Hohe Thermalstrahlung am Titan-Ridge-Volcano in der Bismarcksee – steht der Vulkan kurz vor dem Auftauchen?
In der vergangenen Woche war es vergleichsweise ruhig um den submarinen Titan-Ridge-Volcano geworden, der am 8. Mai erstmals in Erscheinung trat und kurz darauf in der Berichterstattung von Vulkane.net aufgegriffen wurde. Zwar gab es weiterhin regelmäßig VONA-Warnungen des VAAC Darwin, denen zufolge Eruptionswolken bis in Höhen von 3.000 Metern aufstiegen, doch Satellitenaufnahmen zeigten nur wenige Dampfwolken, die zudem in der Vielzahl der Wetterwolken kaum auffielen. Dieses Bild scheint sich nun jedoch zu ändern: Das MIROVA-System registrierte heute Vormittag um 10:40 Uhr UTC mithilfe der MODIS- und Sentinel-Satelliten eine starke Wärmeanomalie mit einer Leistung von 201 MW. Bereits zuvor waren moderate Werte von bis zu 96 MW gemessen worden.

Schon während der bisherigen Hochphase der Eruption zwischen dem 12. und 15. Mai wurden Wärmeanomalien detektiert, die laut NASA-Analysen von heißen Bimssteinen verursacht wurden. Dies ist auch jetzt die wahrscheinlichste Erklärung für das Phänomen. Dabei dürfte die Intensität der Wärmestrahlung in etwa proportional zur Menge der ausgestoßenen Bimssteine sein. Allerdings könnten die Bimssteine inzwischen auch heißer sein, da sie aus immer geringerer Tiefe aufsteigen. Der Titan-Ridge-Volcano wächst infolge der anhaltenden Aktivität kontinuierlich an, wodurch sich das Eruptionszentrum allmählich in Richtung Wasseroberfläche verlagert.
Die Meerestiefe im Bereich des submarinen Vulkans ist nicht genau bekannt. Ältere Daten deuteten darauf hin, dass die Bismarcksee an dieser Stelle tiefer als 700 Meter ist. Jüngere Analysen lassen jedoch Wassertiefen von weniger als 400 Metern vermuten. Aufgrund der aktuell starken Wärmestrahlung erscheint es möglich, dass sich die verbleibende Wassertiefe inzwischen auf unter 200 Meter verringert hat. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, bald deutlich stärkere Auswirkungen an der Wasseroberfläche zu beobachten als bisher.
Neben Dampfausstoß, der geringe Mengen Vulkanasche enthält, Wasserverfärbungen und schwimmendem Bimsstein würde es mich nicht überraschen, schon bald domartiges Upwelling der Meeresoberfläche sowie aufsteigende, sedimentbeladene Wasserfontänen zu beobachten. Ob wir tatsächlich die Geburt einer neuen Vulkaninsel erleben werden, hängt maßgeblich von der Dauerhaftigkeit der Eruption und der tatsächlichen Wassertiefe über dem Eruptionszentrum ab.