Campi Flegrei: Schwarmbeben am Abend

Schwarmbeben in den Campi Flegrei am Abend des 17. Mai – stärkste Erschütterung Md 2,3

Am späten Sonntagabend trug sich in der süditalienischen Caldera Campi Flegrei erneut ein Schwarmbeben zu dessen stärkste Einzelerschütterung eine Magnitude 2,3 hatte und sich in 2,4 Kilometern Tiefe im Westen des Solfatara-Kraters abspielte. Das Beben konnte von den Anwohnern des Maars und in Teilen Pozzuolis gespürt werden.

Solfatara. © INGV

Das Bürgermeisteramt gab in Zusammenarbeit mit dem INGV eine entsprechende Warnung vor dem Schwarmbeben heraus mit dem Hinweis, dass weitere Aktualisierungen folgen werden. Zudem wurde eine Notfalltelefonnummer veröffentlicht, unter der Bürger der Kommune evtl. Schäden melden können.

Das Erdbeben stand nicht am Anfang des Schwarms, der sich aus mehr als einem Dutzend Erschütterungen zusammensetzte, sondern erfolgte an 5. Stelle. Es ist anzunehmen, dass es mit Gesteinsbruch im Zusammenhang stand, der durch aufsteigende Fluide verursacht wurde. Bereits am Vortag nahm die Seismizität zu, obgleich sich der Vulkan nach wie vor in einer vergleichsweise ruhigen Phase befindet, zumindest im Vergleich mit den letzten 2 Jahren. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass die Aktivität nun nachlässt, sondern eine erneute Verstärkung wird von vielen Forschern als wahrscheinliches Szenario angesehen.

Tremor der Pisciarelli-Fumarole unterliegt großen Schwankungen

Interessant ist, dass der privat betriebene Wissenschaftsblog ‚Meteovesuvio‘ seit einiger Zeit eine selbst interpretierte Tremorgrafik des Pisciarelli-Gebiets veröffentlicht, die sehr wahrscheinlich aus gefilterten Rohdaten der INGV-Messstation CPIS stammt. Der Tremor – sofern die Daten richtig interpretiert sind – zeigte in den letzten Tagen erhebliche Schwankungen auf: So fiel er am 24. April von fast 6000 Counts auf 500, um dann seit dem 14. Mai kontinuierlich anzusteigen. Aktuell liegt er bei etwa 4000 Counts.

Die ‚Counts‘ sind dimensionslose, digitale Übersetzungen der seismischen Signalamplitude. Die bei Erdbeben auftretenden Bodenbewegungen werden vom Sensor im Gerät zunächst in eine elektrische Spannung (Volt) umgewandelt. Da Computer mit diesen analogen Volt-Angaben nicht direkt arbeiten können, übersetzt ein Wandler sie in digitale Digits bzw. Counts. Je höher die Anzahl der Counts, desto stärker ist das gemessene Signal und damit der Tremor.

Die Counts eines Systems hängen jedoch stark von den individuellen Gerätespezifikationen ab und sind nicht eins zu eins auf andere Messstationen übertragbar. In unserem Fall sagen sie aus, dass es durchaus nennenswerte Schwankungen im Tremor der Pisciarelli-Fumarole gibt. Wodurch diese exakt ausgelöst werden, ist im Detail unbekannt; generell steht ein vulkanischer oder hydrothermaler Tremor jedoch direkt mit Fluidbewegungen (Gase, Wasser oder Magma) im Untergrund in Verbindung.