Italien: Schwarmbeben am Rand des Apennin

Erdbebenschwarm erschüttert zentrales Italien – stärkstes Beben mit Magnitude 3,8

Heute Nacht ist es in Zentralitalien zu einem Erdbebenschwarm gekommen, der sich aus mehr als 20 Erschütterungen zusammensetzt. Das stärkste Beben ereignete sich um 02:31 Uhr Ortszeit (01:31 UTC) mit einer Magnitude von 3,8. Das Epizentrum lag rund 14 Kilometer süd-südwestlich von Mogliano in der Region Marche, östlich des Hauptkamms der Apenninen. Die restlichen Erschütterungen hatten Magnituden zwischen 2,0 und 3,3. Die Tätigkeit erstreckte sich über mehrere Stunden. Die Hypozentren lagen dabei auffallend konstant in 21 bis 26 Kilometern Tiefe, was auf die Aktivierung einer tiefer liegenden Störungszone hindeutet.

Italien: © EMSC/Leaflet

Das stärkste Beben wurde in weiten Teilen der Provinzen Macerata und Fermo deutlich gespürt. Berichte über größere Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die vergleichsweise große Tiefe der Erdbeben wirkte dämpfend auf die Bodenerschütterungen, auch wenn einzelne Stöße von der Bevölkerung als deutlich wahrgenommen wurden.

Seismologen sprechen von einem klassischen Erdbebenschwarm, da kein einzelnes Vor- oder Nachbeben klar dominiert, sondern viele ähnlich starke Ereignisse in engem Raum und kurzer Zeit auftreten. Die Epizentren konzentrieren sich in einem nur wenige Kilometer großen Gebiet bei etwa 43,08° nördlicher Breite und 13,40° östlicher Länge.

Solche Schwärme sind im zentralen Apennin nicht ungewöhnlich und stehen in Zusammenhang mit der anhaltenden Dehnung der Erdkruste in dieser Region.

Tektonischer Hintergrund: Das Gebirge wird auseinandergezogen

Zentralitalien liegt im Spannungsfeld zwischen der Adria-Mikroplatte und der Eurasischen Platte. Während die Apenninen ursprünglich durch Zusammenstöße und Subduktion entstanden, dominiert heute ein gegenteiliger Prozess: Extension.

Die Erdkruste wird hier gedehnt, weil sich die ehemals subduzierte Lithosphäre unter Italien nach Osten zurückzieht. In der Folge entstehen Abschiebungen, entlang derer sich die Erdkruste ruckartig bewegt – der typische Mechanismus für Erdbeben in dieser Region.

Auch der aktuelle Schwarm wird sehr wahrscheinlich durch eine solche Normalstörung verursacht, die tief in der kontinentalen Kruste aktiv ist.

Das betroffene Gebiet gehört zu den seismisch aktivsten Zonen Italiens. In den vergangenen Jahrzehnten kam es hier wiederholt zu starken Erdbeben, darunter die Ereignisse von 1997 (Umbrien–Marche) sowie die Erdbebenserie 2016–2017 in Mittelitalien.

Ob der aktuelle Schwarm bereits abgeschlossen ist oder weitere Erschütterungen folgen, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Erfahrungsgemäß können solche Serien stunden- bis tagelang andauern, ohne zwangsläufig in ein größeres Beben überzugehen.

Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Ruhe auf, empfehlen jedoch – wie in seismisch aktiven Gebieten üblich – Aufmerksamkeit und die Einhaltung grundlegender Vorsichtsmaßnahmen.