Lavaüberlauf und stärkere Explosionen am Stromboli bestätigt – Erdbeben in großer Tiefe registriert
Am Stromboli hat die Aktivität in den vergangenen Stunden erneut zugenommen und zeichnet sich durch explosive und effusive Tätigkeit aus. Nachdem bereits Sonntagabend ein Lavaüberlauf stattfand, über den offizielle Stellen nicht berichtet haben, kam es nach Angaben des INGV am Abend des 12. Oktober gegen 19:00 UTC zu einem weiteren Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kraterbereich. Gleichzeitig hält die strombolianische Aktivität an, die zeitweise deutlich intensiver als üblich ist. Die Vulkanologen registrierten dabei bislang keine wesentliche Veränderung der als mittelhoch eingestuften Tremoramplitude oder der Explosionsseismizität. Eine ungewöhnliche Bodendeformation wurde nicht beobachtet. Lediglich das am Pizzo installierte Neigungsmessgerät SELI registrierte seit Beginn des Lavaüberlaufs eine geringe Änderung von etwa 0,1 Mikroradiant.

Die Messungen des Laboratorio di Geofisica Sperimentale (LGS) zeigen allerdings ein deutlich komplexeres Bild. Besonders auffällig ist die akustische Aktivität: Der maximale Schalldruck der Explosionen erreichte gestern 2,63 bar und wird damit weiterhin als sehr hoch eingestuft. Auch das Puffen beziehungsweise Spattering ist mit rund 64,7 mbar stark ausgeprägt. Hinzu kommen 21 registrierte Felsstürze innerhalb eines Tages, womit diese Aktivität als sehr hoch gilt. Der Tremor liegt dagegen im mittleren Bereich. Die SO₂-Emissionen werden mit 77 Tonnen pro Tag, der CO₂-Fluss mit 405 Tonnen pro Tag ebenfalls als mittel eingestuft.
Der vom LGS angegebene vulkanische Aktivitätsindex liegt dennoch nur im Bereich „mittel“. Diese Einstufung sollte allerdings mit Vorsicht interpretiert werden. Mehrere wichtige Messgrößen sind derzeit nicht verfügbar. Dazu gehören insbesondere die Zahl der VLP-Ereignisse sowie praktisch sämtliche Parameter der thermischen Überwachung. Damit fließen gerade Daten, die bei einem Lavaüberlauf besonders relevant sein können, nicht vollständig in die Bewertung ein. Der Aktivitätsindex stellt deshalb kein vollständiges Abbild der aktuellen Situation dar.
Darüber hinaus registrierte das EMSC heute Nacht ein weiteres sehr tief gelegenes Erdbeben der Magnitude 2,7 im Bereich von Stromboli. Das Epizentrum lag nur wenige Kilometer vor der Ostküste und somit unter der Vulkanflanke. Das Hypozentrum wurde in 203 Kilometern Tiefe ausgemacht und lag somit im oberen Erdmantel. Ob und wie sich die Vibrationen eines schwachen Erdstoßes auf die Aktivität des Vulkans auswirken, ist wissenschaftlich nicht ausreichend erforscht. Es gibt aber einige Studien, die darauf hinweisen, dass die tektonischen Prozesse in der Tiefe – die mit der Subduktion der Ionischen Platte zusammenhängen – die Magmaförderung am Stromboli beeinflussen können.
Die aktuelle Kombination aus Lavaüberlauf, Explosionen, intensivem Spattering und zahlreichen Felsstürzen zeigt jedenfalls eine erhöhte Aktivität. Auch der Luftfahrt-Farbcode wurde für Stromboli auf Orange gesetzt.








