Bodenhebung der Campi Flegrei hält an und könnte sich beschleunigt haben – Politiker diskutieren Hilfen für Tausende Betroffene
Obwohl aus seismischer Sicht die letzten Tage in den Campi Flegrei vergleichsweise ruhig verliefen, hält die Bodenhebung weiter an. Den aktuellen Rohdaten zufolge deutet sich sogar eine Beschleunigung der Hebung an. Währenddessen wächst nicht nur der Druck im Untergrund des Vulkans, sondern auch der politische: Betroffene diskutierten mit Innenminister Matteo Piantedosi, der einen finanziellen Zuschuss für die Evakuierten in Aussicht stellt.
Das aktuelle Wochenbulletin des Vesuv-Observatoriums für den Zeitraum vom 24. bis 30. August 2026 führt eine vergleichsweise geringe Erdbebentätigkeit auf. Insgesamt wurden 16 Erdstöße registriert, von denen 13 lokalisiert werden konnten. Die stärksten Ereignisse erreichten eine Magnitude von 1,8 und ereigneten sich in 2,8 bis 3,0 Kilometern Tiefe.

Die Forscher attestieren dem Vulkan eine konstant anhaltende Bodenhebung mit einer Rate von durchschnittlich etwa 10 ± 3 Millimetern pro Monat. An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die Hebung seit Januar 2025 inzwischen auf 31 Zentimeter, wenn die durch das starke Erdbeben vom 31. Juli verursachte sprunghafte Abschiebung herausgerechnet wird. Nach Korrektur der Daten zeigen sich laut INGV bislang keine wesentlichen Veränderungen des Deformationsmusters infolge des Bebens und des anschließenden Erdbebenschwarms. Betrachtet man die bisher unkorrigierten Daten, die im Messgramm blau eingezeichnet sind, könnte sich allerdings eine Beschleunigung der Bodenhebung abzeichnen.
Die geochemischen Messungen entsprechen weiterhin einem Trend zunehmender Erwärmung bei steigenden Entgasungen und Erhöhung des Drucks im Untergrund. Die CO₂-Emissionen bei Pisciarelli zeigen kurzfristig keine Veränderung, folgen aber dem langfristigen Aufwärtstrend. Die Temperatur der Fumarole Bocca Gramne in der Solfatara lag zuletzt bei durchschnittlich 173 °C. Auch hier gibt es einen langfristig steigenden Trend.
Neben dem Druck im magmatischen System der Caldera wächst auch jener auf die Politik, um die Folgen der Bodenhebnungsphase dauerhaft zu bewältigen. Nach Angaben italienischer Medien sind derzeit ca. 4.000 Menschen von ihren Wohnungen ausgeschlossen bzw. mussten aufgrund von Gebäudeschäden evakuiert werden. Wer nicht bei Familie oder Bekannten untergekommen ist, lebt nun dauerhaft in Hotels. Im Rahmen eines Treffens mit Innenminister Matteo Piantedosi wurde deshalb ein Maßnahmenpaket für die Rückkehr der Betroffenen diskutiert. Vorgesehen ist unter anderem ein pauschaler Zuschuss von bis zu 30.000 Euro für Gebäude mit leichten Schäden, damit notwendige Reparaturen schnell durchgeführt werden können. Zudem sollen Verwaltungsverfahren beschleunigt und unter bestimmten Voraussetzungen Reparaturen an gemeinschaftlichen Gebäudeteilen trotz kleiner, nicht sicherheitsrelevanter baurechtlicher Abweichungen ermöglicht werden. Bisher trauen sich viele Betroffene nicht, Hilfsanträge zu stellen, da nicht genehmigte bauliche Veränderungen an den Häusern unternommen wurden.
Piantedosi zeigte sich außerdem offen für ein Sondergesetz für die Campi Flegrei, das die Region dauerhaft und nicht nur im Rahmen wechselnder Notstandsregelungen unterstützen soll. Ziel wäre ein systematischer Ansatz für eine Situation, die durch die anhaltende Bodenhebung langfristig bestehen bleibt. Den Betroffenen ist zu wünschen, dass es nicht nur bei den üblichen leeren Versprechungen und Absichtserklärungen der Politiker bleibt.