Erneuter Lavaüberlauf auf Stromboli – weitere Erdbeben im Tyrrhenischen Meer
In der Nacht begann am liparischen Inselvulkan Stromboli ein weiterer Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kratersektor. Der Lavastrom fließt im Bereich der Sciara del Fuoco über die obere Vulkanflanke, ohne dass der Tremor besonders angestiegen wäre: Die Amplitude des vulkanischen Zitterns bewegt sich weiter im mittleren Bereich. Das INGV brachte eine kurze Notiz heraus, in der mitgeteilt wird, dass alle geophysikalischen Parameter normal seien und weder eine Aufblähung des Vulkans noch erhöhter Tremor registriert werde.
Seit Februar gab es bereits mehrere dieser Lavaüberläufe. Außerdem steigerte sich die Seismizität im Umfeld des Inselvulkans leicht. Am 15. März wurde ein schwaches Beben Mb 0,3 unter der Sciara del Fuoco registriert. Gestern gab es einen Erdstoß kurz vor der Nordküste und heute Nacht bebte es mit Mb 2,6 weiter nördlich unter dem Tyrrhenischen Meer. Die Beben unter dem Meer sind tektonischen Ursprungs und treten immer wieder auf. Wissenschaftlich ist ein direkter Zusammenhang mit den Vorgängen auf Stromboli nicht bewiesen, ich meine aber, beobachtet zu haben, dass bereits eine leichte Häufung von Erdbeben oft mit einer Aktivitätssteigerung des Vulkans einhergeht. Es könnte aber auch eine subjektive Wahrnehmung sein. Letztendlich sind in Vulkanregionen aber vulkanische Prozesse über Magmenaufstieg und Fluidbewegungen, die Spannungsänderungen verursachen, oft mit tektonischen Vorgängen verlinkt und es kann zu Wechselwirkungen kommen.
Im jüngsten INGV-Bericht zum Stromboli, der gestern veröffentlicht wurde und den Beobachtungszeitraum 9. bis 15. März beschreibt, wird dem Vulkan eine normale Tätigkeit ohne besondere Auffälligkeiten attestiert. Die Explosionshäufigkeit schwankte zwischen 10 und 20 schwachen bis mittelstarken Ereignissen in der Stunde. Eine besondere Bodenhebung wurde auch auf Wochensicht nicht detektiert. Weiterhin erhöht ist der Kohlendioxid-Ausstoß am Pizzo und die Helium-Isotopen-Konzentration im Wasser eines Brunnens. Dieser Wert deutet auf Aufstieg frischen Magmas in tieferen Regionen des Strombolis hin, was an einem daueraktiven Vulkan aber nicht ungewöhnlich ist.
Auch wenn die Daten nicht darauf hindeuten, dass sich eine große Eruption anbahnt, besteht das latente Risiko zu Paroxysmen, die sich am Stromboli oft nur Minuten vorher ankündigen. In Zeiten mit Lavaüberläufen und Lavaspattering ist das Risiko hierfür erhöht.