Erdbebenschwarm erschüttert Vulkan Campi Flegrei

Neuer Erdbebenschwarm in den Campi Flegrei: Mehr als 50 Beben seit dem 1. Juni




Ein neuer Erdbebenschwarm erschütterte in den vergangenen Tagen den süditalienischen Calderavulkan Campi Flegrei südwestlich von Neapel. Seit dem 1. Juni wurden dort mehr als 50 schwache Erdbeben registriert. Das INGV teilt diese in mehrere Schwärme auf, was meiner Meinung nach wenig sinnvoll erscheint. Das stärkste Beben ereignete sich gestern Abend und hatte eine Magnitude von 1,7 sowie eine Herdtiefe von 2,9 Kilometern. Das Epizentrum lag an der Tangenziale zu Füßen des Monte Gauro. Der Schwerpunkt der seismischen Aktivität konzentrierte sich hingegen auf das Gebiet des Monte Olibano sowie auf Störungszonen vor der Küste von Pozzuoli.

Seismogramm Campi Flegrei. © INGV

Die seismische Aktivität folgte dabei dem Muster einer langsamen Intensivierung nach einigen Tagen mit weniger Erdbeben. Die Magnituden und die geringen Tiefen der meisten Erschütterungen deuten darauf hin, dass Prozesse im Hydrothermalsystem der Caldera die Ursache der Seismizität sind.

Mit Verspätung wurde heute auch das INGV-Wochenbulletin für den Beobachtungszeitraum vom 25. bis 31. Mai 2026 veröffentlicht. Das seismische Netzwerk registrierte in dieser Periode 65 Erdbeben, von denen 37 positive Magnituden bis Md 1,9 aufwiesen. Die seismische Aktivität konzentrierte sich überwiegend auf den östlichen Sektor der Caldera, insbesondere auf das Gebiet Agnano–Solfatara–Pisciarelli. Darüber hinaus wurden einige wenige Ereignisse im Golf von Pozzuoli sowie ein einzelnes Erdbeben südlich davon im Offshore-Bereich registriert. Die Hypozentren lagen in Tiefen zwischen etwa 0,9 und 4,0 Kilometern, wobei die meisten Erdbeben in einem Tiefenbereich von 1 bis 3 Kilometern auftraten.

Bodenhebung der Campi Flegrei. © INGV

Der Boden hob sich weiterhin mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 Millimetern pro Monat, wobei ein Schwankungsbereich von ±3 Millimetern angegeben wird. Zwar führte das starke Erdbeben der Magnitude Md 4,4 vom 21. Mai nicht zu einer signifikanten Beschleunigung der Hebung, dennoch liegt die Heberate seitdem meiner Meinung nach deutlich über dem angegebenen Schwankungsspektrum und nähert sich der Marke von 15 bis 20 Millimetern pro Monat an. Das kann jeder leicht nachvollziehen, indem er die Steigung in der entsprechenden Grafik mit einem Lineal nachmisst und mit der Steigung des 15-Millimeter-Bereichs vergleicht.

Der Kohlendioxidausstoß bleibt weiterhin hoch. Gleiches gilt für die Fumarolentemperaturen, die in Pisciarelli durchschnittlich 95 Grad Celsius und in der Solfatara 173 Grad Celsius erreichten. Der langfristige Trend der Druckbeaufschlagung hält unverändert an.

Meiner Meinung nach besteht derzeit die Gefahr plötzlich auftretender Erdbeben mit Magnituden von mehr als 4,0. Darüber hinaus gehen von Gasausbrüchen, Kohlendioxidansammlungen in Senken und Kellern sowie von phreatischen Explosionen weiterhin latente Gefahren aus.