Erdbebenaktivität auf Island weiterhin erhöht

Hohe Erdbebenaktivität auf Island – Katla im Fokus des Geschehens

Auf Island bleibt die Erdbebenaktivität erhöht. Insbesondere unter der Katla, wo es gut 20 Beben gab, aber auch unter Bárðarbunga, Krýsuvík und im Bereich von Eldey vor der Südwestspitze von Reykjanes, bebte die Erde oft. Das seismische Netzwerk des IMO registrierte innerhalb von 48 Stunden 141 Erschütterungen. Zwar ist das kein Spitzenwert, dennoch sind die Beben ein Anzeichen für den fortlaufenden Spannungsabbau in der dünnen Erdkruste Islands.

Die Spannungen entstehen einerseits infolge tektonischer Prozesse entlang der beiden isländischen Riftzonen, die divergenter Natur sind: Dadurch, dass sich die Kontinentalplatten Europas und Nordamerikas voneinander entfernen, wird die Erdkruste ausgedünnt und reißt quasi auf, was zu Erdbeben führt. Die gleichen Prozesse bewirken auch, dass Wege für aufsteigendes Magma freigemacht werden. Dieses steigt aus der Tiefe auf und versucht gewissermaßen, die Risse und die Krustenausdünnung auszugleichen. Der Magmenaufstieg sowie die Bewegung von Fluiden entlang von Störungszonen verursachen ihrerseits ebenfalls Erdbeben.

Insbesondere unter den großen Zentralvulkanen und im bekannten Bodenhebungsgebiet bei Svartsengi akkumuliert sich bereits Magma in der Erdkruste, und die Vulkane bereiten sich auf mögliche Ausbrüche vor. Wann es tatsächlich zu einem Ausbruch kommt, lässt sich derzeit jedoch nicht vorhersagen.

Am weitesten fortgeschritten ist der Prozess der Magmenakkumulation offenbar im Gebiet von Svartsengi. Dort bestätigen die GNSS-Messwerte ein anhaltendes Bodenheben – mit der Einschränkung, dass die letzten beiden Messwerte wieder aus dem Rahmen fallen und eine leichte Subsidenz anzeigen. Seit dem Ende der letzten Eruption Anfang August 2025 hob sich der Boden hier um gut 38 Zentimeter. Damit wurde ungefähr das Niveau erreicht, das bereits vor Beginn der letzten Eruption gemessen worden war.

Da sich das Magma nicht überall gleichmäßig ansammelt und die aktuelle Hebungszone ausgedehnter ist als vor dem letzten Ausbruch, dürfte sich inzwischen mehr Magma angesammelt haben als vor jedem anderen Ausbruch der Sundhnúkur-Serie. Eine weitere Eruption gilt daher weiterhin als wahrscheinlich und könnte jederzeit einsetzen. Es wird allerdings nur eine kurze Vorwarnzeit erwartet.