Erdbeben unter Baradarbunga auf Island – Bodenhebung geht konstant weiter
Unter dem isländischen Gletschervulkan Bárdarbunga hält die erhöhte Erdbebenaktivität weiter an. Dabei kommt es auch zu Erschütterungen unter den benachbarten Vulkanen Askja und Herdubreid, die auf die eine oder andere Art mit Bárdarbunga assoziiert sind und auf den Erdbebenkarten des IMO dem Vatnajökull-System zugeordnet werden. Innerhalb von 48 Stunden wurden hier 49 Erdbeben registriert, wobei zu beachten ist, dass viele der seismischen Signale nur eine Qualitätsbewertung von 50 % aufweisen. Es könnte sich daher teilweise um Fehlsignale handeln, die nicht tatsächlich durch Erdbeben verursacht wurden. Das stärkste Erdbeben gestern hatte eine Magnitude von 2,6 und eine Herdtiefe auf Meeresspieglniveau.
Doch selbst wenn nicht alle vom seismischen Netzwerk aufgefangenen Signale auf Erdbeben zurückzuführen sein sollten, lässt sich bestätigen, dass die Seismizität unter Bárdarbunga seit Wochen ungewöhnlich hoch ist. Dies könnte auf einen beschleunigten Aufladungsprozess des subglazialen Vulkans hindeuten.

Die Erdbeben gehen mit Bodendeformationen einher, die von Messstationen am Rand des Gletschers erfasst werden. Das deutlichste Signal liefert die Messstation KISA am nordwestlichen Gletscherrand. Dort wurde seit Juni 2025 eine Hebung von 80 mm registriert. Die meisten anderen GNSS-Stationen zeigen ebenfalls Hebungen von bis zu 50 mm an, auch jene auf dem Eis direkt über Bárdarbunga, wenn man die Ausschläge herausrechnet. Der Boden hebt sich somit mit einer Geschwindigkeit von etwa 7 mm pro Monat, was auf eine langsame, aber stetige Inflation eines flach liegenden Magmenkörpers hindeutet.
Neben der vertikalen Bodenhebung kommt es auch zu horizontalen Bodenverschiebungen, die auf ein radiales Deformationsmuster schließen lassen. Am stärksten ausgeprägt ist die Nordkomponente der Verschiebung, die bis zu 110 mm in nördlicher Richtung beträgt.
Da es sich bei Bárdarbunga um einen großen Zentralvulkan handelt, der direkt über dem Island-Mantelplume liegt, bedeutet selbst diese moderate Hebung einen signifikanten Magmazufluss aus der Tiefe. Dennoch gibt es derzeit keinen Grund zu der Annahme, dass ein Vulkanausbruch unmittelbar bevorsteht.
Während die Bodenhebung im Bereich von Bárdarbunga anhält, zeigen die Messwerte der benachbarten Askja stagnierende oder sogar leicht rückläufige Tendenzen, die auf eine geringe Subsidenz hindeuten. Trotz der starken Hebung von insgesamt 820 mm seit 2022 blieb der erwartete Vulkanausbruch bislang aus.