
Der Atka-Vulkankomplex besteht aus mehreren vulkanischen Zentren, von denen der Korovin-Vulkan der in historischen Zeiten aktivste ist. Weitere bedeutende Schlote formierten sich um Mount Kliuchef und dem Sarichef-Vulkan. Das gesamte System erhebt sich über einer von Gletschern, Tundraflächen und steilen Küsten geprägten Insellandschaft mit subarktisch-maritimem Klima. Kaum zu glauben, dass man sich hier auf ähnlichen geografischen Breiten befindet wie etwa London und Hamburg.
Der Korovin bildet den markantesten Feuerberg des Systems. Es handelt sich um einen etwa 1.500 bis 1.550 Meter hohen Stratovulkan mit einem komplex aufgebauten Gipfelbereich. Charakteristisch sind zwei dicht benachbarte Gipfelkegel, wobei sich am aktiveren nördlichen Gipfel ein großer Krater mit einem zeitweise vorhandenen Kratersee befindet. Dieser See spielt eine wichtige Rolle bei den häufig auftretenden phreatischen Explosionen: Heiße vulkanische Gase oder aufsteigendes Magma können Wasser im Untergrund oder im Krater plötzlich verdampfen lassen und dadurch kurze, explosionsartige Ereignisse auslösen. Eine bekannte Fumarole am Vulkan trägt den Namen "Old Steamy" und weist auf die anhaltende Entgasung des Systems hin.
Petrologisch betrachtet ordnet sich der Atka-Vulkankomplex in die typischen Reihen vulkanischer Inselbögen ein. Die Magmen entstehen durch die Subduktion der Pazifischen Platte unter die Nordamerikanische Platte. Dabei werden wasserreiche Fluide aus der abtauchenden Platte freigesetzt, die im darüberliegenden Erdmantel eine partielle Aufschmelzung verursachen. Das entstehende Magma steigt auf und bildet überwiegend kalkalkalische Vulkanite. Die Laven des Atka-Komplexes bestehen im wesentlichen aus Basalt und Andesit, wobei auch stärker differenzierte Gesteine auftreten können. Diese Zusammensetzung ist typisch für Stratovulkane an Subduktionszonen und bedingt häufig explosivere Eruptionen als bei reinen Basaltvulkanen. Es kommen aber auch kurze Lavaströme vor.
Die Entstehungsgeschichte des Atka-Vulkankomplexes reicht weit in die geologische Vergangenheit zurück. Über zahlreiche Eruptionszyklen hinweg bildeten sich mehrere Vulkankegel, Lavadome und ausgedehnte Ablagerungen pyroklastischer Materialien. Während ältere Zentren des Komplexes teilweise erloschen sind, konzentrierte sich die Aktivität in jüngerer Zeit vor allem auf Korovin. Die fortgesetzte Magmazufuhr unter dem Vulkan erklärt die bis heute anhaltende fumarolische Aktivität und gelegentliche phreatische Ereignisse.
Historische Ausbrüche des Korovin waren meist klein bis moderat und erzeugten vor allem Aschewolken, Dampfexplosionen und kleinere Lavaströme. Zu den jüngeren bedeutenderen Aktivitäten zählen Eruptionen in den Jahren 1973, 1987 und 1998. Besonders das Ereignis von 1998 erzeugte eine deutlich stärkere Ascheeruption mit einer mehrere Kilometer hohen Eruptionswolke. Neben diesen magmatischen Ausbrüchen treten am Vulkan immer wieder kleinere phreatische Explosionen auf.
Im Juni und Juli 2026 registrierte das AVO mehrere kleine Explosionen aus dem Kratersee. Die Ereignisse verliefen ohne größere Ascheemissionen und ohne Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende größere Eruption. Dennoch bleibt der Atka-Vulkankomplex ein aktives Vulkansystem, bei dem insbesondere kurzfristige Dampfexplosionen jederzeit möglich sind. Seine Kombination aus abgelegener Insellage, komplexer Geologie und wiederkehrender Aktivität macht ihn zu einem wichtigen Forschungsobjekt der Vulkanologie Alaskas.
Online seit 2026. Foto: © Hannah Dietterich/AVO/USGS.