Stromboli: Erdbeben M 4,7 in großer Tiefe

Erdbeben ML 4,7 unter dem Tyrrhenischen Meer südöstlich von Stromboli – keine unmittelbare Auswirkung auf den Vulkan

In den letzten Wochen kam es zu einer auffälligen Häufung mittelstarker bis starker Erdbeben tief unter dem Tyrrhenischen Meer, die mit der Subduktion der Ionischen Mikroplatte unter dem Eurasischen Kontinent zusammenhängen. Der gleiche Prozess ist maßgeblich für Magmenbildung verantwortlich und versorgt die Vulkane zwischen Sizilien und der Toskana mit Schmelze. Gestern Nachmittag kam es erneut zu einem dieser Erdstöße. Er hatte eine Magnitude von 4,7 und eine Herdtiefe von 214 km. Das Besondere: Das Epizentrum lag nur ca. 25 Kilometer südöstlich von Stromboli. Der Vulkan reagierte indirekt mit der kurzzeitigen Erhöhung der Tremoramplitude bis auf hohe Werte, eine Steigerung der eruptiven Tätigkeit gab es aber bis jetzt nicht.

Erdbeben. © EMSC/Leaflet

Das Ereignis steht wie bereits erwähnt im Zusammenhang mit der komplexen Subduktionszone unter Süditalien. Entlang des Kalabrischen Bogens taucht die ionische Lithosphärenplatte, die ein Überbleibsel der Tethys-Ozeankruste ist, unter die Kalabrische und Ägäische Platten ab, die Eurasien vorgelagert sind. Tiefe Erdbeben wie das aktuelle entstehen innerhalb der absinkenden Platte und unterscheiden sich grundlegend von den flachen Erschütterungen, die direkt mit Magmenbewegungen oder tektonischen Störungen in der Erdkruste zusammenhängen. Dennoch könnten sich die Vibrationen des Bebens auf das Magma unter Stromboli auswirken und die Aktivität des Vulkans beeinflussen.

Auf Stromboli selbst zeigen die jüngsten Messungen weiterhin eine insgesamt mittlere Aktivität. Das Überwachungsnetz des LGS registrierte gestern eine hohe Anzahl sogenannter Very-Long-Period-Ereignisse (VLP) von durchschnittlich 16 Ereignissen pro Stunde. Diese Signale werden häufig mit der Bewegung von Gasen und Magma im Fördersystem des Vulkans in Verbindung gebracht und spiegeln zumindest indirekt starke Entgasungen und Explosionen wider.

Auch die explosive Tätigkeit bleibt moderat, wobei der Schalldruck der Explosionen deutlich stärker war als es an den meisten Tagen der letzten Woche der Fall gewesen war. Die stärksten Explosionen erreichten einen akustischen Druck von knapp 1 Bar, während das typische Puffing und Spattering vor allem im Nordostsektor des Kraters anhält. Thermalkameras erfassten dort eine erhöhte Zahl von Wärmeimpulsen geringer Intensität.

Die Messwerte für Schwefeldioxid- und Kohlendioxid-Ausstoß liegen ebenfalls im mittleren Bereich. Gleichzeitig zeigen Neigungsmesser keine Anzeichen einer Deformation des Vulkangebäudes. Der Vulkan verbleibt auf seinem typischen strombolianischen Aktivitätsniveau.