Tornados: Überdurchschnittliche April-Tätigkeit in den USA

262 Tornados wüteten im April in den USA – deutlich über dem langjährigen Durchschnitt

Am 28. April 2026 traf ein EF-3-Tornado die Stadt Mineral Wells im US-Bundesstaat Texas und hinterließ eine breite Schneise der Verwüstung. Nach vorläufigen Erhebungen erreichten die Windgeschwindigkeiten im Inneren des Wirbelsturms 233 km/h. Der Sturm zerstörte oder beschädigte 130 Gebäude, ganze Wohnviertel wurden dem Erdboden gleichgemacht. Mindestens fünf Menschen wurden verletzt. Bemerkenswert ist jedoch, dass es keine bestätigten Todesopfer gab – ein ähnliches Bild wie vier Tage zuvor, als es in Enid zum stärksten Tornado im April gekommen war: Er verwüstete den Ort mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 275 km/h und fiel damit in die zweithöchste Kategorie eines EF-4-Tornados.

Der Tornado von Mineral Wells war einer der jüngsten und eindrucksvollsten Belege dafür, wie aktiv die amerikanische Tornadosaison im April 2026 verlief. Insgesamt wurden 262 Tornados bestätigt, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem langjährigen April-Durchschnitt von 182 bestätigten Tornados darstellt.

Mineral Wells entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert übrigens zu einem Kurort: Der Name der Stadt stammt von den mineralreichen Grundwasserquellen, die ungewöhnlich viele gelöste Mineralien wie Eisen, Kalzium und Magnesium enthielt. Vielleicht hätte man damals sturmsichere Häuser aus Stein errichten sollen.

Dass Mineral Wells und Enid im April von Tornados heimgesucht wurden, war kein Zufall. Über Wochen hinweg hatten sich in den zentralen Vereinigten Staaten ideale Voraussetzungen für schwere Gewitter aufgebaut. Warme, feuchte Luft strömte vom Golf von Mexiko weit nach Norden, während gleichzeitig immer wieder kühlere Luftmassen aus Kanada südwärts vorstießen. Genau dieser scharfe Temperatur- und Feuchtegegensatz erzeugte die atmosphärische Instabilität, die Tornados begünstigt. Hinzu kam ein ungewöhnlich aktiver Jetstream, der über den Plains und dem Midwest für starke Windscherung sorgte – eine entscheidende Voraussetzung für rotierende Superzellen.

Der stark mäandrierende Jetstream zeichnete sich während des Winters übrigens auch mitverantwortlich für die häufigen Blizzards im Osten der USA und Frost, der bis in das subtropische Florida vorstieß und dort die Leguane von den Bäumen stürzen ließ. Möglicherweise ein Effekt des Klimawandles.

Es gab zwar nur einen EF-4-Tornado, aber mehrere EF-3-Tornados. Besonders auffällig war ein Ausbruch Mitte April im oberen Mittleren Westen. In Wisconsin wurde am 17. April ein Tornado mit EF-3-Stärke und Windgeschwindigkeiten von bis zu 233 km/h registriert. Solche Tornados prägten das Bild des Monats – EF-3 war 2026 die häufigste Kategorie schwerer Tornados.

Noch zahlreicher waren EF-2-Tornados, gewissermaßen die „Arbeitspferde“ vieler Ausbruchslagen. In Table Grove und Bryant wurden etwa 210 km/h gemessen, während ein Tornado bei Runaway Bay auf rund 217 km/h geschätzt wurde.

Erste Schätzungen amerikanischer Rückversicherer gehen allein für die Unwetter der letzten Aprilwoche von einer Schadenssumme von über einer Milliarde US-Dollar aus. Die Schäden wurden aber nicht ausschließlich von den Tornados verursacht, sondern von Unwettern und Überflutungen insgesamt, die oft mit den tornadobringenden Gewittern und Hagelschlag einhergingen.