Neuer Erdbebenschwarm erschüttert das deutsch-tschechische Vogtland am Rand des Cheb-Beckens – magmatische Prozesse als Auslöser vermutet
Im deutsch-tschechischen Grenzgebiet zwischen Luby und Kraslice hat sich am Abend des 9. Juni ein weiterer Erdbebenschwarm entwickelt, der die seismisch sehr aktive Region des Vogtlands erneut in den Fokus rückt. Nach Angaben des tschechischen seismologischen Netzwerks WEBNET der Akademie der Wissenschaften wurden mehr als 70 einzelne Erschütterungen mit Magnituden größer als 0,0 registriert. Darüber hinaus gab es bereits seit dem 8. Juni Hunderte Mikrobeben mit negativen Magnitudenvorzeichen, die als extrem schwach eingestuft werden. Das stärkste Ereignis kam auf eine Magnitude von 2,5 und ereignete sich um 18:50:52 Uhr UTC in einer Tiefe von gut 9,6 Kilometern. Wahrnehmungen wurden zunächst nicht gemeldet, was bei dieser Magnitudenklasse nicht ungewöhnlich ist. Auch die stärkeren Beben werden nicht beim EMSC gelistet.

Derartige Schwarmsequenzen sind charakteristisch für das Vogtland und Westböhmen, bei der es sich um eine der aktivsten seismischen Zonen Mitteleuropas handelt, die sich mitten in der Europäischen Platte befindet.
Tektonisch betrachtet liegt das Gebiet im Bereich des Eger-Rifts (Egergraben), einer tiefreichenden Störungszone, die sich von Nordwestböhmen bis nach Sachsen erstreckt. Luby und Kraslice befinden sich dabei im östlichen Randbereich des sogenannten Cheb- oder Eger-Becken-Systems und gehen bereits in das kristalline Grundgebirge des Vogtlands über. Damit handelt es sich nicht um ein klar abgegrenztes Sedimentbecken, sondern um ein tektonisch komplexes Übergangsgebiet innerhalb eines größeren Rift-Systems, in dem unterschiedliche Krustenblöcke aufeinandertreffen und von tiefreichenden Störungen durchzogen sind.
Die Ursache der wiederkehrenden Schwarmbeben wird weniger in klassischen tektonischen Prozessen gesehen, sondern in der Interaktion von Fluiden magmatischen Ursprungs, die Störungszonen aktivieren. Die Fluide stammen aus dem oberen Mantelbereich, die in die Erdkruste aufsteigen und erhöhen dort lokal den Porendruck im Gestein. Dadurch werden bestehende Bruchflächen destabilisiert und in kurzer Zeit viele kleine bis mittlere Erdbeben ausgelöst.
Ähnliche Schwarmbeben traten unter anderem um Nový Kostel sowie in früheren Jahren im gesamten Vogtlandraum auf. Trotz der wiederholten Aktivität gilt das Gebiet nicht als Hochrisikoregion für zerstörerische Erdbeben, da die Magnituden typischerweise im niedrigen Bereich bleiben und die Energie in vielen kleinen Ereignissen freigesetzt wird.
Update: Mit fast einem Tag Verspätung wurde das Beben Mb 2,5 beim EMSC gelistet. Ein Bebenzeuge teilte seine Wahrnehmung mit.
