Teneriffa: Studie identifiziert aktive Magmazone unter der Vulkaninsel

Neue Studie enthüllt mehrstufiges Magmareservoir unter Teneriffa – aktuelle Erdbebenschwärme erklärbarer geworden

Eine neue Studie liefert erstmals ein dreidimensionales Bild der tiefen Erdkruste und des oberen Mantels unter Teneriffa und zeigt ein komplexes System aus mehreren Zonen, in denen sich Magma ansammeln könnte. Besonders auffällig ist eine ausgedehnte Zone mit extrem niedrigen seismischen Geschwindigkeiten unter dem Westen der Insel. Die Ergebnisse geben neue Einblicke in die „magmatische Klempnerarbeit“ des Vulkansystems und könnten auch helfen, die wiederholt auftretenden Erdbebenschwärme auf Teneriffa besser zu verstehen.



Die neue Studie „Revealing magma storage and underplating beneath Tenerife island from receiver function analysis“ von Víctor Ortega-Ramos, Luis D’Auria und Kollegen wurde am 23. August 2026 in Scientific Reports veröffentlicht und basiert auf Daten, die noch vor dem Einsetzen der ungewöhnlichen Erdbebenschwärme unter der Vulkaninsel gesammelt wurden. Trotzdem dürfte der wissenschaftliche Nachweis einer aktiven Magmazone unter dem Vulkan nun endlich klarstellen, dass die Erdbebenschwärme in erster Linie durch Magmenakkumulation bzw. durch die Bewegung von Magma ausgelöst werden und nicht durch Fluide eines Hydrothermalsystems verursacht werden.

Blick ins Erdinnere unter Teneriffa

Für die Untersuchung werteten die Wissenschaftler mehr als 785 weit entfernte Erdbeben aus, die zwischen 2017 und 2024 von der seismischen Infrastruktur auf Teneriffa aufgezeichnet wurden. Zum Einsatz kamen sogenannte Receiver-Function-Analysen. Dabei wird untersucht, wie sich Erdbebenwellen beim Durchqueren verschiedener Gesteinsschichten verändern. Treffen die Wellen auf Grenzflächen mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften, werden sie teilweise reflektiert oder in eine andere Wellenart umgewandelt. Aus diesen Veränderungen lässt sich die Struktur des Untergrunds rekonstruieren.

Die Methode ist damit eine Form seismologischer Bildgebung, unterscheidet sich aber von der klassischen seismischen Tomografie. Aus den Messungen konnten die Forscher ein dreidimensionales Modell der S-Wellengeschwindigkeit bis in 50 Kilometer Tiefe erstellen.

Vier auffällige Zonen geringerer Erdbebenwellen-Geschwindigkeiten

Grafische Darstellung der Schmelzzonen unter Teneriffa. © INVOLCAN

Das Modell zeigt zunächst eine rund zehn Kilometer mächtige, relativ starre ozeanische Kruste, auf der die Insel aufsitzt. Darunter folgt ein deutlich heterogenerer Bereich mit vier großen Zonen ungewöhnlich niedriger S-Wellengeschwindigkeiten.

Solche Geschwindigkeitsanomalien können auf erhöhte Temperaturen, veränderte Gesteinseigenschaften oder teilweise aufgeschmolzenes Material hinweisen. Besonders deutlich ausgeprägt ist eine Zone niedriger Wellengeschwindigkeit unter dem westlichen Teil Teneriffas. In Kombination mit thermodynamischen Berechnungen kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass in den Bereichen mit den niedrigsten Geschwindigkeiten lokal sehr hohe Schmelzanteile möglich sind. Diese sollen bis zu 79 Gewichtsprozent betragen und beinhalten somit mehr als genug Schmelze, um eruptionsfähig zu sein.

Die Autoren führen die Strukturen auf sogenanntes magmatisches Underplating zurück. Dabei steigt Magma aus dem oberen Mantel auf und sammelt sich an der Unterseite der ozeanischen Kruste. Über lange Zeit kann dieser Prozess die Zusammensetzung und Temperatur der Krustenbasis verändern und große Mengen Magma in der Tiefe akkumulieren.

Verbindung zu den Erdbebenschwärmen

Besonders interessant wird der Befund im Zusammenhang mit der ungewöhnlich vielfältigen Seismizität Teneriffas, die im Herbst 2025 begann und sich im Jahr 2026 fortsetzte. Wie berichtet wurden besonders seit dem Frühjahr mehrere Schwärme niedrigfrequenter und hybrider Erdbeben registriert, die zum Teil hunderte Ereignisse in Tiefen von etwa 8 bis 12 Kilometern umfassten. Im Juni folgte eine weitere Phase mit mehr als 250 Mikrobeben, bevor Anfang Juli erneut ein hybrider Schwarm registriert wurde. Für den Juli-Schwarm wurden dabei rund 4.500 hybride Ereignisse genannt.

Die neue Studie liefert nun einen geologischen Rahmen, unter dem auch die aktuellen Erdbebenschwärme betrachtet werden können. Die Autoren stellen fest, dass sich lokale Erdbebencluster räumlich oberhalb der tiefen Zonen mit niedrigen S-Wellengeschwindigkeiten befinden. Sie interpretieren dies als möglichen Hinweis auf Prozesse der Magmaakkumulation, Entgasung und den Transport magmatischer Fluide in das hydrothermale System.

Ein direkter Nachweis, dass die Schwärme von 2026 durch eine aktuelle Magmainjektion aus der identifizierten Tiefenzone verursacht wurden, liegt zwar nicht vor, erscheint mir unter Berücksichtigung der neuen Studienergebnisse allerdings plausibel zu sein.

Studienquelle: Ortega-Ramos, V., D’Auria, L., Granja-Bruña, J. L. et al. (2026): Revealing magma storage and underplating beneath Tenerife island from receiver function analysis. Scientific Reports, 2026. DOI: 10.1038/s41598-026-68243-w. Veröffentlicht am 23. August 2026. Lizenz der CC 4.0.