Campi Flegrei: Zwei Erdbeben Md 1,8 am Freitag

Zwei Erdbeben der Magnitude 1,8 erschütterten Campi Flegrei am Freitag – Wochenbericht bestätigt lange anhaltende Trends

Nachdem es in den vergangenen Tagen im Bereich der süditalienischen Caladera Campi Flegrei aus seismischer Sicht relativ ruhig war, hat die Aktivität am Freitag, 28. August 2026, etwas zugenommen. Nach Angaben de s INGV und einer Meldung der Kommune Pozzuoli ereignete sich um 14:16 Uhr Ortszeit (12:16 UTC) ein Erdbeben der Magnitude Md 1,8. Das Hypozentrum lag in 2,82 Kilometern Tiefe im Bereich des Monte Spina. Bewohner in der Nähe des Epizentrums berichteten zudem von einen Knall gehört zu haben, der durch das Erdbeben ausgelöst worden sein soll. Bereits am Morgen hatte es im Westen des Golfs von Pozzuoli einen vergleichbaren Erdstoß gegeben, der sein Hypozentrum in 3 Kilometern Tiefe hatte. Die Erdbeben lagen somit in Tiefen im Grenzbereich zwischen dem Hydrothermalsystem und dem Calderadeckel und könnten mit Rissbildung im Gestein einhergegangen sein.



Campi Flegrei. © INGV

Die heutigen Erdstöße erreichten Stärken, die über dem Magnitudenmaximum der vergangenen Wochen liegt, was man dem am 25. August veröffentlichten Wochenbulletin für den Beobachtungszeitraum 17. bis 23. August entnehmen kann. In diesen sieben Tagen wurden insgesamt 37 Erdbeben mit Md ≥ 0,0 lokalisiert. Das stärkste Ereignis erreichte nur eine Magnitude Md 1,2. Besonders auffällig war allerdings ein kleiner Schwarm, der am 21. August um 21:13 UTC unter der Solfatara einsetzte. Er umfasste 15 Beben mit Magnituden zwischen 0,0 und 1,1.

Die seismische Entwicklung steht dabei im Zusammenhang mit der weiterhin aktiven Bodenhebungsphase der Caldera, die bereits im Jahr 2005 einsetzte und gemeinhin als Bradyseismos bezeichnet wird. Seit Anfang Februar 2026 beläuft sich die Bodenhebungsgeschwindigkeit im Bereich der stärksten Deformation auf etwa 10 ± 3 Millimetern pro Monat. Aus der gezeigten Grafik wurde der Versatz des starken Erdbebens Md 4,7 herausgerechnet, was die anhaltende Bodenverformung besser visualisiert. Wie groß der Versatz durch das Erdbeben genau war ist noch Forschungsgegenstand. An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die Hebung seit Januar 2025 auf 30,5 Zentimeter.

Der Bericht zum Zustand des Hydrothermalsystems bestätigt die langjährigen Trends der Druck- und Temperaturbeaufschlagung des Systems. Die Fumarole BG (Bocca Grande) in der Solfatara erreichte zuletzt eine Durchschnittstemperatur von etwa 173 °C. Die Hauptfumarole des Thermalgebiets Pisciarelli war im Berichtszeitraum 95 Grad heiß und zeigte weiterhin erhöhte Kohlendioxid-Flüsse.

Politik fordert langfristige Lösungen

Obgleich sich die Wogen, die das Erdbeben vom 31. Juli schlug, inzwischen wieder etwas glätteten, zeigen sich große Teile der Bevölkerung der Campi Flegrei weiterhin besorgt, was die politischen Debatten am Leben hält. Allerdings lehnte der Regionalrat Kampaniens heute die Forderung nach einer sofortigen Ausrufung des Ausnahmezustands zunächst ab und verabschiedete stattdessen eine Resolution, die ein Sondergesetz für die Phlegräischen Felder verlangt.

Regionalpräsident Roberto Fico erklärte, ein Ausnahmezustand allein werde die dringendsten Probleme der betroffenen Bevölkerung nicht automatisch lösen. Gefordert werden unter anderem zusätzliche Hilfen für Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten, die Aussetzung von Hypothekenzahlungen sowie finanzielle Unterstützung für Unternehmen. Auch die Erdbebensicherheit von Gebäuden und die personelle Ausstattung der betroffenen Kommunen sollen verbessert werden.

Die Resolution schließt einen späteren Ausnahmezustand allerdings nicht aus. Sollte sich das bestehende Maßnahmenpaket als unzureichend erweisen, sollen auch außergewöhnliche Maßnahmen geprüft werden. Im Endeffekt die gleichen wirkungslosen Versprechen, mit denen man die Bevölkerung seit der Eskalation der Situation in 2018 ständig abspeist. Sollte es zu einem noch stärkeren Erdbeben mit größeren Schäden oder sogar zu einem Vulkanausbruch kommen, bin ich mal gespannt, ob auch nur ein einziger Politiker die „Eier in der Hose“ hat, die politische Verantwortung zu übernehmen.