Der Santiaguito ist eigentlich ein Nebenvulkan des Vulkans Santa Maria im Westen von
Guatemala. Der Hauptvulkan erhebt sich nahe der Stadt Quetzaltenango 1400 Meter über das Hochland von Guatemala. 1902 riss die Flanke des Santa Maria auf, und eine plinianische Eruption förderte 19 Tage lang Schlacke und Asche und tötete 5000 Menschen. Die Eruptionswolke erreichte eine Höhe von 27 Kilometern. Der Ausbruch zählt zu den stärksten Eruptionen des 20. Jahrhunderts und ist in seiner Intensität vergleichbar mit der des Pinatubo 1991. Zunächst hatte sich am Santa Maria ein Seitenkrater gebildet, in dem seit 1922 ein Dom wächst. Dieser Dom vergrößerte sich bis heute zu einem eigenständigen Vulkankegel, dem Santiaguito. Mittlerweile sind vier Dom-Generationen zu unterscheiden. Die Dome bestehen aus Andesit, einer hochviskosen Lava-Art wie sie typisch für Vulkanismus an Subduktionszonen ist.
Die aktuelle Tätigkeitsphase hält seit 1949 fast ununterbrochen an. Immer wieder kommt es zu größeren Ausbrüchen, wenn Teile des Doms abbrechen oder kollabieren; peleanische Eruptionen mit pyroklastischen Strömen stellen dann eine ernste Gefahr dar. Normalerweise erzeugt der Vulkan mehrmals täglich kleine Aschewolken und zeigt eine beständige fumarolische Tätigkeit. Die Besonderheit des Santiaguito ist die Tatsache, dass seine Aschewolken aus einem ringförmigen Riss-System im Dom aufsteigen. Die Vulkane Guatemalas entstanden infolge der Subduktion der
Karibischen Platte unter die Cocosplatte, die dem mittelamerikanischen Festland auf der pazifischen Seite vorgelagert ist.
Zum Jahreswechsel 2009 besuchte ich den Vulkankomplex in Guatemala. Wenig erfreulich war, dass die Fluggesellschaft Iberia mein Gepäck verbummelte und ich 3 Tage darauf warten musste. Um nicht völlig untätig zu sein, lieh ich mir von einem örtlichen Tourveranstalter Caminando Guatemala das Nötigste, um die Silvesternacht am Berg verbringen zu können. Leider war kein Stativ aufzutreiben, sodass ich weder vernünftig filmen, noch
fotografieren konnte.
Ich bestieg den Vulkan zusammen mit Martin Rietze, für den es der 4. Aufenthalt am Santiaguito war. Den Jahreswechsel verbrachten wir auf der Flanke des Santa Maria in Höhe der Dome, auf die wir einen sehr guten Blick hatten. Nachdem mein Gepäck angekommen war bestiegen wir den Vulkan noch am gleichen Abend. Im Schein unserer Lampen mit lichtstarken
LEDs ging es über 3 Stunden bergauf. Der Aufstieg gestaltete sich aufgrund der großen Höhe als anstrengend, stellte aber keine besonderen Ansprüche an bergsteigerisches Talent, da der Weg gut ausgebaut ist. Wir verbrachten 3 Nächte auf dem Gipfel des Santa Maria. Trotz der Nähe zum Äquator hatten wir Nachtfrost. Die Eruptionen kamen in Intervallen zwischen 40 Minuten und 3 Stunden und begannen praktisch ohne Vorwahrnung. Die Besonderheit am Santiaguito ist, dass sich die Asche zu Beginn der Eruption ringförmig aus den Dom schiebt. Fotografisch stellt es eine Herausforderung dar, diese Initialphase zu dokumentieren. Auf einigen Aufnahmen im
Videoclip ist die Anfangsphase sehr schön zu sehen.
Rotglut ist bei nächtlichen Ausbrüchen mit bloßem Augen nur schwach sichtbar und tritt erst bei langzeitbelichteten Aufnahmen deutlich hervor.
Der Abstieg gestaltete sich als etwas komplizierter als der Aufstieg. Da der Boden nachts gefror und morgens zu tauen begann, bildete sich ein dünner Matschfilm auf gefrorenen Untergrund, was die ganze Angelegenheit sehr rutschig machte.
Created by: Marc Szeglat • Dülmener Str. 11 • D-46117 Oberhausen
Phone: 0208-891954 • marc@vulkane.net