Erdbebenaktivität bei Grindavík auf Island auf dem höchsten Stand seit Monaten – Bodenhebung geht weiter
In den vergangenen Wochen ist es um Grindavík und das Svartsengi-Gebiet auf Reykjanes relativ ruhig bestellt gewesen. Besonders aus seismischer Sicht gab es wenig zu berichten: Zwar wurden immer wieder sporadische Erdbeben registriert, doch angesichts der anhaltenden Bodenhebung durch die Magmaansammlung in dem Gebiet waren es vergleichsweise wenige. In den letzten 48 Stunden manifestierten sich jedoch gleich zehn schwache Erschütterungen, von denen die meisten zwischen Grindavík und Þorbjörn verortet wurden.

Die Magnituden der Erschütterungen waren gering und lagen im Bereich der Mikroseismizität. Genaue Werte sind der neuen IMO-Karte leider nicht zu entnehmen, das Gleiche gilt für die Herdtiefen. Doch dass überhaupt Beben festgestellt wurden, ist bemerkenswert, denn in den letzten Wochen konnte man den Eindruck gewinnen, dass das Bodenhebungsgebiet seismisch weitgehend inaktiv ist bzw. sich hier eine seismische Lücke bildet, während es an den benachbarten Risssystemen durchaus Erdbeben gab und gibt.
Aktuell sind die Erdbeben noch nicht zahlreich genug, um daraus auf einen baldigen Ausbruch zu schließen. Doch vor den anderen Vulkanausbrüchen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe steigerte sich die Erdbebentätigkeit bereits einige Tage vor den Ereignissen, ähnlich wie wir es aktuell beobachten. Die Vulkanologen des IMO halten nach wie vor einen Vulkanausbruch für ein wahrscheinliches Szenario. Seit die Bodenhebung vor mehr als einem Jahr einsetzte, haben sich schätzungsweise 30 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt, die auf eine Eruption warten.
Neben der Mikroseismizität bei Grindavík gab es gestern Mittag einen Erdbebenschwarm mit deutlich energiereicheren Erschütterungen, der sich südwestlich des vulkanischen Felsens von Eldey ereignete. Während Schwarmbeben direkt vor der Küste bei Reykjanestá eventuell mit der Magmaakkumulation bei Svartsengi zusammenhängen könnten, ist dies für das weiter entfernte Offshore-Gebiet bei Eldey eher unwahrscheinlich. Hier sind wahrscheinlich tektonische Kräfte entlang der divergenten Naht zwischen Nordamerika und Europa am Wirken.