Aktivität des Rincón de la Vieja nimmt weiter zu: phreatische Eruptionen und hoher Gasflux
Am costa-ricanischen Vulkan Rincón de la Vieja hat sich die bereits seit Juli anhaltende eruptive Phase in den vergangenen Tagen nochmals deutlich verstärkt. Zwischen Freitag, dem 28. August, und Dienstagmorgen, dem 1. September, registrierte das Vulkanologische und Seismologische Observatorium OVSICORI mindestens 20 phreatische Eruptionen. Acht dieser Explosionen waren so energiereich, dass sie den Kratersee zum Überlaufen bringen und Lahare auslösen konnten. Damit setzt sich der Trend zu häufigeren und stärkeren Ausbrüchen fort.

Erst vor wenigen Stunden meldeten die Vulkanologen des zuständigen Observatoriums eine weitere phreatische Eruption. Sie ereignete sich um 5:11 Uhr Ortszeit und dauerte ca. 30 Sekunden. Da der Gipfel des Rincón in Wolken gehüllt war, gibt es keine visuellen Beobachtungen. Das Ereignis war von geringer Energie und wurde akustisch und seismisch registriert.
Besonders hervor sticht dagegen eine Explosion vom 31. August um 16:37 Uhr Ortszeit. Sie war nach Angaben des OVSICORI die energiereichste Eruption des Jahres 2026. Eine Eruptionswolke stieg möglicherweise mehr als 2.000 Meter über den Krater auf. Anwohner beobachteten anschließend einen Lahar im Fluss Pénjamo, womit sich bestätigte, dass die Explosion tatsächlich Schlamm- und Sedimentströme auslösen konnte.
Die begleitenden Messdaten geben Anlass zur Aufmerksamkeit. Seit dem 30. August hat die Tremoramplitude zugenommen, während der Schwefeldioxid-Ausstoß weiterhin auf hohem Niveau liegt: Er erreichte zeitweise fast 5000 Tonnen am Tag.
Bereits in der Woche bis zum 21. August waren 15 Eruptionen registriert worden; bis dahin summierte sich die Zahl seit Beginn der aktuellen Aktivitätsphase am 2. Juli auf 84 Ereignisse. Ende August wurden innerhalb einer Woche weitere 14 Explosionen registriert, so dass inzwischen 98 phreatische Ausbrüche zusammenkommen. Die Aktivität steigerte sich damit innerhalb weniger Wochen von sporadischen Ausbrüchen, die sich alle paar Wochen ereigneten, auf eine nahezu tägliche Eruptionsserie. OVSICORI-Vulkanologe Geoffroy Avard beschreibt die derzeitige Situation deshalb als eine Phase häufiger und teilweise sehr energiereicher Explosionen bei anhaltend hoher Entgasung.
Der Rincón de la Vieja bleibt auf Aktivitätsstufe 3. Obwohl die Eruptionen bis jetzt phreatischer Natur waren, könnten sich auch magmatophreatische Explosionen entwickeln: Der hohe SO₂-Ausstoß deutet an, dass Magma relativ hoch im Fördersystem steht. Wegen der zunehmenden Explosionsenergie und der möglichen Lahargefahr bleiben insbesondere die Flussläufe an der Nordflanke gefährdet.