Stärkster Sonnensturm der letzten 20 Jahre – Polarlichter über Deutschland?
Eine außergewöhnlich starke Sonnensturm der Klasse X8.1 hat heute Nacht um 23:44 UTC die Aufmerksamkeit von Forschenden und Weltraumwetterdiensten auf sich gezogen. Der Strahlungssturm manifestierte sich aus der ungewöhnlich aktiven Sonnenfleckengruppe AR4366. Es handelte sich um den stärksten Sonnensturm des aktuellen Sonnenzyklus 25. In einigen Medien wird er als das stärkste Ereignis der letzten 20 Jahre bezeichnet. Nur gut eine Stunde später gab es einen zweiten Flare X2.9 Solche X-Flares gehören zur höchsten Kategorie solaren Ausbruchs und setzen große Energiemengen frei, die die 150 Millionen Kilometer entfernte Erde schnell in Form von Strahlung erreichen.

Minuten nach einer starken Eruption trifft intensive Röntgen- und UV-Strahlung auf die erdnahe Atmosphäre, da sie sich anders als Plasmawolken eines koronalen Massenauswurfs (CME) mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Das kann auf der sonnenzugewandten Seite der Erde zu kurzzeitigen Störungen im Kurzwellenfunk führen, etwa bei der Luft- und Seefahrt. Ob darüber hinausgehende Effekte auftreten, hängt vor allem davon ab, ob die Eruption von einem erdgerichteten CME begleitet wird. Tatsächlich verursachte der Sonnensturm bereits kurz nach seinem Auftreten Funkausfälle und GPS-Störungen im Pazifikraum, von denen besonders Australien betroffen war.
Polarlichter über Deutschland?
Trotz des starken Sonnensturms sehen die Chancen für Polarlichter in Deutschland momentan nicht gut aus. Dafür braucht es einen starken geomagnetischen Sturm mit einem hohen Kp-Index (etwa 5 bis 7 oder mehr) sowie eine günstige Ausrichtung des Magnetfeldes. Nach den Prognosen der GFZ-Polarlichtvorhersage sind diese Voraussetzungen bis morgen nicht gegeben. Offenbar gab es keinen starken CME, der auf die Erde gerichtet ist.
Warum ist die Sonne derzeit so aktiv?
Als Grund hierfür geben Forscher gerne den elfjährigen Sonnenzyklus an, dessen Maximum nun erreicht sein soll. Allerdings sagt man das seit nun fast 2 Jahren. Tatsache ist, dass die Sonne in den letzten Jahren ungewöhnlich aktiv war und es zu einer Häufung von Polarlichtern über Deutschland kam, wie man sie zuvor noch nicht erlebt hatte. Da offenbar konkrete Informationen fehlen, verweist man darauf, dass große, magnetisch komplexe Sonnenfleckenregionen noch Monate oder Jahre nach dem Maximum sehr starke Eruptionen erzeugen können. Die Sonnenaktivität folgt dabei keiner glatten Kurve, sondern zeigt ausgeprägte Schwankungen.