Schwarmbeben am Reykjanes-Ridge vor Reykjanestá auf Island- mehr als 100 Beben registriert
Am 6. Januar um 20:30 UTC begann auf dem Reykjanes-Rücken ein neuer Erdbebenschwarm. Bis in die Morgenstunden des Folgetages wurden mehr als 100 Beben registriert. Das stärkste Beben hatte laut EMSC eine Magnitude von 3,1. Vier weitere Beben lagen knapp unter der Marke von 3,0, die als Wahrnehmbarkeitsschwelle für Erdbeben gilt. Der Schwarm hat sich inzwischen deutlich abgeschwächt, doch es gibt noch vereinzelte Erdstöße. Die meisten Beben manifestierten sich in einem Areal etwa 30 km südwestlich von Eldey, einer kleinen Felseninsel vulkanischen Ursprungs. Erdbebenschwärme sind in der Region häufig und können rein tektonischer Natur sein, aber auch auf Magmabewegungen hindeuten.

Die meisten Epizentren wurden in den IMO-Tabellen nicht bei Eldey als Bezugspunkt verortet, sondern bei Geirfugladrangur, einer Insel, die eigentlich bereits zu den Westmännerinseln weiter südlich gehört. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es bei Reykjanes einen gleichnamigen Felsen gibt.
Dieser Erdbebenschwarm stellt zwar die stärkste Erdbebenakkumulation der letzten 2 Tage auf Island dar, ist aber nicht die einzige Insgesamt manifestierten sich fast 200 Erdstöße im Hoheitsgebiet von Island. Einen weiteren Schwarm gab es im Norden an der Tjörnes-Fracture-Zone, wo sich 31 Beben ereigneten.
Im Westen von Island gab es bei Grjótárvatn (Borgarnes) 18 Beben. Hier, an der Basis der Snæfellsnes-Halbinsel, hob sich der Boden innerhalb der letzten Monate um gut 2 Zentimeter an. Möglich, dass das Vulkansystem erwacht und wir hier in einigen Jahren einen neuen Eruptionsspot sehen werden.
Ähnlich verhält es sich im Osten der Insel, wo es im Bereich des Vatnajökuls zu 18 Beben gekommen ist. Die meisten wurden am Hamarinn registriert. Einige Erschütterungen streuten aber auch um die Askja-Caldera herum. Hier flachte die Bodenhebung zuletzt aber ab.
Das mit der abflachenden Bodenhebung ist ein generelles Problem, die auf kurzfristige Eruptionen auf Island hofften, denn auch am bisherigen Hotspot des Svartsengi-Gebiets entschleunigte sich die Hebung zuletzt, insbesondere an der Messstation SENG (Svartsengi), die bisher im Zentrum der Hebung lag, ist ein leichtes Abflachen der Hebungskurve zu beobachten. Anders sieht es ein paar Hundert Meter weiter südwestlich aus, wo die Hebung an der Station SKHS seit Dezember recht konstant verläuft. Im Untergrund haben sich mehr als 21 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt, die theoretisch langsam mal rauswollen sollten, doch offenbar erfolgt der Druckaufbau momentan zu langsam, als dass der Vulkan durchstarten würde. Doch was nicht ist, kann noch werden.