Island: Schwarmbeben bei Reykjanestá am 10. Juni

Weiterer Erdbebenschwarm an der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel – Bodenhebung bei Svartsengi bleibt aktiv

Heute Nacht ereignete sich vor der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel auf Island ein neuer Erdbebenschwarm, der sich laut IMO-Shakemap aus fast 90 Einzelbeben geringer Magnituden zusammensetzte. Die stärkste Erschütterung hatte eine Magnitude von 2,8. Ihr Epizentrum wurde 7,3 Kilometer westlich von Reykjanestá lokalisiert. Die Herdtiefe wird mit 9,3 Kilometern angegeben. Die Signalqualität vieler Beben liegt jedoch bei lediglich 50 Prozent, sodass es noch zu Abweichungen und späteren Korrekturen kommen kann. Daher werden auch nicht alle Beben in jeder IMO-Shakemap dargestellt.

Island. © IMO

Interessant ist, dass sich auch die seismische Aktivität im Gebiet von Svartsengi erhöhte. Dort ereigneten sich in den vergangenen 48 Stunden fünf Erdbeben, die nicht auf dieser hier gezeigten Shakemap eingezeichnet sind, dafür aber auf der neuen Version visualisiert wurden. Zwar stellen sie eine leichte Zunahme der Seismizität dar, liefern jedoch keine Hinweise darauf, ob der seit Langem erwartete Vulkanausbruch unmittelbar bevorsteht. Die GNNS-Werte der letzten Tage lassen eine Abnahme der Hebegeschwindigkeit oder ungenaue Messungen vermuten.

Nichtsdestotrotz veröffentlichte das IMO gestern eine neue Lage- und Gefahreneinschätzung zur Situation bei Svartsengi und Sundhnúkur. Gegenüber der vorherigen Veröffentlichung wurden keine Änderungen vorgenommen. Als Hauptgefahrenzone gilt weiterhin der Bereich der Sundhnúkur-Kraterreihe. Das Geothermalkraftwerk Svartsengi und die Ortschaft Grindavík werden trotz der anhaltenden Bodenhebung weiterhin als mäßig gefährdet eingestuft.

Seit Juli vergangenen Jahres haben sich schätzungsweise 27,5 Millionen Kubikmeter Magma im flachen Reservoir unter Svartsengi angesammelt. Diese Schätzung basiert auf GNSS-Messungen und InSAR-Daten. Es handelt sich um die mit Abstand größte Magmaansammlung seit Beginn der aktuellen Ausbruchsserie in diesem Gebiet.

Die aktuelle Gefahreneinschätzung gilt bis Ende Juni. Das Monitoring wird fortgesetzt, und sollte es zu grundlegenden Veränderungen der geophysikalischen Parameter kommen, wird das IMO die Bevölkerung sowie Besucher der Insel umgehend informieren. Obwohl derzeit nicht vorhergesagt werden kann, ob und wann es zu einem weiteren Vulkanausbruch kommen wird, ist eine Eruption grundsätzlich jederzeit möglich. Die Vorwarnzeit könnte dabei sehr kurz ausfallen.