Deutlich spürbares Erdbeben erschüttert Kupferbergbaurevier bei Glogau
Datum: 03.05.2026 | Zeit: 18:38:46 UTC | Koordinaten: 51.580 ; 16.040 | Tiefe: 3 km | Mb 4,2
Im Westen von Polen ereignete sich am 3. Mai 2026 um 18:38 UTC (20:38 Ortszeit) ein Erdbeben der Magnitude 4,3. Das Epizentrum wurde etwa 10 Kilometer südlich von Glogau lokalisiert. Mit einer sehr geringen Herdtiefe von nur 3 Kilometern gehört es zu den flachen Beben, die an der Oberfläche besonders deutlich wahrgenommen werden.

Die beim European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) eingegangenen Wahrnehmungen bestätigen dies eindrucksvoll. Mehrere Bebenzeugen beschrieben das Ereignis als „stark und lang anhaltend“ („mocno i długo“), begleitet von einem deutlichen Schaukeln („mocno zabujało“). Solche Eindrücke deuten auf spürbare Bodenbewegungen hin, die sich eher wellenartig als stoßartig anfühlen. Trotzdem wurde aus Glogau ein „Tąpnięcie“ gemeldet – ein Begriff, der im Polnischen häufig für bergbaubedingte Erschütterungen verwendet wird und ein plötzliches, kräftiges Rucken beschreibt. Insgesamt lässt sich das Beben als deutlich wahrnehmbar einordnen, mit lokalen Erschütterungen, die Möbel bewegen, Lampen zum Schwingen bringen können und Fenster klirren lassen.
Tektonisch liegt das Gebiet im Vorland der Sudeten innerhalb der stabileren Eurasischen Platte. Natürliche Erdbeben sind hier eher selten und meist schwach. Allerdings ist die Region stark vom Bergbau geprägt, insbesondere durch die Kupfererzförderung im sogenannten Legnica-Glogau-Kupferrevier. In solchen Gebieten treten häufig induzierte Seismizität und sogenannte „Bergschläge“ auf, die durch Spannungsumlagerungen im Gestein infolge der Abbauarbeiten ausgelöst werden.
Die geringe Tiefe, die moderate Magnitude und die Lage nahe bedeutender Bergbaugebiete sprechen dafür, dass das aktuelle Erdbeben zumindest teilweise mit Bergbauaktivitäten in Zusammenhang steht. Solche induzierten Beben können Magnituden über 4 erreichen und werden oft als intensiver wahrgenommen als natürliche Beben vergleichbarer Stärke, da sie näher an der Oberfläche entstehen.
Studien haben bereits vor Jahren gezeigt, dass sich der Boden im Bergbaurevier großflächig absenkt. Dabei kommt es auch zu Kollapsereignissen in alten Abbauhohlräumen, die lokale Setzungen verursachen. Mithilfe von InSAR wurden rund 30 Senkungströge mit Durchmessern von 500 Metern bis 2,5 Kilometern identifiziert. In einigen Bereichen sinkt der Boden jährlich um bis zu 50 Millimeter. Allerdings treten diese Absenkungen nicht immer gleichzeitig mit Erdbeben auf. Letztere sind meist die Folge von Spannungsumlagerungen und entstehen durch plötzlichen Gesteinsbruch.