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Stromboli


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stromboli
Lage: 38,78°N, 15,21°E, Italien

Höhe: 924 m

Art: Stratovulkan

Typ: Inselbogen-Vulkanismus

Petrographie: Basalte, Trachybasalte
Ausbruchsart: Strombolianisch, Lavaströme
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 Stromboli - Leuchtfeuer des Mittelmeeres


Lipari
"Stromboli, wo ist das?", höre ich von den meisten Leuten und in der Tat ist dieses winzige Stück Europa so klein, dass es kaum auf einer Karte zu finden ist. Nur wer genau weiß, wo und wonach er suchen soll, findet das 12 Quadratkilometer große Eiland. Zusammen mit ihren sechs Schwestern, den Äolischen Inseln liegt sie nördlich von Sizilien und westlich von Calabrien im Tyrrhenischen Meer. Und doch ist der heute so unbedeutende Krümel auf der Landkarte seit Menschengedenken ein Mythos. Als Berg der Feuer spuckt erhebt sich Stromboli mit 924 Metern direkt aus dem Meer. Nach der Vollkommenheit ihres vulkanischen Kegels wurde die Insel "Strongyle", der Kreisel genannt. Seit bereits 2300 Jahren ist der Vulkan dauernd tätig, was ihm den Ruf als Leuchtfeuer des Mittelmeeres einbrachte. Tatsächlich navigierten antike Seefahrer nach den nächtlichen Feuergarben.

Bereits im Neolithikum 2000 bis 1400 Jahre vor Christus waren die Vulkane der Äolischen Inseln durch den Handel mit Obsidianwerkzeugen (Obsidian = vulkanisches Glas) bekannt. In der Moderne setzte sich der Mythos von Stromboli fort. Wanderte zu Anfang des Jahrhunderts wegen der wirtschaftlichen Krise noch der Großteil der Bevölkerung aus, so schaffte die Insel mit Hilfe des legendären Filmes "Stromboli, Terra di dio" von Roberto Rosselini den Sprung in die Gegenwart. Der große Filmerfolg von 1949 mit Ingrid Bergmann in der Hauptrolle war der Startschuss für den Tourismus, von dem die Insel heute lebt. Dennoch entstanden hier keine Hotelanlagen, der äußere Eindruck ist unverändert. Das Geld floss in die Renovierung der alten Häuser, die zu schmucken Feriendomizilen wurden. Der Tanz auf dem Vulkan zieht die Leute magisch an, doch die wenigsten wissen, dass der kleine, harmlose Schauvulkan, zu dem Stromboli so gerne gemacht wird, so klein und harmlos gar nicht ist. Schon bei seiner Größe beginnt das Dilemma. 924 Meter Höhe mögen neben Vulkanen wie dem Ätna kaum beeindrucken, bedenkt man jedoch, dass das Tyrrhenischen Meer an dieser Stelle 2000 m tief ist, so kommt der Stromboli auf stattliche 3000 Meter, die der Vulkan in nur knapp 40.000 Jahren aufgebaut hat.

Stromboli
Stromboli

Der Stromboli gehört zum Vulkankompex der Äolischen Inseln, der neben den sieben Inseln noch weitere 5 unterseeische Erhebungen vulkanischen Ursprungs umfasst. Neueren wissenschaftlichen Erkentnissen zufolge, weisen die geförderten Magmen einen ähnlichen Chemismus auf, wie sie von Vulkanen an Subduktionszonen produziert werden. Das Ausgangsmaterial dieser Magmen ist aufgeschmolzene Ozeanische Kruste - hier des Afrikanischen Kontinents, der sich östlich Kalabriens unter den Europäischen Kontinent schiebt. Hinter dieser Subduktionszone steigt Magma durch Risse auf und bildet den vulkanischen Inselbogen des Äolischen Archipels.
Komplizierend kommt hinzu, dass im Mittelmeerraum diverse Kleinplatten kollidieren, sich über und untereinander schieben und Subfluenzen bilden. Einem älteren Erklärungsversuch zufolge steht die Entstehung der Äolischen Inseln in direktem Zusammenhang mit der Absenkung des Tyrrhenischen Beckens.

Die Entstehung der Äolischen Inseln begann im Tertiär. Die älteste Insel ist Filicudi, danach entstanden Panarea und Salina. In der Haupttätigkeitsphase vor 160.000 bis 130.000 Jahren entstanden die andesitischen Stratovulkane von Lipari und gegen Ende dieser Phase die Insel Alicudi. Erst in der letzten Tätigkeitsphase entstand vor gut 120.000 Jahren Vulcano und vor 40000 Jahren der Jüngling im Vulkangeschäft, der Stromboli.

Doch zuvor entstand ein wenig nordöstlich des heutigen Vulkans ein Feuerberg, von dem nur noch ein schroffer Felsen übrig ist. Der Stromboliccio erblickt vor gut 230.000 Jahren das Licht der Welt und erodiert, bis auf den Schlotpfropfen völlig. In den ersten 30.000 Entstehungsjahren des heutigen Stromboli errichtete sich der 942 Meter hohe Stratovulkan Vancori. Er besteht aus einer Wechsellagerung von andesitischen bis trachyandesitischen Tuffen und Lavaströmen. Die Trachyandesite sind reich an Biotit, Hypersten, Plagioklas und Alkalifeldspäten, jedoch olivinarm. Die Andesite sind reich an Augit, Plagioklas, Olivin und Glas.
Vor ca. 10.000 Jahren stürzte der Vancori ein und 500 m weiter nördlich errichtete sich ein zweiter Stratovulkan im nach Nordosten geöffneten Einbruch des ersten. Die Cima brachte es auf eine Höhe von 918 Metern. Sie förderte hauptsächlich andesitische Magmen.

