Ungewöhnlicher Eisvulkan bildete sich im Letchworth State Park – eisige Temperaturen ließen Gebilde um Wasserfontäne wachsen
In den USA kam es durch das Zusammentreffen außergewöhnlich niedriger Temperaturen mit einer historischen Wasserfontäne im Letchworth State Park im Westen des Bundesstaates New York zur Bildung eines 9 Meter hohen „Eisvulkans“. Hierbei handelt es sich um einen steilen Eiskegel, der im Prinzip wie ein umgekehrter Eiszapfen aufgebaut ist und mich persönlich sehr an einen Hornito erinnert: Um den Wasserstrahl der Fontäne bildet sich aus dem gefrierenden Spritzwasser ein Eiskegel. Das spektakuläre Phänomen entwickelte sich aus der Glen-Iris-Fountain, die seit den 1860er Jahren in Betrieb ist und nach dem Prinzip eines artesischen Brunnens funktioniert.
Viele Tage mit konstanten Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt haben das ungewöhnliche Eisbauwerk in den letzten Wochen rapide wachsen lassen. Beobachter berichten, dass Windchill-Werte (gefühlte Temperaturen) teils bis zu −38 °C erreicht wurden, während offizielle Messstationen ähnlich extreme Minusgrade registrierten. Diese Bedingungen gehören zu den heftigsten arktischen Kälteeinbrüchen der vergangenen Jahre in der Region und trugen dazu bei, dass die Eisschichten um den Brunnen sich Schicht für Schicht auftürmten.
Die Glen Iris Fountain ist eine rein durch natürlichen Wasserdruck gespeiste Quelle und arbeitet ohne Pumpensysteme. Das Wasser steht in einem unterirdischen Aquifer unter Druck, der angebohrt wurde. Seitdem steigt das Wasser von selbst an die Oberfläche, wie es für einen artesischen Brunnen typisch ist.
Der Eisvulkan ist kein komplett neues Phänomen, sondern die Eisstruktur wuchs auch schon bei früheren langanhaltenden Frostperioden, doch in diesem Jahr ist sie besonders groß.
Die Ursache für diese ungewöhnlich strengen Wintertemperaturen liegt in großen arktischen Luftmassen, die bis weit in den Osten der USA hineindrängen. Meteorologen führen dies unter anderem auf eine Störung des Polarwirbels zurück, einem riesigen Wirbel kalter Luft über der Arktis, der durch atmosphärische Effekte weiter nach Süden ausgedehnt wurde als üblich. Sehr wahrscheinlich ein Effekt des Klimawandels, wobei ich auch nochmal auf die Hunga-Tonga-Ha’apai-Eruption verweisen möchte, die gerade in den oberen Atmosphärenschichten einen deutlichen Temperaturanstieg bedingte und zur Störung des Polarwirbels beitragen könnte.
Für die kommenden Tage zeigen Wettermodelle eine allmähliche Milderung der Temperaturen, besonders in tieferen Lagen. Während tagsüber langsam wieder Werte um den Gefrierpunkt möglich sind, dürfte die Kälte nächtlich noch anhalten, sodass der Eisaufbau am „Vulkan“ vorerst weitergeht – zumindest bis ein markanter Wärmeeinbruch einsetzt.
Das Phänomen zieht Besucher aus nah und fern an, dient aber auch als eindringliches Beispiel dafür, wie extreme Wetterlagen dramatische und überraschende Spuren in der Natur hinterlassen können.
Eisvulkane gibt es etwas auch am Mount Erebus in der Antarktis. An diesem Vulkan entstehen hornitoähnliche Schornsteine um Fumarolen herum, die den Wasserdampf gefrieren lassen. Mächtige Kryovulkane finden sich auf den Jupitermonden Io und Europa und auf dem Saturnmond Enceladus. Allerdings ist es hier nicht unbedingt Wasser dass gefriert.