Kanarische Inseln von zwei Erdbeben mit Magnituden über 3 erschüttert – anhaltende vulkanotektonische Seismizität auf Teneriffa
Auf den Kanarischen Inseln hat die seismische Aktivität in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. Innerhalb von weniger als 24 Stunden registrierten die seismischen Messnetze zwei Erdbeben mit Magnituden über 3. Gleichzeitig setzt sich auf Teneriffa die Serie schwacher Erschütterungen fort, die bereits seit mehreren Tagen anhält. Das wirft die Frage auf, wie sicher die bei Touristen beliebten Kanarischen Inseln im Hinblick auf Erdbeben und Vulkanausbrüche während der Urlaubszeit sind.

Das stärkste Erdbeben ereignete sich am 30. Juni um 01:31 UTC nordöstlich von Gran Canaria. Das Beben erreichte eine Magnitude von 3,9 und hatte ein Hypozentrum in 10 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum befand sich etwa 34 Kilometer nordöstlich von Las Palmas de Gran Canaria im Atlantik. Aufgrund seiner Stärke wurde das Erdbeben auf mehreren Inseln wahrgenommen, ohne dass bislang Schäden oder Verletzte gemeldet wurden. Beim EMSC schrieb ein Bebenzeuge, dass er zum ersten Mal in seinem Leben ein Erdbeben gespürt habe, das fünf bis sechs Sekunden dauerte.
Bereits am Vortag hatte sich ein weiteres, theoretisch spürbares Erdbeben der Magnitude 3,4 im nördlichen Bereich der Kanarenregion ereignet. Das Hypozentrum wurde ebenfalls in 10 Kilometern Tiefe lokalisiert. Das Epizentrum lag rund 230 Kilometer südwestlich von Madeira und damit deutlich nördlich des eigentlichen Inselarchipels. Solche Beben in der ozeanischen Übergangszone zwischen Madeira und den Kanaren sind zwar nicht ungewöhnlich, werden aufgrund ihrer Lage jedoch meist nicht wahrgenommen.
Während diese beiden Erdbeben wahrscheinlich rein tektonischer Natur waren und sich entlang lokaler Störungszonen ereigneten, hält auf Teneriffa die magmatisch bedingte Seismizität weiter an. In den vergangenen 48 Stunden wurden 22 Erdbeben mit Magnituden zwischen 0,9 und 1,9 registriert. Hinzu dürften zahlreiche Mikrobeben gekommen sein, die in den öffentlichen Erdbebentabellen nicht aufgeführt werden. Die meisten Erschütterungen konzentrieren sich auf den Bereich zwischen Vilaflor, Guía de Isora, La Orotava und Los Realejos im Umfeld des Teide-Vulkans, insbesondere westlich der Caldera Las Cañadas. Die Hypozentren lagen überwiegend in Tiefen zwischen 10 und 18 Kilometern.
Die örtlichen Vulkanologen stufen diese vulkanotektonische Seismizität als normal für einen als aktiv eingestuften Vulkan ein und sehen derzeit keine Anzeichen für einen unmittelbar oder mittelfristig bevorstehenden Vulkanausbruch. Durch die Ansammlung magmatischer Fluide in rund 10 Kilometern Tiefe hebt sich der Boden im Bereich des Vulkans langsam an. Erhöhte Kohlendioxid-Emissionen sprechen ebenfalls für eine tiefe Magmenakkumulation. Im ungünstigsten Fall könnte Magma von dort aus rasch aufsteigen und eine Eruption auslösen, was derzeit allerdings vergleichsweise unwahrscheinlich erscheint. Langfristig halte ich eine weitere Eruption am Teide für wahrscheinlich, wenn auch nicht zwangsläufig in naher Zukunft.
Spürbare Erdbeben und ein möglicherweise heranreifender Vulkanausbruch werfen die Frage auf:
Wie sicher sind die Kanarischen Inseln derzeit im Hinblick auf Erdbeben und Vulkanausbrüche?
Erdbeben stellen in vielen Regionen der Erde eine latente Gefahr dar und können sowohl in Gebieten mit Hotspot-Vulkanismus als auch in der Nähe von Plattengrenzen jederzeit ohne Vorwarnung auftreten. Den Kanarischen Inseln wird insgesamt ein geringes bis mäßiges Erdbebenrisiko attestiert. Das stärkste mit modernen Instrumenten registrierte Erdbeben ereignete sich 1989 nahe des Unterwasservulkans Enmedio zwischen Teneriffa und Gran Canaria und erreichte eine Magnitude von 5,2. Ein solches Beben ist deutlich spürbar und kann leichte Gebäudeschäden verursachen. Katastrophale Zerstörungen sind bei dieser Magnitude allerdings nur unter sehr ungünstigen Bedingungen zu erwarten.
Wer als Urlauber in einem stabil errichteten Gebäude übernachtet, muss sich wegen des Erdbebenrisikos auf den Kanaren keine grauen Haare wachsen lassen. Dennoch ist es sinnvoll, sich bereits bei der Ankunft über mögliche Evakuierungsrouten zu informieren. Das gilt nicht nur für den Fall eines stärkeren Erdbebens, sondern auch im Hinblick auf Tsunamis oder einen Vulkanausbruch.
Im Falle einer bevorstehenden Eruption auf Teneriffa ist damit zu rechnen, dass sich die Seismizität in den Wochen und Tagen zuvor noch weiter steigert. Kritisch wird die Situation meist dann, wenn täglich mehrere Hundert bis Tausend Erdbeben registriert werden. Als Tourist würde ich unter solchen Bedingungen keine Reise mehr nach Teneriffa buchen. Warnungen der Behörden sollten dann unbedingt ernst genommen werden.
Sollte es zu einer Eruption kommen, würde sie sich nach heutigem Kenntnisstand wahrscheinlich innerhalb der Caldera oder an der Nordwestflanke des Vulkans ereignen. Im letztgenannten Fall wäre ein überwiegend effusiver Lavaausbruch zu erwarten, vor dem man sich in der Regel rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Explosivere Ascheeruptionen könnten hingegen den Flugverkehr stark beeinträchtigen.
Dass es bereits während der diesjährigen Sommerferien zu einer Eruption kommt, ist derzeit eher unwahrscheinlich. Einen Grund, eine bereits gebuchte Reise zu stornieren, gibt es nach der aktuellen Lage nicht. Dennoch empfiehlt es sich, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und sich regelmäßig über die Einschätzungen der zuständigen Behörden und Vulkanologen zu informieren. Darüber hinaus besteht immer das Risiko unerwarteter Entwicklungen die zu einer Naturkatastrophe führen können und sich nicht vorhersagen lassen.