
Tektonisch liegt der Gelai im Ostarm des Ostafrikanischen Grabensystems, dem sogenannten Gregory-Rift. Diese Zone ist durch die Dehnung der kontinentalen Kruste geprägt, da sich die Afrikanische Platte hier langsam aufspaltet. Die Rifttektonik begünstigt das Aufsteigen von Magma entlang von Schwächezonen. Eine dieser Schwächezonen ist die Gelai-Störung, an deren Nordende sich der gleichnamige Vulkan befindet. In Sichtweite befindet sich der hochaktive Ol Doinyo Lengai, der als einziger derzeit aktiver Karbonatitvulkan der Erde gilt. Im Vergleich zu diesem jungen und dynamischen Nachbarn erscheint der Gelai deutlich älter und heute weitgehend inaktiv.
Petrografisch besteht der Gelai überwiegend aus alkalischen Vulkaniten. Dominierend sind Basalte und Trachybasalte, lokal auch trachytische Gesteine. Diese Zusammensetzung ist typisch für Riftvulkane, deren Magmen aus relativ geringer partieller Aufschmelzung im oberen Mantel hervorgehen. Die Laven zeigen eine porphyrische Textur mit eingelagerten Feldspat- und Pyroxenkristallen in feinkörniger Grundmasse. Hinweise auf explosive, stark differenzierte Eruptionsphasen sind begrenzt; der Vulkan war vermutlich überwiegend effusiv tätig, wovon auch mehrere Parasitärkrater zeugen.
In historischen Zeiten sind keine Ausbrüche bekannt. Die vulkanische Aktivität wird in das Pleistozän oder in noch ältere Zeitabschnitte datiert. Morphologie und starke Erosion sprechen dafür, dass der Hauptteil des Vulkangebäudes vor Zehntausenden bis Hunderttausenden Jahren entstand. Seither dominieren neben der Erosion vor allem tektonische Prozesse die Entwicklung des Vulkans.
Ein bemerkenswertes Anzeichen jüngerer Aktivität ereignete sich im Juli 2007, kurz vor meinem bislang letzten Besuch des Natronsees, zu einer Zeit, als der Nachbarvulkan Ol Doinyo Lengai ungewöhnlich aktiv wurde. Ob es hier einen Zusammenhang gibt, ist unklar, aber nicht ausgeschlossen. Im Zusammenhang mit einer Erdbebenserie bildete sich an der Südflanke des Gelai ein nord-nordost-streichender Oberflächenbruch. Geophysikalische Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine magmatische Dyke-Intrusion bis in etwa 3-4 km Tiefe in die Erdkruste eindrang und diese aufspreizte. Obwohl kein Ausbruch folgte, zeigt dieses Ereignis, dass der Untergrund weiterhin magmatisch und tektonisch aktiv ist und eines Tages Aktivität in diesen faszinierenden Vulkan zurückkehren könnte. Ob das beschriebene Phänomen direkt mit dem Gelai in Zusammenhang stand oder ob es sich um eine Intrusion infolge der Riftspreizung ohne direkten Bezug zum Vulkan handelte, bleibt Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen.
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