Kuba von stärkstem Erdbeben seit fast 150 Jahren erschüttert – möglicherweise alte Störungszone reaktiviert
Ein Erdbeben der Magnitude 6,1 hat am Abend des 8. Juni 2026 die Region vor der Nordwestküste Kubas erschüttert. Nach Angaben des EMSC ereignete sich das Beben um 18:00 Uhr UTC in einer Tiefe von 26 Kilometern. Das Epizentrum lag etwa 104 Kilometer westnordwestlich von Mantua und 155 Kilometer westlich von Pinar del Río im äußersten Westen Kubas. Obwohl es das stärkste Erdbeben in der Kuba-Region seit 150 Jahren war, entstanden keine größeren Schäden, dennoch gerieten Anwohner der Region in Panik.

Die Erschütterungen wurden nicht nur auf Kuba deutlich wahrgenommen, sondern auch auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán sowie in Teilen Floridas. In den Touristenzentren Cancún, Playa del Carmen und Tulum verließen Menschen vorsorglich Gebäude. Auch in Florida meldeten Bewohner spürbare Bodenbewegungen. Eine Tsunamiwarnung wurde nicht ausgegeben. Beim EMSC berichtete eine Bebenzeugin aus Cancun, dass ihr Computer und Stuhl gewackelt hätten. Ähnliche Beschreibungen gibt es aus anderen Regionen in einem Umkreis von gut 250 Kilometern um das Epizentrum herum.
Auf Kuba löste das Beben neben großer Besorgnis auch Fluchtreflexe aus. Berichte über schwere Schäden oder Opfer liegen aber nicht vor. Dennoch reagierten viele Menschen verunsichert. Bewohner der Provinz Pinar del Río berichteten von ungewöhnlich starken Erschütterungen. Zahlreiche Menschen liefen ins Freie, da Erdbeben dieser Stärke in der Region äußerst selten sind. Die Sorge ist besonders groß, weil viele Gebäude infolge der langjährigen Wirtschaftskrise in schlechtem baulichem Zustand sind.
Aus tektonischer Sicht war das Beben ungewöhnlich, da es sich innerhalb der Karibischen Platte und nicht direkt an einer aktiven Plattengrenze ereignete. Wahrscheinlich stand es mit der alten Nortecubana-Störungszone in Zusammenhang, die sich vor der Nordküste Kubas über eine Länge von rund 1200 Kilometern erstreckt und bereits während des Mesozoikums angelegt wurde. Die Nortecubana gilt nach Einschätzung vieler Geologen als weitgehend inaktiv, bringt jedoch in großen zeitlichen Abständen immer wieder Erdbeben hervor. Der Erdstoß vom Abend des 8. Juni ereignete sich einige Kilometer westlich dieser Störung. Möglicherweise bauen sich entlang der Nortecubana infolge der Rotation der Karibischen Platte noch immer langsam Spannungen auf.
Nach Einschätzung von USGS-Seismologen handelte es sich um das stärkste Erdbeben innerhalb eines Radius von etwa 322 Kilometern seit dem Jahr 1880. Damals ereignete sich nahe San Cristóbal im Westen Kubas ein Beben der Magnitude 6,0, welches wahrscheinlich ebenfalls mit der Nortecubana assoziiert war. Damit war das aktuelle Ereignis das stärkste bekannte Erdbeben in diesem Gebiet seit nahezu 150 Jahren und eines der ungewöhnlichsten seismischen Ereignisse der jüngeren Karibikgeschichte.