Lavatunnel. Dort kam es erneut zu Lavaströmen und kleineren Ausbrüchen im bestehenden Lavafeld.
Am 9. April setzte sich die Eruption fort. Lava floss weiterhin langsam aus dem Kegel, begleitet von sichtbaren Lavaauswürfen. Die Aktivität war unter anderem vom Aussichtspunkt Piton Bert aus gut zu beobachten und unterstrich die anhaltende Dynamik des Systems.
Eine unerwartete Entwicklung brachte heute Morgen neue Veränderungen: Oberhalb des bestehenden Kegels öffnete sich entlang der ursprünglichen Spaltenzone ein neuer Krater, aus dem sich eine kleine Lavafontäne manifestierte. Gleichzeitig nahm die Aktivität am Hauptkegel etwas ab, obwohl der Lavasee im Inneren bestehen blieb.
Die Lava emittiert eine hohe Thermalstrahlung mit einer Leistung von fast 1400 MW, die zum einen von dem Lavasee und der Lavafontäne stammt, zum anderen aber auch von oberflächlich fließenden Lavaströmen.
Der aktuelle Ausbruch ist durch wiederholte Reaktivierungen bestehender Strukturen geprägt. So etwas ist am Piton de la Fournaise bereits früher vorgekommen, doch es entspricht nicht unbedingt dem typischen Verhalten des Vulkans, das wir in den letzten Jahren gesehen haben.
