Bahnstrecke wegen erhöhter CO₂-Konzentrationen gesperrt – Observatoriumsdirektorin warnt vor hohem Gasausstoß der Campi Flegrei
Die weiter anhaltende seismomagmatische Krise in den Campi Flegrei hat nun zu einer signifikanten Einschränkung des öffentlichen Nahverkehrs westlich von Neapel geführt. Bereits seit Freitag bleibt der Bahnverkehr der Metro-Linie 2 zwischen den Stationen Campi Flegrei und Pozzuoli ausgesetzt, nachdem in einem Eisenbahntunnel ungewöhnlich hohe Konzentrationen von Kohlendioxid (CO₂) festgestellt wurden.
Die Sperrung wurde durch das Überwachungssystem des italienischen Schienennetzbetreibers RFI ausgelöst, weil in dem Tunnel zwischen Bagnoli und Pozzuoli erhöhte CO₂-Werte registriert wurden, die insbesondere nachts kritische Konzentrationen erreichten. Mehrere technische Inspektionen bestätigten die anhaltende Ansammlung des vulkanischen Gases, sodass die Strecke vorerst geschlossen bleibt.

Es ist nicht die erste Sperrung des Tunnels der gleichen Bahnverbindung, die Pozzuoli mit Neapel verbindet und eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Region darstellt. Bereits im Sommer letzten Jahres war es zu einer Tunnelsperrung gekommen, nachdem Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich Schäden verursacht hatten. Vermutlich ist diesmal der gleiche Tunnel betroffen, der zwischen der Solfatara und dem Monte Olibano verläuft. Hier einen Tunnel anzulegen, halte ich für extrem optimistisch, schließlich ist das Gebiet des Maars geologisch instabil und bekannt für Erdbeben und Gasemissionen. Was sich Geologen dabei dachten, hier einen Tunnel freizugeben ist mir rätselhaft. Tatsächlich führen weiter westlich auch mehrere Straßen durch Unterführungen in den Hängen diverser Vulkankegel.
Nach Angaben der Vulkanologen vom Vesuv-Observatorium steht das Phänomen in direktem Zusammenhang mit dem Bradyseismus genannten Phänomen der Campi Flegrei. Kohlendioxid entströmt den zahlreichen Fumarolen des Gebiets und gehört zu den typischen Begleiterscheinungen der seit 2005 anhaltenden Unruhe. Laut der Observatoriumsdirektorin Lucia Pappalardo werden innerhalb der Caldera täglich etwa 4.000 Tonnen CO₂ freigesetzt. Im Freien verteilt sich das Gas schnell, doch in Niederungen, Kellern und Tunneln kann es sich in gefährlichen Konzentrationen ansammeln. Das Gas ist schwerer als Luft und verdrängt so den Sauerstoff, weshalb im Extremfall der Erstickungstod droht.
Die Unsicherheit über die Dauer der Sperrung sorgt bei den betroffenen Gemeinden für wachsende Besorgnis. Zehntausende Pendler aus Pozzuoli, Bacoli und Monte di Procida sind täglich auf die Verbindung in Richtung Neapel angewiesen. Ersatzbusse verkehren inzwischen im 15-Minuten-Takt, können die ausgefallene Bahnverbindung jedoch nur teilweise kompensieren. Auch Touristen sind von den Einschränkungen betroffen.
Der Bürgermeister von Pozzuoli, Luigi Manzoni, forderte nach einer behördlichen Krisensitzung ein sofortiges Eingreifen der nationalen Katastrophenschutzbehörde. Zudem verlangte er Aufklärung darüber, warum Hinweise auf erhöhte CO₂-Werte im Tunnel bereits seit September 2025 bekannt gewesen sein sollen, ohne dass bislang sichtbare Maßnahmen zur dauerhaften Risikominderung umgesetzt wurden.
Zudem wird über zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen diskutiert. Dazu gehören die beschleunigte Fertigstellung des neuen Cumana-Bahnhofs in Pozzuoli sowie die Reaktivierung weiterer Bahnverbindungen in den Campi Flegrei. Außerdem sollen sämtliche Tunnelanlagen der Region auf mögliche Gasansammlungen überprüft werden.
Der Vorfall macht deutlich, dass nicht nur Bodenhebung und Erdbeben Probleme verursachen, sondern insbesondere auch der hohe Ausstoß magmatischer Gase. Dieser ist nach wie vor sehr hoch, obwohl sich die Bodenhebung verlangsamt hat und weniger Erdbeben als im letzten Jahr registriert werden.