Schwere Unwetter im Südwesten Deutschlands: Downburst verwüstet Karlsruhe – weitere Gewitter für heute erwartet
Außergewöhnlich starke Gewitter haben am Donnerstagabend weite Teile Südwestdeutschlands erfasst und insbesondere in Baden-Württemberg schwere Schäden angerichtet. Am stärksten betroffen war der Raum Karlsruhe, wo ein starker Gewittersturm zahlreiche Bäume entwurzelte und Fahrzeuge und Gebäude beschädigte. Den pausenlos im Einsatz befindlichen Einsatzkräften bescherte er einen der arbeitsreichsten Abende der vergangenen Jahre. Die Feuerwehr sprach angesichts der Vielzahl gleichzeitiger Notfälle von einem „Ausnahmezustand“. Ein Radfahrer kam ums Leben, nachdem er von einem umstürzenden Baum getroffen worden war. Mehrere weitere Menschen wurden verletzt.
Die Gewitter gingen von einer langlebigen Superzelle aus, die aus Frankreich nach Baden-Württemberg zog. Nach ersten Einschätzungen wurde Karlsruhe von einem sogenannten Downburst getroffen. Hierbei handelt es sich um einen extrem starken Fallwind, der sich während eines Gewitters entwickelt: Kalte Luftmassen sinken mit hoher Geschwindigkeit zu Boden und breiten sich anschließend fächerförmig aus. Anders als bei einem Tornado rotieren die Winde nicht, sondern wirken geradlinig. Dennoch können sie Windgeschwindigkeiten von deutlich über 100 km/h erreichen und großflächige Verwüstungen verursachen. Typisch für einen Downburst sind zahlreiche in dieselbe Richtung umgestürzte Bäume sowie flächige Windschäden, wie sie in Karlsruhe beobachtet wurden. Eine abschließende Bestätigung durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) steht allerdings noch aus.
Die Folgen des Gewitters waren schwerwiegend: Im gesamten Stadtgebiet stürzten Bäume auf Straßen, Häuser und Fahrzeuge. Es wurden Dächer und Oberleitungen beschädigt, wodurch der Straßenbahnverkehr beeinträchtigt wurde. Infolge eines Blitzschlags geriert ein Dachstuhl in Brand. Zudem wurden mehrere Straßen überflutet.
Auch andere Regionen Baden-Württembergs wurden von den Unwettern getroffen. Im Raum Ulm stürzte ein Baum auf ein fahrendes Auto und schloss die Insassen ein, die von der Feuerwehr befreit werden mussten. Im Landkreis Ludwigsburg sowie im Raum Pforzheim sorgten umgestürzte Bäume und beschädigte Dächer für zahlreiche Feuerwehreinsätze. Zudem kam es zu Platzregen, der Straßen überflutete und Keller volllaufen ließ.
Bereits am Vortag hatten schwere Gewitter mit großem Hagel und Starkregen die Bodenseeregion sowie den Raum Reutlingen heimgesucht. Dort kam es zeitweise zu Stromausfällen und überfluteten Straßen. In der Region Ostalb wurde bei einem Unwetter ein Windrad beschädigt und ein Flügel abgerissen. Es entstanden erhebliche Sachschäden.
Auch Bayern blieb nicht verschont. Über dem Freistaat entwickelten sich ebenfalls kräftige Gewitter, die unter anderem den Großraum München erreichten. Dort fielen die Schäden aber deutlich geringer aus als entlang der Zugbahn der Superzelle in Baden-Württemberg. Dennoch kam es auch hier zu gefluteten Kellern und sturmbedingten Schäden.
Die Wetterlage bleibt angespannt. Für den heutigen Freitag warnt der Deutsche Wetterdienst ein weiteres Mal vor kräftigen bis schweren Gewittern, insbesondere im Regierungsbezirk Freiburg. Erst mit dem Durchzug einer Kaltfront zum Wochenende soll sich die Wetterlage allmählich beruhigen und die Unwettergefahr zurückgehen.