
Geologisch handelt es sich beim Mount Meru um einen aktiven Stratovulkan, der im Ostafrikanischen Grabenbruch entstand. Dieser gehört zum East-African-Rift-System, einer mehrere tausend Kilometer langen Dehnungszone, in der die Afrikanische Platte allmählich in die Nubische und die Somalische Platte zerbricht. Durch die Dehnung der Erdkruste steigt heißes Mantelmaterial auf, wodurch Magma aufsteigt. Neben dem Mount Meru entstanden auf diese Weise auch der Kilimandscharo sowie zahlreiche weitere Vulkane in Tansania und Kenia.
Die Morphologie des Vulkans ist außergewöhnlich. und wurde von einem großen Flankenkollaps vor etwa 7.800 Jahren geprägt, bei dem die Ostflanke des Vulkans kollabierte und abrutschte. Zurück blieb eine hufeisenförmige Depression mit bis zu 1.500 Meter hohen Steilwänden, die nach Osten geöffnet ist. Ähnliche Depressionen kennen wir vom Mount St. Helens, Santa Maria und Bezymianny. Im Zentrum dieser Kollapsstruktur bildete sich anschließend ein neuer Gipfelkegel, dessen höchster Punkt als Socialist Peak bekannt ist. Innerhalb des Kraters liegen mehrere junge Aschenkegel und kleinere Lavadome, die von der anhaltenden vulkanischen Aktivität zeugen.
Petrographisch besteht der Mount Meru überwiegend aus Basalten, Basaltandesiten, Trachyandesiten und Trachyten. Diese Zusammensetzung weist auf eine Entwicklung des Magmas durch fraktionierte Kristallisation in oberflächennahen Magmakammern hin. Die vergleichsweise silikatreichen Magmen verleihen dem Vulkan ein überwiegend explosives Eruptionsverhalten. Neben ausgedehnten Lavaströmen finden sich mächtige Ablagerungen aus Asche, Lapilli und pyroklastischen Strömen.
Die größte bekannte Eruptionsphase ereignete sich vor gut 7.800 Jahren und ging vermutlich mit dem Kollaps der Ostflanke einher. Dabei wurden gewaltige Mengen vulkanischen Materials freigesetzt. In historischer Zeit zeigte sich der Vulkan deutlich ruhiger. Mehrere kleinere Ausbrüche wurden im 19. Jahrhundert dokumentiert, während die letzte bestätigte Eruption im Jahr 1910 stattfand. Sie bestand überwiegend aus phreatischen Explosionen und kleineren Ascheeruptionen. Seitdem verhält sich der Vulkan ruhig, wird jedoch weiterhin als aktiv eingestuft.
Der Mount Meru gilt als einer der schönsten Trekkingberge Afrikas. Die übliche Besteigung erfolgt in drei Tagen von der Momella-Seite über die Miriakamba- und Saddle-Hütte zum Socialist Peak. Die Route führt durch dichten Bergregenwald, Heide- und Moorlandschaften bis in die alpine Gipfelregion und bietet häufig Begegnungen mit Giraffen, Büffeln, Warzenschweinen und Colobusaffen im Nationalpark. Der letzte Anstieg verläuft über einen schmalen Grat entlang der steilen Kraterwand und zählt zu den spektakulärsten Gipfelwegen Afrikas. Aufgrund der Höhe und des ausgesetzten Geländes ist eine gute Kondition erforderlich. Technische Kletterkenntnisse sind in der Regel nicht notwendig. Viele Bergsteiger nutzen den Mount Meru zudem als Akklimatisationstour vor einer Besteigung des Kilimandscharo.
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