Vulkan Ätna mit am 1. Juli anhaltendem Lavastrom

Vulkanausbruch am Ätna geht weiter – Neue Beobachtungen und Analysen der Vulkanologen

Der seit dem 26. Juni aktive Lavastrom im Osten des Ätnas ist weiterhin tätig und lockt zahlreiche schaulustige Touristen an, die im Rahmen geführter Touren bis nahe an den Lavastrom herangeführt werden. Der Lavastrom entspringt einer kurzen Förderspalte an der Basis des Voragine-Gipfelkraters auf etwa 3.030 Metern Höhe und fließt durch das Valle del Leone. Die Lavafront dürfte inzwischen das Höhenniveau von rund 2.600 Metern erreicht haben. Zeitgleich kommt es sporadisch zu strombolianischen Eruptionen und Ascheemissionen aus dem jüngsten Schlot des Voragine-Kraterkegels. Auch der Nordostkrater zeigt tief im Schlot sitzende Explosionen. Gelegentlich werden dort ebenfalls rotglühende Schlacken beobachtet.

Lavastrom. © INGV

Zum ersten Mal seit Mitte Februar veröffentlichten die Forscher des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) wieder einen Wochenbericht zur Aktivität des Vulkans. Darin beschreiben sie die anhaltende Eruption und präsentieren einige geophysikalische Messdaten, die interessante Einblicke in die aktuellen Prozesse im Untergrund liefern.

Zu den bemerkenswertesten Beobachtungen zählt, dass die aktuelle Förderspalte eine Fortsetzung des Risssystems darstellt, über das bereits am 22. Juni berichtet wurde. Drohnenaufnahmen und Geländeuntersuchungen zeigten, dass sich die Risse und Spalten im Vorfeld der Eruption weiter ausgedehnt hatten. Im Bereich des Gipfelkraters kam es zudem zu kleineren Hangrutschungen und zu einer Absenkung des Geländes um etwa drei Meter. Am 26. Juni öffnete sich schließlich am unteren Ende dieses Bruchsystems auf rund 3.030 Metern Höhe eine Eruptionsspalte, aus der seitdem kontinuierlich Lava austritt.

Die Satellitenauswertungen zeigen, dass die Eruption seit ihrem Beginn am 26. Juni an Intensität gewinnt. Die mittlere Lavaförderrate lag zuletzt bei ca. 0,7 Kubikmetern pro Sekunde, mit Spitzenwerten von bis zu 1,4 Kubikmetern pro Sekunde.* Bis zum Morgen des 30. Juni wurden nach Schätzungen des INGV etwa 64.000 Kubikmeter Lava gefördert; je nach Unsicherheit der Messungen liegt das tatsächliche Volumen zwischen rund 32.000 und 96.000 Kubikmetern.

Tremorquellen. © INGV

Auch die geophysikalischen Messnetze liefern weitere Hinweise auf die Entwicklung im Untergrund. Der vulkanische Tremor befindet sich seit Anfang Juni in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend. Seit gestern bewegt er sich im roten Bereich, liegt aber noch unterhalb der Schwelle, ab der paroxysmale Eruptionen wahrscheinlich werden. Gleichzeitig registrieren die Messstationen eine leichte Inflation des Vulkangebäudes, die auf nachströmendes Magma schließen lässt und bereits kurz vor Beginn der Eruption einsetzte. Mit dem Anstieg des Tremors in den vergangenen Tagen hat sich diese Bodenhebung weiter beschleunigt. Die Tremorquellenanalyse deutet zudem auf ein deutlich vergrößertes Magmareservoir hin, das sich unter dem nördlichen Gipfelbereich konzentriert und sich von etwa 3.00 bis auf 2.000 Meter Höhe erstreckt.

In einem Bohrlochdilatometer wurde außerdem ein leichter Anstieg des Strains registriert, der mit der Bodenhebung infolge des Magmaaufstiegs in Zusammenhang steht.

Trotz der derzeit vergleichsweise ruhigen Eruption warnen die Vulkanologen vor einer möglichen Eskalation. Der Ätna ist dafür bekannt, ohne längere Vorwarnung in deutlich energiereichere Phasen überzugehen. Stärkere Explosionen, hohe Aschewolken oder sogar pyroklastische Ströme können daher nicht ausgeschlossen werden. Der Vulkan wird weiterhin engmaschig überwacht, um Veränderungen der Aktivität möglichst frühzeitig zu erkennen.

* Die Werte zur Lavaförderung am Ätna ähneln jenen, was aktuell auf Island unter Svartsengi an Magma in das flache Speichersystem aufsteigt. Betrachtet man die Bilder des Lavastroms am Ätna, hat man eine ungefähre Vorstellung von den Dimensionen, von denen wir auf Island seit Jahresanfang sprechen. Sollte es dort zu einem neuen Spaltenausbruch kommen wird ein Großteil des über Monate akkumulierte Material in wenigen Stunden freigesetzt.