Island: Erdbeben am Rand des Ljósufjöll-Vulkansystems

Erdbebenschwarm unter dem Ljósufjöll-Vulkansystem auf Island hält an

Unter der Snæfellsnes-Halbinsel im Westen Islands setzt sich die seismische Aktivität im Bereich des Grjótárvatn–Háleiksvatn nördlich von Borganes fort. Innerhalb von nur zwei Tagen registrierten die Messstationen insgesamt 22 Erdbeben in der Region. Die meisten Ereignisse waren schwach und für Menschen nicht spürbar, doch die Häufung der Erschütterungen reiht sich in einen bereits länger anhaltenden Erdbebenschwarm unter dem Ljósufjöll-Vulkansystem ein.

Island. © IMO

Das stärkste dieser Beben ereignete sich am 8. Juli 2026 um 21:40 Uhr UTC. Es erreichte eine Magnitude von 2,1 und lag in einer Tiefe von 16,7 Kilometern. Das Epizentrum befand sich nördlich des Grjótárvatn-Sees und genau unter dem Háleiksvatn. Die Lage und Tiefe entsprechen dem typischen Muster der bisherigen Schwarmaktivität in diesem Gebiet, wobei es auffällig ist, dass sich die Beben in den letzten Wochen von einem Bereich südlich des Grjótárvatn hin zum nördlich gelegenen Háleiksvatn verlagerten. Auf der Shakemap sticht der Erdbebencluster oben links im Bild hervor und ist durch einen blauen Punkt mit vielen kleineren roten markiert.

Das Ljósufjöll-System gehört zu den weniger bekannten, aber geologisch bedeutenden Vulkansystemen Islands. Es erstreckt sich über die Snæfellsnes-Halbinsel und umfasst eine lange Zone mit zahlreichen Kratern und Eruptionsspalten. Die letzte größere eruptive Aktivität des Systems liegt mehrere Jahrtausende zurück, doch geophysikalische Untersuchungen zeigen, dass es als weiterhin potenziell aktiv einzustufen ist.

Die aktuelle Erdbebenserie wird von Vulkanologen mit möglichen Fluidbewegungen im tiefen Untergrund in Verbindung gebracht. Besonders auffällig sind die relativ großen Tiefen der Hypozentren von etwa 15 bis 20 Kilometern. Solche tiefen Schwärme können auf Spannungsveränderungen in der Erdkruste oder auf das Eindringen von Magma in den unteren Krustenbereich hindeuten. Ein direkter Hinweis auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch besteht derzeit jedoch nicht.

Das Ljósufjöll-System ist bekannt für wiederkehrende Phasen erhöhter Seismizität. Seit 2021 wurden dort mehrfach Schwarmbeben beobachtet, ohne dass es zu einer Eruption kam. Das IMO verfolgt die Entwicklung weiterhin genau, da eine Zunahme der Bebenstärke, eine Verlagerung der Aktivität in geringere Tiefen oder zusätzliche geophysikalische Veränderungen wichtige Hinweise auf eine mögliche Veränderung des vulkanischen Zustands liefern könnten.

Neben den Beben am Háleiksvatn kam es in den letzten 48 Stunden zu Erdbeben unter den subglazialen Vulkanen Bardarbunga und Katla sowie zu überwiegend verstreut liegenden Erschütterungen entlang der 5 Spaltensysteme auf der Reykjaneshalbinsel, mit einer Konzentration auf das Krýsuvík-System. Die Bodenhebung bei Svartsengi geht unverändert weiter.