Mit der Vulkanologischen Gesellschaft e.V. zu den Mofetten im Cheb-Becken
Das Cheb-Becken beziehungsweise der Eger-Graben im äußersten Westen Tschechiens nahe der deutschen Grenze zählt zu den geologisch faszinierendsten Regionen Mitteleuropas. Besonders bekannt ist das Gebiet für seine zahlreichen Mofetten – natürliche Austrittsstellen von Kohlendioxid (CO₂) magmatischen Ursprungs, das aus großer Tiefe an die Erdoberfläche gelangt. Diese durchaus spektakulären Phänomene liefern Wissenschaftlern wertvolle Einblicke in Prozesse, die normalerweise viele Kilometer unter unseren Füßen verborgen bleiben.

Mitglieder der Vulkanologischen Gesellschaft e.V. trafen sich hier Ende Mai zu einer kleinen Exkursion und begannen ihren Spaziergang zu den Mofetten im Naturreservat Soos, das wenige Kilometer nordöstlich des Kurortes Franzensbad liegt. Das Naturreservat wurde bereits 1964 gegründet und umfasst eine Fläche von 221 Hektar beziehungsweise 2,21 km². Heute gehört es zu den bedeutendsten geologischen Schutzgebieten Mitteleuropas.
Das Gebiet entstand auf dem Grund eines ehemaligen mineralreichen Sees. Nach dessen Verlandung bildeten sich ausgedehnte Torfschichten, Salzwiesen und Feuchtgebiete. Daher wird Soos häufig als Moor- und Salzsumpfgebiet beschrieben und bietet Lebensraum für eine Tier- und Pflanzenwelt, die man sonst eher in Küstenregionen findet. Die Torfschichten erreichen stellenweise mehrere Meter Mächtigkeit. Das Besondere sind jedoch die rund 200 Mineralquellen und Gasaustritte in Form von Mofetten, aus denen überwiegend kaltes Kohlendioxid entströmt.
Geochemische Analysen haben anhand von Heliumisotopen nachgewiesen, dass die Gase magmatischen Ursprungs sind – ein wesentlicher Grund dafür, warum wir uns hierher begaben. Die Gase entströmen einer Zone an der Grenze zwischen Erdkruste und Erdmantel in rund 30 Kilometern Tiefe, von der man annimmt, dass sie einen Schmelzanteil in Form von Magma enthält.
Anders als etwa am Laacher See in der Vulkaneifel, wo es ebenfalls Mofetten magmatischen Ursprungs gibt, ist im Eger-Graben in der jüngeren Erdgeschichte kein Vulkan ausgebrochen. Der Vulkanismus Westböhmens erreichte seinen Höhepunkt während des Tertiärs vor etwa 30 bis 22 Millionen Jahren. Allerdings gibt es einige jüngere vulkanische Relikte, die auf ein Alter von etwa 0,5 bis 0,3 Millionen Jahren datiert werden.
Mofetten unterscheiden sich von vulkanischen Fumarolen in erster Linie durch ihre niedrigen Temperaturen. Während Fumarolen heiße Dämpfe und Gase wie Schwefeldioxid ausstoßen, tritt in Mofetten überwiegend kaltes Kohlendioxid aus. Oft steigt das Gas durch wassergefüllte Mulden oder Quellen auf und erzeugt charakteristische Blasen. An anderen Stellen entweicht es direkt aus dem Boden und kann sich in Senken ansammeln.
Da Kohlendioxid schwerer ist als Luft, verdrängt es den Sauerstoff und damit die atembare Luft, was insbesondere für Kleintiere zur Todesfalle werden kann. Dies konnten wir selbst an den Kohlendioxidquellen bei Hartoušov beobachten. Dort wurden in den vergangenen Jahren auch mehrere Forschungsbohrungen niedergebracht, in denen jede Veränderung des Gashaushalts kontinuierlich überwacht wird.
Wir konnten uns zudem unmittelbar von der Anwesenheit des Kohlendioxids überzeugen: Thorsten entzündete ein Stück Papier und hielt es wenige Zentimeter über die Wasseroberfläche einer Quelle. Die Flamme erlosch sofort, ohne Kontakt zum Wasser versteht sich.
Die Entstehung der Mofetten ist eng mit der geologischen Entwicklung des Egergrabens verbunden. Bei dem Graben handelt es sich um eine tektonischen Dehnungszone, die sich durch Teile Deutschlands und Tschechiens erstreckt. Tief im Untergrund befindet sich -möglicherweise teilweise geschmolzenes- Mantelgestein, aus dem kontinuierlich Kohlendioxid freigesetzt wird. Dieses Gas steigt entlang von Störungszonen und Rissen in der Erdkruste auf. Untersuchungen der Isotopenzusammensetzung zeigen, dass ein erheblicher Teil des Kohlendioxids tatsächlich aus dem oberen Erdmantel stammt und nicht aus oberflächennahen biologischen Prozessen.
Besonders interessant ist die enge Verbindung zwischen den Mofetten und der seismischen Aktivität des Cheb-Beckens. Die Region wird regelmäßig von sogenannten Schwarmbeben erschüttert. Zuletzt geschah dies Anfang 2026. Anders als bei einem einzelnen starken Erdbeben treten dabei zahlreiche kleine Erschütterungen über Tage oder Wochen hinweg auf. Forscher vermuten, dass aufsteigende Fluide und Gase den Druck in bestehenden Störungszonen verändern und dadurch Erdbeben auslösen können. Umgekehrt können Erdbeben neue Wege für den Gasaufstieg öffnen.

Messungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die CO₂-Emissionen keineswegs konstant sind. Nach größeren Schwarmbeben wurden teilweise deutlich erhöhte Gasaustritte registriert. Moderne Messstationen überwachen daher kontinuierlich den Gasfluss, den Druck im Untergrund und die chemische Zusammensetzung der austretenden Gase. Selbst kleinste Veränderungen können Hinweise auf Prozesse in mehreren Kilometern Tiefe liefern.
Wir entdeckten an mehreren Quellen und Mofetten in den Boden eingelassene Messrohre der Geowissenschaftler und führten auch selbst Temperaturmessungen durch, unter anderem an der Bublák-Quelle, die wohl die beeindruckendste Mofetten-Erscheinung der Region darstellt. Mit Temperaturen um 12 Grad Celsius war das Wasser im Bereich der Gasaustritte erfrischend kalt.
Obwohl die Region deutliche magmatische Merkmale aufweist, gibt es derzeit keine Anzeichen für einen bevorstehenden Vulkanausbruch. Die Mofetten gelten vielmehr als Ausdruck einer langanhaltenden Mantelentgasung. Gerade deshalb ist das Cheb-Becken für Geowissenschaftler von besonderem Interesse: Es ermöglicht die Beobachtung aktiver geologischer Prozesse in Echtzeit und bietet ein einzigartiges natürliches Labor zur Erforschung der Dynamik des Erdinneren.















