Vulkanausbruch am Piton Fournaise überraschte Wanderer am Gipfelkrater – Sie liefen um ihr Leben
Als der Piton de la Fournaise am Morgen des 13. Februar gegen 10:00 Uhr relativ überraschend ausbrach, befanden sich bereits mehrere Wanderer am Kraterrand des Dolomieu, die sich urplötzlich mit einer lebensgefährlichen Situation konfrontiert sahen. Als sie in den frühen Morgenstunden zu ihrer Wanderung in der Caldera Enclos Fouqué aufbrachen, ahnten sie nicht, in welche lebensgefährliche Situation sie in den nächsten Stunden geraten sollten. Die Tour ist nicht ganz unanstrengend: Zunächst muss man am Pas de Bellecombe-Jacob über einen schmalen Pfad mit Treppenstufen die rund 100 Meter hohe, steile Felswand der Caldera hinabsteigen, dann etwa sechs Kilometer über den Calderaboden wandern, der von erstarrten Lavaströmen bedeckt ist, bevor es schließlich auf den über 300 Meter hohen Kraterkegel hinaufgeht.
Kurz nachdem die Wanderer am Krater angekommen waren, spürten sie leichte Bodenvibrationen, die von leisem Grummeln begleitet wurden. Timothée, der mit seiner Freundin Ananda auf dem Gipfel des Piton de la Fournaise stand schilderte gegenüber der Lokalpresse, dass er diese Vibrationen zwar spürte, aber nicht richtig deuten konnte. 15 Minuten später zerriss das laute Donnern einer Explosion die Stille: Der Vulkan platzte wie eine überreife Tomate auf, und Lavafontänen schossen in den Himmel.
„Wir haben uns angeschaut und sofort gewusst: Wir müssen hier weg“, erzählte Timothée. Auch Sébastien, der sich mit einigen Freunden auf der Wanderung im Gipfelbereich befand, schilderte ähnliche Gedanken. Er begann den Ausbruch zu filmen und als er die Hitze der Lava spürte, wurde ihm klar, dass er sich in einer kritischen Situation befand und begann um sein Leben zu rennen. Seine Handyaufnahmen zeigen, wie in gut 200 Metern Entfernung rotglühende Schmelze 30 bis 40 Meter hoch in den blauen Himmel steigt.
Auch die anderen vom Vulkanausbruch Überraschten entschieden sich zur Flucht und verließen teilweise den markierten Pfad, um schneller ins Tal abzusteigen. „Wir sind nicht gerannt, wir sind geflogen“, sagte eine weitere Augenzeugin. In der Ferne waren weiterhin detonationsartige Geräusche zu hören, begleitet vom Rauschen der Lavafontänen. Als sie in scheinbar sicherer Distanz waren, setzte Timothée einen Notruf ab und forderte einen Rettungshubschrauber an, der schließlich kam und nicht nur ihn und seine Freundin aufnahm, sondern auch weitere Wanderer in der Nähe der Eruptionsspalten.
Mindestens drei Personen erlitten auf der Flucht leichte Verletzungen, weil sie im steilen, unwegsamen Gelände stürzten oder umknickten. In direkten Kontakt mit der Lava geriet jedoch niemand.
Der Vorfall dürfte weitere Diskussionen um die Sicherheit an Vulkanen entfachen. Tatsächlich war der Zutritt zur Caldera wenige Tage nach der Eruption vom 18. bis 20. Januar wieder geöffnet worden, wobei Wanderer angewiesen wurden, sich ausschließlich entlang der markierten Wege zu bewegen. Obwohl die Seismizität auch nach der Eruption leicht erhöht war und Vulkanologen wussten, dass sich weiterer Druck im Fördersystem aufbaute, wurden sie von dem erneuten Ausbruch überrascht, der sich lediglich durch ein rund 35-minütiges Schwarmbeben ankündigte.
Tatsächlich sind die Initialphasen einer Eruption die gefährlichsten. Insbesondere bei effusiven Eruptionen mit Spaltenöffnungen lässt sich in der Regel nicht vorhersagen, wann, wo und wie lange sich Spalten öffnen werden, sodass für alle, die sich auf aktiven Vulkanen bewegen, ein Restrisiko bleibt. Jeder Vulkanwanderer muss daher für sich selbst abwägen, ob er bereit ist, solche Risiken einzugehen.
Für die Betroffenen bleiben die Minuten der initialen Ausbruchsphase unauslöschlich. „Man hört immer, wie beeindruckend so eine Eruption ist“, sagt Timothée. „Aber wenn die Lavafontänen plötzlich neben dir aufsteigen, ist es nur noch eines: beängstigend.“
Der Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise geht auch am Morgen des 15. Februars weiter. Die Lavafront befindet sich nur noch 2,2 Kilometer von der Küstenstraße entfernt.
