Island: Schwarmbeben am Kolbensey-Rücken intensivierte sich

Erdbebenschwarm am Kolbeinsey-Rücken erinnert an Ereignisse von 1999

Nördlich von Island hat sich die Erdbebenaktivität am Kolbeinsey-Rücken in den vergangenen Tagen deutlich verstärkt. Nach den bislang vorliegenden Daten wurden innerhalb einer Woche mindestens 35 Erdbeben mit Magnituden ab 2,1 registriert. Allein in den vergangenen 48 Stunden ereigneten sich 20 Erschütterungen zwischen Mb 2,4 und Mb 3,9. Das stärkste Beben erreichte am 26. September um 02:52 UTC eine Magnitude von 3,9 und lag in 10 Kilometern Tiefe ca. 173 Kilometer nordnordöstlich von Kolbeinsey. Weitere starke Erschütterungen erreichten M3,8, M3,6, M3,5 und M3,4. Möglicherweise gab es weitere schwächere Erdbeben, die aufgrund der weit entfernten Seismometer nicht registriert wurden. Hierfür sprechen auch die Tiefenangaben der Beben von 10 Kilometern, die einen Hinweis liefern, dass die Hypozentren nicht genau ermittelt werden konnten.

Island. © IMO

Der Schwarm spielt sich weit vor der isländischen Küste im Bereich des Kolbeinsey-Rückens ab. Dieser bildet einen Abschnitt des Mittelatlantischen Rückens und steht über die komplexe Tjörnes-Fracture-Zone mit dem isländischen Störungs- und Riftsystem in Verbindung. Die Region ist für Schwarmbeben bekannt; neben tektonischen Bewegungen können dort grundsätzlich auch magmatische Prozesse im Zusammenhang mit der Spreizung des Meeresbodens eine Rolle spielen. Historische Untersuchungen zeigen, dass Schwärme im Bereich der Tjörnes-Fracture-Zone häufig auftreten.

Besonders interessant ist ein Vergleich mit 1999. Damals setzte Anfang Juli eine erhöhte seismische Aktivität am südlichen Kolbeinsey-Rücken ein. Am 30. August kam es schließlich zu einem intensiven Schwarm mit 143 registrierten Erdbeben an einem einzigen Tag. Die meisten Ereignisse traten innerhalb von zweieinhalb Stunden auf. Aufgrund der seismischen Aktivität wurde damals eine submarine Eruption beziehungsweise das Eindringen eines Magmagangs (Dike) als mögliche Ursache diskutiert.

Wochenübersicht © IMO
Die aktuelle Aktivität ist bislang deutlich schwächer als der Höhepunkt von 1999. Dennoch ist der mehrtägige Schwarm wegen seiner Lage und der anhaltenden Bebentätigkeit von wissenschaftlichem Interesse. Ob ausschließlich tektonische Spannungen abgebaut werden oder sich möglicherweise Magma in die Erdkruste einschiebt, lässt sich aus den bisherigen Daten nicht zweifelsfrei ableiten. Konkrete Hinweise auf eine submarine Eruption liegen derzeit nicht vor.

Innerhalb der letzten 48 Stunden registrierte IMO insgesamt 155 Erdbeben im Bereich von Island, einschließlich Kolbensey. Auf Wochensicht waren es 358 Erschütterungen. Die meisten Ebben verteilen sich entlang der Zentralvulkane, die bei Vnet häufig thematisiert werden.