Am Anfang der Nacheiszeit stürzte auch der nordwestliche Teil der Cima ein. Übrig blieb der Grad auf dem die Besucher heute den Ausbrüchen des neuen Kraters zusehen. Eigentlich muss man hier von Kratern sprechen, da z.Z. vier unterschiedliche Einheiten beobachtet werden können. Der Kraterkomplex bildete sich 200 m unterhalb und 300 m nordwestlich der Cima. Basalte und Trachybasalte sind Hauptbestandteil der heutigen Eruptionen. Ein Teil der geförderten Schlacken fällt auf den Steilhang "Sciara del Fuoco", der Feuerrutsche. Einige Brocken polltern sogar ins Meer. Die Sciara entstand bei einem Kollaps des "Neo-Strombolis" vor gut 5000 Jahren.

In der Geschichte wanderten die Ausbruchszentren des Stromboli von Südosten nach Nordwesten. Der heutige Kraterkomplex ist seit dem Jahr 300 v.Chr. dauernd tätig. Diese Dauertätigkeit besteht im abwechselnden Auswerfen von Aschen und Laven aus den aktiven Schloten. Die einzelnen Eruptionen folgen in Zeitabständen von Minuten bis Stunden. Während einige der 0,5 bis 1 Meter durchmessenden Schlote Lavafetzen auswerfen, kommen aus den anderen Gase und Aschen. Der Mechanismus der hinter dieser Tätigkeit steckt wurde schon im Kapitel über den Ätna erläutert, beruht aber im wesentlichen auf einer Entgasung des Magmas, durch den beim Aufstieg abnehmenden hydrostatischen Druck. Die Anzahl der Schlote und die Morphologie der Krater ändert sich ständig.

Durch die Explosionen im Krater, den Magmenaufstieg und die Bewegungen des Magmas in der Magmakammer ist Stromboli einer starken seismischen Tätigkeit ausgesetzt. Die Folge sind zahlreiche Mikrobeben.

Stromboli
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Stromboli

Die normale Daueraktivität am Stromboli wird alle paar Jahre durch besondere Ereignisse unterbrochen. Zwischen 1907 und 1910 ruhte der Vulkan für 3 Jahre.
Am 11. September 1930 kam es zu einer großen Explosion, die Lavabomben bis in die Ortschaften fliegen ließ. In Ginostra wurden 14 Häuser zerstört. Es setzte eine Phase mit kontinuierlichen Lavafontänen ein und später entstanden 2 Ascheströme, die große Ähnlichkeiten mit Pyroklastischen Strömen hatten. Durch diese Ascheströme starben 6 Menschen.

Im Dezember 2002 öffnete sich auf dem Steilhang der Sciara del Fuoco eine Spalte unterhalb des Kraters, und ein Lavastrom floss aus. Bereits nach wenigen Stunden erreichte er die Küste und ergoss sich ins Meer. Mit der Spaltenöffnung ging ein großer Hangrutsch einher, bei dem ein Teil der Flanke der Sciara del Fuoco ins Meer rutschte. In der Folge entstand ein kleiner Tsunami.

Das zweite Ereignis trat im März 2007 ein. Wieder öffnete sich eine Spalte auf der Sciara del Fuoco und schickte diesmal zwei Lavaströme ins Mittelmeer. Innerhalb weniger Tage baute sich an der Küste ein Lavadelta auf, das ca. 50 Meter weit ins Meer reichte.

Strombli Satellit
Stromboli vom Weltall aus gesehen. ©NASA


Die Daueraktivität ist der große Reiz des Stromboli. Jährlich kommen Tausende von Besuchern, um selbst Zeuge des feurigen Spektakels zu werden. Der über 900 Meter hohe Aufstieg hält nur die Wenigsten ab, doch auch er sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn die Schuhe können in der Hitze Italiens schonmal zu qualmen anfangen. Apropos Schuhe: robustes Schuhwerk wie Stiefel, oder ggf. Sicherheitsschuhe, genügend Wasser, warme Kleidung, eine zuverlässige Taschenlampe und eine gute Kondition sind unerlässlich. Führer kennen den Berg sehr genau und können auch die vulkanischen Gefahren gut einschätzen. Sie stehen im permanenten Funktkontakt mit dem Observatorium mit seinen Messinstrumenten und LiveCams und können evtl. gewarnt werden. Vom Grad der eingestürzten Cima hat man einen guten Blick auf den wenige 100 m entfernten, aktiven Krater. Diesen Sicherheitsabstand sollte man keinesfalls unterschreiten. So klein und harmlos die glühenden Fontänen auch aussehen, man sollte bedenken, dass die Brocken um die 1000° C heiß sind. Im Ernstfall schützt einen nichts vor den heranfliegenden Geschossen. Schon unzählige Male steigerte sich die Aktivität unvorhersehbar in gefährlichem Ausmaß.



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