Deutschland: Extremes Niedrigwasser an Rhein und Elbe

Historisches Niedrigwasser in Deutschland und Europa: Rhein, Elbe und Donau führen bereits im Juli extrem wenig Wasser

Die Flüsse Mitteleuropas im Allgemeinen und Deutschlands im Speziellen entwickeln ungewöhnlich früh im Jahr ein außergewöhnliches Niedrigwasser. Bereits Ende Juli erreichen die für die Schifffahrt und Wasserversorgung essentiellen Flüsse Rhein, Elbe und Donau Wasserstände, die normalerweise erst im Spätsommer oder Herbst auftreten. Nach Einschätzung von Hydrologen ist die frühe Entwicklung beispiellos: Seit Beginn der systematischen Klimaaufzeichnungen im Jahr 1881 wurde zu diesem Zeitpunkt des Jahres noch nie eine derart ausgeprägte Niedrigwassersituation beobachtet. Zudem durchlebte das Bundesland NRW seit Aufzeichnung der Klimadaten noch nie so einen trockenen Juli wie in diesem Jahr.

Besonders betroffen ist der Rhein. Am Pegel Kaub, einem wichtigen Referenzpunkt für die Schifffahrt, sind die Wasserstände auf ein außergewöhnlich niedriges Niveau gefallen. Am Pegel Lobith in den Niederlanden wurde sogar ein Rekordtief für den Monat Juli erreicht. Normalerweise erreicht der Rhein seine saisonalen Tiefstände erst im August oder September. Ursache ist vor allem ein seit Monaten bestehendes Niederschlagsdefizit, kombiniert mit hohen Temperaturen und einer starken Verdunstung. Auch die Alpen liefern weniger Schmelzwasser als in durchschnittlichen Jahren, wodurch der Rhein weniger Zufluss erhält.

Noch empfindlicher reagiert die Elbe. Ihr Einzugsgebiet verfügt kaum über ausgleichende alpine Wasserreserven, weshalb längere Trockenperioden schnell zu extrem niedrigen Pegeln führen. Zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt treten wieder große Kiesflächen und historische Hungersteine hervor – sichtbare Zeichen außergewöhnlicher Dürreperioden.

Die Folgen sind bereits spürbar. Auf Rhein und Elbe müssen Frachtschiffe ihre Ladung drastisch reduzieren, um nicht auf Grund zu laufen. Besonders betroffen sind Transporte von Rohstoffen, Mineralöl, Chemikalien und Baustoffen. Steigende Transportkosten und Verzögerungen belasten Industrie und Logistik. Sollte die Trockenheit anhalten, drohen ähnliche wirtschaftliche Belastungen wie im Dürrejahr 2018.

Auch die Nachbarländer sind betroffen. An der Donau hat die extreme Niedrigwasserlage bereits Auswirkungen auf die Energieversorgung. In Ungarn musste das Kernkraftwerk Paks seine Leistung reduzieren, weil die Kühlung durch das geringe und warme Flusswasser unzureichend funktioniert. In Rumänien führte der niedrige Donaupegel zur Abschaltung der beiden Reaktoren des Kernkraftwerks Cernavodă. Auch die Wasserkraftproduktion in Südosteuropa ist deutlich zurückgegangen.

Neben der Wirtschaft leidet die Natur. Niedrige Wasserstände lassen die Flüsse schneller erwärmen, wodurch der Sauerstoffgehalt sinkt. Fische und andere Wasserorganismen geraten unter Stress, während Schadstoffe weniger stark verdünnt werden. Gleichzeitig verschärft die Trockenheit die Belastung für Landwirtschaft und Wälder.

Meteorologen und Hydrologen beobachten die Entwicklung mit Sorge. Einzelne Gewitter, wie sie derzeit angesagt sind, können die Pegel nicht nachhaltig erhöhen. Erst länger andauernde Niederschläge in den gesamten Einzugsgebieten könnten eine echte Entspannung bringen. Sollte es im August auch heiß und trocken bleiben, könnte sich aus dem außergewöhnlich frühen Niedrigwasser eine der schwerwiegendsten Dürreperioden der jüngeren europäischen Geschichte entwickeln.

Deutsche Gasspeicher so leer wie die Flüsse

Nicht nur die Pegel der europäischen Gewässer weisen historisch niedrige Stände auf, sondern auch die Pegel der Gasspeicher. Während europaweit die Speicher zu ca. 51% gefüllt sind, erreichen jene in Deutschland gerade einmal Füllstände von ca. 46%. Neben Wassermangel könnte im kommenden Winter zusätzlich ein Gasmangel auftreten. Wie schon im Winter, als sich die Gasspeicher rasant leerten, sieht die verantwortliche Wirtschaftministerin und Gaslobbyistin Reiche offenbar immer noch keinen besonderen Handlungsbedarf. Hier herrscht wohl die Hoffnung, dass auf einen warmen Sommer ein ebensolcher Winter folgt. Bei einer Fehlkalukulation droht dem Verbraucher eine Kostenexplosion.

Die sich in vielen Bereichen zuspitzende Lage zeugt von der immer offensichtlicher werdenden Unfähigkeit der Regierung, sich auf Umstände einzustellen, die einer wachsenden Dynamik folgen. Angefangen vom Wassermanagement über Klima- und Hitzeschutz, Versorgungssicherheit, Infrastrukturerhalt, Bildung und Landesverteidigung – um nur einige Punkte zu nennen – hinkt man den Anforderungen Jahrzehnte hinterher.