Teneriffa: Erdbebenschwarm vor der Nordküste

Erdbebenschwarm vor Teneriffa: 15 Beben nordöstlich von Anaga registriert

Vor der Nordostküste Teneriffas hat sich an ungewöhnlicher Stelle ein kleiner Erdbebenschwarm ereignet. Zwischen dem 26. August um 18:37 Uhr und dem 27. August um 11:29 Uhr registrierte das Seismologische Netzwerk der Kanarischen Inseln insgesamt 15 Erdbeben geringer Magnitude im Meeresgebiet nordöstlich der Halbinsel Anaga.

Teneriffa. © INVOLCA

Elf der Ereignisse konnten genauer lokalisiert werden. Ihre Hypozentren lagen in einer Tiefe von etwa 25 bis 30 Kilometern und damit deutlich unterhalb der oberflächennahen Bereiche des Vulkansystems. Das Beben manifestierte sich in der gleichen Tiefe wie die zahlreichen starken Schwarmbeben der letzten Wochen unter der Caldera des Teide, die zuletzt nachgelassen hatten. Das stärkste der aktuellen Beben erreichte am Abend des 26. August eine Magnitude von 3,6. Die folgenden Erschütterungen waren schwächer und kamen auf maximal M 2,2. Aufgrund ihrer Lage konnten einzelne Beben von Menschen auf Teneriffa wahrgenommen werden, was während der Schwarmbeben unter dem Teide nicht vorkam.

Der Erdbebenschwarm nördlich der Insel ist bemerkenswert, obwohl das Gebiet nordöstlich von Teneriffa auch zuvor seismisch nicht völlig ruhig war. Auch in den vergangenen Jahren wurden dort immer wieder schwache Erdbeben registriert. Nach Einschätzung der kanarischen Vulkanologen handelt es sich bei der aktuellen Serie nicht um einen direkten Hinweis auf eine bevorstehende vulkanische Aktivität, sondern um Ausdruck der moderaten tektonischen Aktivität, die den Kanarischen Archipel prägt.

Obwohl die Schwarmbeben unter dem Teide in den letzten 3 Wochen nachgelassen hatten, wies der letzte GUAYOTA-Wochenbericht vom 21. August immer noch eine leicht erhöhte Seismizität auf Teneriffa aus. In der vorangegangenen Woche wurden 44 Erdbeben unter Teneriffa registriert; im gesamten Archipel waren es 56 Ereignisse. Das stärkste dieser Beben erreichte M 2,3 und lag rund 20 Kilometer nordöstlich der Insel.

In der vergangenen Woche wurden keine relevanten Veränderungen der Bodendeformation festgestellt. Die vulkanischen Überwachungssysteme zeigen damit derzeit kein eindeutiges Muster einer zunehmenden Magmenbewegung. Allerdings weist die geochemische Überwachung auf Teneriffa weiterhin vergleichsweise erhöhte diffuse vulkanische Gasemissionen hin, die im Berichtszeitraum stärker waren als in vorherigen Perioden. Seit 2016 wird zudem eine langsame Druckzunahme im hydrothermalen System der Insel beobachtet, die von INVOLCAN als für vulkanische Systeme kurz- bis mittelfristig normal eingestuft wird.

Der aktuelle Schwarm vor Anaga ist somit vor allem wegen seiner zeitlichen Konzentration interessant. Ein vulkanischer Zusammenhang lässt sich aus den bisherigen Daten jedoch nicht ableiten. Der Vulkanalarm auf Teneriffa bleibt auf Grün.