Flammen schießen aus Förderschlot am Kilauea- nächste Lavafontänen-Episode bereits nächste Woche
Am Kilauea auf Hawaii ist der Fokus der Vulkanologen derzeit nicht nur auf die nächste Lavafontänen-Phase gerichtet, die sich nach einer kürzeren Pause ereignen könnte, als es nach den letzten Episoden der Fall war, sondern auch auf ein interessantes Zwischenspiel im Krater des Halemaʻumaʻu: Dort wurden in den vergangenen Tagen ungewöhnlich große Flammen gesichtet, die überwiegend aus dem südlichen Förderschlot schossen. Ein Phänomen, das besonders in den Dämmerungsstunden ästhetische Fotos ermöglichte.

Die Flammen treten nicht kontinuierlich, sondern in Phasen auf und sind nachts besonders gut sichtbar. Das Schauspiel hängt mit starker Entgasung des Magmas im Untergrund zusammen und ist auf die Entzündung austretender vulkanischer Gase zurückzuführen. Es handelt sich vor allem um heiße Gasgemische, die unter Druck aus dem Magma aufsteigen und beim Kontakt mit Sauerstoff reagieren. Unter den richtigen Bedingungen können sich Bestandteile wie Wasserstoff oder Schwefelverbindungen entzünden und sichtbare Flammen erzeugen.
Solche Erscheinungen sind keineswegs dauerhaft zu beobachten und gelten als seltene Begleitphänomene des Vulkanismus. Ihr Auftreten hängt stark von Gaszusammensetzung und Temperatur ab. Derzeit scheinen diese Faktoren günstig zu sein, was die ungewöhnlich deutliche Aktivität erklärt. Während am südlichen Krater wiederholt Flammen registriert wurden, bleibt der nördliche Krater vergleichsweise ruhig – auch wenn dort weiterhin Gase entweichen.
Zudem lädt der Vulkan weiter auf und zeigt klare Anzeichen der Druckbeaufschlagung. Messungen belegen eine fortschreitende Aufblähung des Gipfelbereichs seit dem Ende der letzten Lavafontänen-Episode am 9. April. Diese Inflation ist ein typischer Vorbote neuer eruptiver Aktivität. Prognosemodelle gehen davon aus, dass die 45. Eruptionsphase zwischen dem 20. und 25. April einsetzen könnte. Sollten die Prognosen eintreffen, dann hat sich das Pausenintervall deutlich verkürzt, was auf stärkeren Magmenaufstieg hindeutet. Die dabei erwarteten Lavafontänen dürften erneut aus einem oder beiden Schloten innerhalb von Halemaʻumaʻu austreten.
Abseits des Kilauea-Gipfels bleibt die Lage vergleichsweise ruhig. Entlang der Ost- und Südwest-Riftzone wurden weder erhöhte seismische Aktivität noch signifikante Bodenverformungen festgestellt. Auch die Gasemissionen in diesen Bereichen liegen weiterhin auf niedrigem Niveau. Die aktuelle Warnstufe bleibt auf „Advisory“.
Abseits des Vulkangeschehens meldet das HVO, dass in den letzten Tagen pausenlos Techniker am Kilauea im Einsatz waren, die Schäden an Messstationen und Kommunikationsanlagen behoben, die durch das bei der letzten Eruption stattgefundene Bombardement mit Tephra verursacht worden waren.