Sturzflut setzt spanischen Ort Madrigueras unter Wasser – ausgeprägt DANA-Wetterlage als Ursache der Unwetter identifiziert
In mehreren Mittelmeerregionen gab es in den letzten Tagen heftige Unwetter, die Sturzfluten und teils katastrophale Überflutungen verursachten. Gestern manifestierte sich eine schwere Sturzflut, die den Ort Madrigueras in der Provinz Albacete im Südosten Spaniens getroffen hat. Innerhalb von nur zweieinhalb Stunden fielen dort 142 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Wassermassen überfluteten insbesondere die tiefer gelegenen Ortsteile, rissen Fahrzeuge mit und drangen in Häuser ein und setzten Garagen und Kellerräume unter Wasser. In einzelnen Gebäuden stieg das Wasser auf mehr als einen Meter. Mindestens 90 Menschen mussten von den Einsatzkräften gerettet werden. Eine 102-jährige Frau kam in ihrer Wohnung ums Leben.

Die Flut setzte gegen 18 Uhr schlagartig ein. Beim spanischen Notruf 112 gingen allein aus Madrigueras 108 Meldungen über Überflutungen ein. Wegen der zunehmenden Gefahrenlage wurde für die Provinz Albacete die Notfallstufe des regionalen Plans METEOCAM erhöht und eine ES-Alert-Warnung an die Bevölkerung verschickt.
Bilder und Videos dokumentierten das Geschehen, das in seiner Wucht leider kein Einzelfall mehr ist, sondern vor allem im Herbst und Frühjahr immer häufiger vorkommt. Das Wasser schoss in reißenden Strömen durch die Straßen und riss sogar Fahrzeuge mit sich. Fußgänger haben in so einem Fall keine Chance, sich auf den Beinen zu halten, und werden zum Spielball der Naturgewalten.
Meteorologisch betrachtet steht das Ereignis mit einer weiteren DANA-Wetterlage über Spanien im Zusammenhang. Ein Vorstoß kalter Luft in mittleren und höheren Atmosphärenschichten sorgt für eine ausgeprägte Labilisierung der Atmosphäre. Gleichzeitig wird aus dem noch ungewöhnlich warmen westlichen Mittelmeer viel Feuchtigkeit nach Spanien transportiert. Dadurch können sich hochreichende Gewitter entwickeln, die extreme Niederschlagsmengen mit sich bringen. Der spanische Zivilschutz warnt deshalb ausdrücklich vor plötzlich anschwellenden Bächen und Überflutungen in tiefer gelegenen Gebieten sowie entlang von Rambla genannten Trockentälern und Abflussrinnen.
Madrigueras liegt in der Manchuela, einer Landschaft im Übergangsbereich zwischen der kastilischen Hochebene und dem Einzugsgebiet des Júcar. Die Morphologie spielt bei solchen Ereignissen eine wichtige Rolle: Nach extremem Starkregen kann das Wasser auf den teilweise nur schwach geneigten Flächen zunächst großflächig abfließen und sich anschließend in natürlichen Senken, Abflussrinnen und tiefer gelegenen Bereichen ansammeln. Dort können innerhalb kürzester Zeit gewaltige Wassermengen zusammenkommen.
Damit erklärt sich auch der Unterschied zwischen der Niederschlagsmenge und dem Ausmaß der Überflutung: Nicht nur das direkt über Madrigueras niedergehende Wasser, sondern der aus dem umliegenden Einzugsgebiet zusammenströmende Oberflächenabfluss kann die eigentliche Flutwelle erzeugen. Fahrzeuge werden dadurch bereits bei relativ geringer Wassertiefe mitgerissen, weil die Strömungskräfte schnell sehr groß werden.
Das Ereignis ist somit ein typisches Beispiel für eine Sturzflut innerhalb einer DANA-Wetterlage – und nicht für die Auswirkungen eines Medicane, wie ich in früheren Artikeln zu den Unwettern spekuliert habe.
