Mittelstarkes Erdbeben vor der Südostküste von Kreta – mehrere Wahrnehmungsmeldungen
Datum: 19.04.2026 | Zeit: 07:04:41 UTC | Koordinaten: 34.897 ; 25.881 | Tiefe: 10 km | Mb 4,6
Am Sonntagmorgen erschütterte ein moderates Erdbeben die Region vor der Südostküste von Kreta. Der Erdstoß ereignete sich am 19. April um 07:04 UTC (10:04 Uhr Ortszeit) und erreichte eine Magnitude von 4,6. Das Epizentrum lag rund 18 Kilometer südöstlich von Ierápetra sowie etwa 82 Kilometer ostsüdöstlich von Irákleion. Mit einer Herdtiefe von 10 Kilometern handelte es sich um ein vergleichsweise flaches Erdbeben, das in der näheren Umgebung deutlich wahrgenommen werden konnte. Außerdem gab es zwei Nachbeben mit Magnituden im Dreierbereich.

Berichte von Bebenzeugen deuten darauf hin, dass das Beben vor allem im Süden und Osten der Insel spürbar war. Viele Menschen beschrieben ein kurzes, aber deutlich wahrnehmbares Rütteln, begleitet von einem leichten Zittern von Gebäuden. In Innenräumen kam es vereinzelt zum Klappern von Geschirr oder Fenstern. Im Freien hingegen wurde das Ereignis teilweise nur schwach oder gar nicht bemerkt. Schäden wurden nicht gemeldet und sind nach aktuellem Stand auch nicht zu erwarten, was der moderaten Magnitude entspricht.
Tektonisch betrachtet liegt Kreta in einer der aktivsten Erdbebenzonen Europas. Die Insel befindet sich im Bereich des Hellenischen Bogens, wo die Afrikanische Platte unter die Eurasische Platte abtaucht. Diese Subduktionszone erzeugt regelmäßig Spannungen in der Erdkruste, die sich in Form von Erdbeben entladen. Das aktuelle Ereignis dürfte ein sogenanntes Krustenbeben innerhalb der oberen eurasischen Platte gewesen sein, ausgelöst durch lokale Spannungsumlagerungen.
Entlang der kretischen Südküste spiegeln sich die tektonischen Prozesse in den Gesteinen wider. So gibt es in einigen Aufschlüssen typische Gesteine eines Akkretionskeils, der durch die Konvergenz der Platten vor Kreta aufgeschoben wird. Die Gesteine umfassen sowohl Ophiolithe (auf den Kontinent geschobene ozeanische Lithosphäre) als auch stark metamorph überprägtes Gestein wie Serpentinit, das aus dem Mantelgestein Peridotit hervorgeht. Serpentinit ist aufgrund seiner glatten Oberfläche auch als „Schmeichelstein“ bekannt. Ich habe an der Südküste Kretas während einer Kartierung Serpentinite gefunden, die entlang einer Störungsfläche geradezu aus dem Erdinneren herausgequetscht wurden.