INGV-Direktorin bestätigt: Keine Hinweise auf nachlassen des Bradyseismos der Campi Flegrei
Obwohl es medial in den letzten Monaten deutlich ruhiger um den süditalienischen Calderavulkan Campi Flegrei geworden ist, sieht die leitende Direktorin des Vesuv-Observatoriums, Lucia Pappalardo, keine nachhaltigen Anzeichen dafür, dass die Bradyseismos-Krise signifikant nachlassen würde. Zwar hat sich die Bodenhebung in den letzten Wochen von den zuvor erreichten Spitzenwerten abgeschwächt, es gebe aber weiterhin einen sehr hohen Kohlendioxid-Ausstoß und eine Druckbeaufschlagung des Gesamtsystems.

Pro Tag entweichen im Solfataragebiet etwa 1300 Tonnen Kohlendioxid aus dem Boden, was zwar deutlich unter den Spitzenwerten vom letzten Jahr liegt, doch immer noch einen sehr hohen Wert darstellt, der zudem wieder eine steigende Tendenz aufweist. Zum Vergleich: Der derzeit eruptierende Stromboli emittiert etwa halb so viel Kohlendioxid.
Pappalardo erklärte gegenüber der Lokalpresse, dass sich der Boden in den Phlegräischen Feldern seit Januar 2025 um etwa 25 cm angehoben hat. Seit dem 9. Februar beträgt die Geschwindigkeit der Bodenhebung nur noch etwa 1 cm pro Monat, nachdem zuvor etwa 1,5 cm pro Monat gemessen worden waren. Die bisherigen Spitzenwerte wurden vor einem Jahr erreicht, als sich der Boden mit etwa 3 cm pro Monat hob. Obwohl die Hebegeschwindigkeit nachgelassen habe, sei das Bradyseismus-Phänomen weiterhin aktiv. Entscheidend sei nicht nur die Hebung des Bodens, sondern auch die Entgasung sowie die bei Erdbeben freigesetzte Energie. Diese Faktoren müssten gemeinsam betrachtet werden.
Für den Zeitraum vom 2. bis zum 8. März 2026 wurden 47 Erdbeben mit einer Magnitude über 0 registriert. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 2,4 und ereignete sich am 5. März in etwa 3 km Tiefe. Bereits am 28. Februar war ein Schwarm mit 52 Erschütterungen aufgezeichnet worden. Damit liegt die Seismizität aktuell im Rahmen dessen, was wir vor der signifikanten Aktivitätssteigerung vor einem Jahr gesehen haben. Vermutlich ging diese mit der Intrusion eines kleineren Magmenkörpers in Tiefen zwischen 4 und 5 Kilometern einher.
Die geochemischen Messungen bestätigen weiterhin einen langfristigen Erwärmungstrend im hydrothermalen System sowie verstärkte Gasemissionen. Besonders die Temperatur der Bocca-Grande-Fumarole im Solfatara-Krater zeigt seit Monaten eine steigende Tendenz: Der Durchschnittswert liegt derzeit bei etwa 173 °C. Die Gastemperatur der Hauptfumarole von Pisciarelli lag letzte Woche bei 96 Grad, gemessen in 5 m Entfernung zum Hauptgasstrom.
Nach Einschätzung des Vesuv-Observatoriums gibt es trotz der aktuellen Aktivität keine Hinweise auf kurzfristig bevorstehende bedeutende Veränderungen der vulkanischen Aktivität.
Meiner Einschätzung nach stand man vor einem Jahr relativ nahe vor einer kleineren Eruption in den Campi Flegrei. Diese Gefahr sehe ich jetzt nicht mehr. Dafür befindet man sich wieder in der langjährigen Phase tiefer Magmenakkumulation und einem Aufheizen des oberflächennahen Hydrothermalsystems. Die Gefahr von phreatischen Explosionen besteht weiterhin, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hierfür ebenfalls geringer als vor einem Jahr.