Erdbeben auf Island: Langjökulll und Bardarbunga im Fokus

Erhöhte Seismizität auf Island: Schwarmbeben an den Vulkansystemen Langjökull und Bárðarbunga

In den letzten Tagen ist die Erdbebenaktivität auf Island wieder erhöht. In den vergangenen 48 Stunden wurden 157 Erdbeben registriert. Nicht alle wurden bisher manuell überprüft, dennoch kristallisiert sich bereits ein Muster heraus: Im Fokus der Bebenserie stehen zwei vulkanisch interessante Gebiete, von denen eines häufig, das andere dagegen nur selten in den Schlagzeilen auftaucht.

Bei dem selten erwähnten Gebiet handelt es sich um den Langjökull. Dieser Gletscher im Zentrum Islands bedeckt einen Zentralvulkan. Etwas südwestlich der gletscherbedeckten Caldera manifestierten sich zwischen dem 10. und 12. Mai 2026 mehrere Dutzend Erschütterungen, überwiegend mit Magnituden zwischen M 0,3 und M 1,9. Das stärkste Ereignis war ein Erdbeben der Magnitude M 3,0, das sich am 11. Mai um 14:24 UTC in nur 2,2 Kilometern Tiefe ereignete.

Der Erdbebenschwarm liegt im Übergangsbereich zwischen dem westisländischen Rift und den vulkanotektonischen Strukturen südwestlich des Gletschers Langjökull. Im Umfeld des Langjökull existieren mehrere ruhende bis schwach aktive Vulkansysteme, darunter das Gebiet von Prestahnúkur sowie die Riftstrukturen in Richtung Skjaldbreiður.

Auffällig ist die enge Bündelung der Epizentren, kombiniert mit einer ungewöhnlich breiten Tiefenverteilung. Es gab sowohl oberflächennahe Beben in 0 bis 5 Kilometern Tiefe als auch Erschütterungen in Tiefen von 16 bis 18 Kilometern. Mehrere Ereignisse traten zudem in kurzen zeitlichen Abständen auf, was typisch für Schwarmseismizität ist. Solche Muster werden in Island gewöhnlich dann beobachtet, wenn tektonische Spannungen entlang bestehender Störungen freigesetzt werden – möglicherweise begleitet von Fluidbewegungen oder tiefer liegenden magmatischen Druckänderungen.

Die Region liegt im Einflussbereich des westlichen Vulkangürtels (Vestra gosbeltið), einer aktiven Riftzone Islands. Hier driften die tektonischen Platten entlang des Mittelatlantischen Rückens auseinander, während gleichzeitig der Island-Hotspot Magma in die Kruste einspeist. Dadurch entstehen Dehnung, Störungsbewegungen und periodisch magmatisch beeinflusste Spannungsumlagerungen.

Der zweite Schwarm am Bárðarbunga hält bereits seit Wochen an, zeigt jedoch unterschiedliche Intensitäten. In den vergangenen zwei Tagen wurden im Bereich des Vatnajökull 57 Erdbeben detektiert, die meisten davon unter dem genannten Zentralvulkan. Die meisten Beben hatten Magnituden kleiner als 1,0 und lagen in Tiefen von weniger als fünf Kilometern. Die stärkste Erschütterung heute Morgen erreichte eine Magnitude von 2,1 in 0 Kilometern Tiefe und lag damit auf Meeresspiegelniveau.

Bárðarbunga befindet sich in einem langjährigen Aufladungsprozess, und Schwarmbeben stehen hier vermutlich mit fluidbedingten Spannungsumlagerungen in Zusammenhang, die Störungszonen im Deckel der Caldera aktivieren.

Weitere Erdbeben gab es am Grjótárvatn bei Borgarnes sowie an verschiedenen Systemen der Reykjanes-Halbinsel. Im Bereich von Svartsengi wurden vereinzelt schwache Beben registriert. Die Bodenhebung setzt sich dort unverändert fort.