Neues Lavadelta des Piton de la Fournaise schrumpft – dennoch bis zu 300 Grad heiß
Dass die Natur im steten Wandel begriffen ist, erfährt man kaum deutlicher als an einem aktiven Vulkan. Hier kann man Schöpfung und Zerstörung hautnah erleben und wird Zeuge der Erdgewalten. Eine solche schuf in Form des Vulkanausbruchs am Piton de la Fournaise auf der Insel La Réunion im März dieses Jahres 8,4 Hektar neues Land in Form eines Lavadeltas, das an der Küste durch ins Meer fließende Lava entstand. Doch das neue Land erwies sich als alles andere als stabil: Bis Anfang Juni schrumpfte das Lavadelta infolge von Erosion um mehr als 1 Hektar. Eine Geburt, die nicht ohne starke Wehen verläuft, wie es für Vulkaninseln typisch ist.

Während der Eruption des Fournaise zwischen dem 13. Februar und dem 12. April 2026 floss Lava bis an die Küste und baute dort eine neue Plattform aus frischem Basalt auf. Zwischen dem 16. und 24. März gewann La Réunion dadurch 8,7 Hektar Land hinzu. Etwa 8,4 Hektar bestanden aus massiver Lava, weitere 0,3 Hektar aus losem schwarzem Vulkansand.
Nur wenige Monate nach der spektakulären Eruption beginnt die junge Vulkanlandschaft am Meer bereits wieder zu verschwinden. Das während des Ausbruchs entstandene Lavadelta wird von den Wellen des Indischen Ozeans langsam zurückerobert. Gleichzeitig zeigen Messungen, dass die erstarrte Lava im Inneren noch immer ungewöhnlich heiß ist: Bei Untersuchungen wurden an einzelnen Bereichen Temperaturen von mehr als 300 Grad Celsius registriert.
Doch junge Lavadeltas sind äußerst instabile Landschaften. Das Observatoire Volcanologique du Piton de la Fournaise (OVPF) überwacht die Entwicklung mit Drohnen- und Laservermessungen. Die Daten zeigen zunächst einen sehr schnellen Rückgang: Zwischen dem 24. März und dem 7. April verlor die Plattform durchschnittlich etwa 871 Quadratmeter Fläche pro Tag. Danach verlangsamte sich die Erosion, blieb aber kontinuierlich bei rund 151 Quadratmetern täglich.
Verantwortlich für den Rückzug sind vor allem die starken Wellen, die die Basis der jungen Lavaklippe angreifen. Durch Unterspülung brechen größere Blöcke aus der Front heraus und werden vom Meer abtransportiert. Besonders gefährdet sind die lockeren Ablagerungen am Rand des Deltas.
Vulkan bleibt im Inneren aktiv und bereitet sich auf den nächsten Ausbruch vor
Trotz des Lavarückbaus an der Küste ist der Vulkan selbst nicht vollständig zur Ruhe gekommen. Nach dem Ende der Eruption registriert das OVPF weiterhin eine erhöhte seismische Aktivität. Im Juni wurden 43 oberflächennahe vulkanotektonische Erdbeben sowie 51 tiefere Erdbeben unterhalb des Gipfelbereichs festgestellt. Zudem kam es zeitweise zu einer erneuten leichten Inflation des Vulkangebäudes, ein Hinweis auf anhaltende Prozesse im Magmareservoir.
Der Piton de la Fournaise befindet sich damit in einer post-eruptiven Erholungsphase. Die Lava am Meer verschwindet langsam, doch unter dem Vulkan bleibt das Magmasystem aktiv und bereitet sich auf den nächsten Ausbruch vor. Und es sieht nicht danach aus, als würde die Ruhe am Vulkan lange währen.
