
Der Snæfellsjökull befindet sich an der äußersten Westspitze der Snæfellsnes-Halbinsel im Westen Islands. Er erhebt sich bis auf etwa 1.446 Meter über dem Meeresspiegel und liegt unmittelbar am Nordatlantik. Charakteristisch ist seine nahezu vollständige Bedeckung durch einen Gletscher, der dem Vulkan seinen Namen gibt ("jökull" = Gletscher). Aufgrund seiner isolierten Lage und Höhe dominiert der Snæfellsjökull die Landschaft und ist bei guter Sicht über weite Teile Westislands sichtbar.
Island liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die Nordamerikanische und die Eurasische Platte auseinanderdriften. Zusätzlich wirkt unter Island ein Mantelplume (Hotspot), der die außergewöhnlich hohe vulkanische Aktivität erklärt. Das Zentrum des Hotspots befindet sich allerdings im Osten Islands, also genau am anderen Ende der Insel. Dennoch scheint er seine Finger auch in Richtung Snæfellsjökull auszustrecken.
Die Snæfellsnes-Halbinsel stellt tektonisch eine Besonderheit dar: Sie gehört nicht zur heute aktivsten Riftzone Islands, sondern bildet eine schräg verlaufende Vulkanzone, die als Snæfellsnes-Vulkanzone bezeichnet wird. Diese Zone ist älter und tektonisch komplexer als die zentralen Riftbereiche. Die Vulkane der Halbinsel sind das Ergebnis von Dehnungskräften, des Mantelplume-Einflusses und lokaler Schwächezonen in der Erdkruste.
Der Snæfellsjökull ist ein Zentralvulkan, der sich über einen langen Zeitraum hinweg aus vielen einzelnen Ausbrüchen aufgebaut hat. Seine Entstehung wurde stark durch das gleichzeitige Vorhandensein von Gletschereis beeinflusst bzw. bildete sich maßgeblich während der Eiszeit, als Island komplett vergletschert war.
Petrografie und Gesteinszusammensetzung
Die Gesteine des Snæfellsjökull sind überwiegend basaltisch, weisen jedoch auch intermediäre Zusammensetzungen (z. B. Andesit) auf. Im Vergleich zu anderen isländischen Vulkanzonen zeigt die Snæfellsnes-Region teilweise alkaline Magmen, was auf unterschiedliche Schmelzbedingungen im Erdmantel hinweist.
Typische Gesteine sind:
- Basaltlava (oft feinkörnig)
- Pyroklastische Ablagerungen wie Schlacke und Tuff
- Hyaloklastite, die durch explosive Lava-Wasser- bzw. Lava-Eis-Wechselwirkungen entstanden sind
Viele Ausbrüche des Snæfellsjökull fanden unter dem Eis statt. Wenn heißes Magma auf Gletschereis trifft, kommt es zu explosiven Dampfreaktionen, bei denen Lava schlagartig zertrümmert oder fragmentiert wird. Dadurch entstehen steile, instabile Ablagerungen und charakteristische Schichtfolgen.
Diese Prozesse führten dazu, dass der Snæfellsjökull eine relativ steile Vulkanform besitzt und sowohl explosive als auch effusive Eruptionsphasen aufweist. Das Vulkangebäude besitzt eine komplexe innere Struktur aus Lavaströmen, Tufflagen und Brekzien.
Letzte Eruptionen und heutiger Zustand
Der letzte bekannte Ausbruch des Snæfellsjökull ereignete sich vermutlich um das Jahr 200 n. Chr. Seitdem befindet sich der Vulkan in einer Ruhephase. Er gilt als ruhend, nicht als erloschen, da sein geologisches Umfeld weiterhin vulkanisch aktiv ist.
Aktuell gibt es keine anhaltende seismische Aktivität oder andere Hinweise auf Magmaaufstieg. Dennoch wird der Vulkan überwacht, da langfristig weitere Aktivität nicht ausgeschlossen werden kann.
In den letzten Monaten gab es aber im Übergangsbereich zur Snæfellsnes-Halbinsel Erdbeben. Diese konzentrierten sich vor allem an Grjotarvatn bei Borganes. Hier könnte das Ljósufjöll-Vulkansystem zum Leben erwachen.
Der Snæfellsjökull ist ein beliebtes Ziel für Bergsteiger und Touristen, stellt jedoch ernstzunehmende alpine Anforderungen.
Die Route zum Gipfel führt über Gletschergelände mit Spalten. Neben Erfahrung bedarf es einer alpinen Ausrüstung inklusive Steigeisen, Pickel und Seilsicherung. Die beste Zeit für eine Besteigung liegt im späten Frühling bis Sommer, wenn der Schnee stabil ist und die Tage lang sind.
Neben seiner geologischen Bedeutung ist der Snæfellsjökull auch kulturell stark aufgeladen. Er gilt in Island als mystischer Ort und wurde durch Jules Vernes Roman "Reise zum Mittelpunkt der Erde" weltberühmt. Die Protagonisten des Romans beginnen ihre Reise ins Erdinnere am Snæfellsjökull und werden am Stromboli wieder ausgespien.
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