Stromboli: Kontroverse um Verwendung von Fördergeldern

Proteste und Diskussionen um Verwendung von Fördergelder für Tourismusprojekte auf Stromboli – Hafen für größere Fähren wieder offen

Während der Krater des Strombolis weiterhin sehr aktiv ist und starke Explosionen erzeugt, die Infraschalldrücke von 1,5 bar erreichen, protestieren unten am Hafen Mitglieder des Vereins „Pro Loco – Amo Stromboli“ gegen die geplante Verwendung von 440.000 € Fördergeldern, die im Rahmen des Projekts „EXCOVER – Explore and Discover Eolie“ vom italienischen Tourismusministerium und der UNESCO zur Verfügung gestellt werden. Mit einem Großteil der Gelder sollen digitale Projekte und Studien gefördert werden, die die Sichtbarkeit der Inseln erhöhen. Nur der vergleichsweise geringe Anteil von 153.000 € soll dem Ausbau von Wanderwegen zugutekommen. Eine Summe, die nicht einmal ausreicht, um die Wege auf Stromboli zu sanieren, geschweige denn auf allen 7 Inseln!



Bei EXCOVER geht es darum, UNESCO-Weltkulturerbe aufzuwerten und touristische Infrastruktur und deren Sichtbarkeit zu verbessern. Das gesamte Äolische bzw. Liparische Archipel gehört zum Weltkulturerbe und jede der 7 Inseln hat ihre Besonderheiten. Auf Stromboli ist es natürlich der Vulkan selbst, wobei eine Rolle spielt, dass hier eine der wichtigsten touristischen Vulkanwanderrouten der Welt liegt. Ursprünglich konnte man auf Wanderwegen bis zum Krater aufsteigen und die Eruptionen aus nächster Nähe bewundern. Etwas, das seit 2019 aufgrund von Phasen erhöhter Aktivität praktisch dauerhaft untersagt wurde. Seitdem sind Wanderungen nur noch auf Aussichtspunkten auf 290 m Höhe (ohne Führer) und 400 m Höhe (mit Führer) erlaubt. Das vulkanische Erlebnis früherer Tage ist damit in weite Ferne gerückt.

Fähre. © Andreas Steinbrenner

Durch den großen Macchia-Brand von 2022, der durch eine Filmcrew ausgelöst wurde, verlor der mittlere Flankenbereich des Vulkans nicht nur seinen berühmten Schilf- und Ginstergürtel, sondern auch das Erdreich an Stabilität. Ungünstigeres nahm ausgerechnet nach dem Großbrand die Anzahl und Heftigkeit von Unwettern zu, so dass es zu einer Beschleunigung der Erosion und Abgang von Laharen kam, die teilweise durch Stromboli Ort flossen und einige Beschädigungen verursachten. Besonders hart traf es die Wanderwege am Vulkan.

Im letzten Jahr musste dann noch das Restaurant am Punta Labronzo schließen, da man sich nicht an Bauauflagen gehalten hatte. ein weiterer herber Rückschlag für den bereits stark in Mitleidenschaft gezogenen Tourismus auf Stromboli.

Zu allem Überfluss wurde das Pier von Scari – dem Hauptanleger auf Stromboli – im Januar 2026 von bis zu 10 Meter hohen Wellen infolge des Zyklons „Harry“ stark beschädigt, so dass tagelang gar keine Boote mehr anlegen durften. Im Februar einigte man sich darauf, dass bei ruhiger See kleinere Fähren anlegen dürfen, die Fahrzeuge und Waren bis maximal 3,5 Tonnen anlanden können. Aktuell sind Reparaturarbeiten im Gange und Vereinsmitglied Andreas beobachtete letzte Woche wieder eine größere Fähre am Anleger.

Streit um das Projekt „EXCOVER“: Kritik an fehlender Einbindung lokaler Akteure auf Stromboli


Gestern versammelten sich am demolierten Anleger auf Stromboli Bürger und Mitglieder des Vereins „Pro Loco“, um gegen die Verteilung der Fördergelder zu protestieren. Der Verwendungsplan sieht folgendermaßen aus:

  • ~153.000 € für Wanderwege
  • ~55.000 € für eine App
  • ~42.500 € für ein Videospiel
  • ~40.000 € für Marketing / Social Media

Die Protestierenden stellen die Sinnhaftigkeit der Geldverteilung infrage und argumentieren, was digitale Kampagnen für die Erhöhung der Sichtbarkeit der Inseln bringen sollen, wenn die touristische Infrastruktur vor Ort in Trümmern liegt. Über 13.500 € des Budgets fürs Marketing sollen übrigens Influencern zugutekommen – soweit mir bekannt, bleibe ich allerdings unberücksichtigt – etwas, das die Menschen vor Ort besonders aufregt.

Die Wanderwege auf Stromboli werden aktuell von den Bergführern und Inselbürgern in Eigenregie mehr schlecht als recht am Leben gehalten. Die Pro Loco betont, dass genau jene Menschen, die täglich mit den Bedingungen vor Ort umgehen und seit Jahren auf Probleme hinweisen, nicht in die Projektentwicklung einbezogen wurden. Der Verein fordert daher eine stärkere Einbindung lokaler Strukturen, mehr Transparenz bei der Mittelverwendung sowie eine klare Priorisierung der Instandhaltung touristisch genutzter Infrastruktur.

Ich kritisiere seit Jahren die Politik des Bürgermeisters der Liparischen Inseln und eine Reihe fragwürdiger Entscheidungen, die mitverantwortlich für den Niedergang des Tourismus und der Infrastruktur auf den Liparischen Inseln sind. Dazu zählen die Vollsperrung des Aufstiegs zum Krater auf Stromboli, die Privatisierung des Schlammpools auf Vulcano und die damit entbrannten Rechtstreitigkeiten, die Schließung des Restaurants von Labronzo aus gleichem Grund und natürlich die mangelnde Finanzierung von Infrastrukturprojekten der kleineren Gemeinden des Archipels.

Eine Informations-App für die Liparischen Inseln fände ich im Gegensatz zu „Pro Loco“ allerdings sehr sinnvoll, insbesondere wenn aktuelle Informationen über den Betrieb der Fähren (Anlandung auf Stromboli) und Aktivität der Vulkane geteilt werden. Und mal Hand aufs Herz: Was sind heute schon 440.000 € Fördergelder für mehrere Projekte auf 7 Inseln? Selbst mit einer Null mehr wäre es noch zu wenig!

Stromboli mit Lavaüberlauf und hohen Drücken

Weiterer Lavaüberlauf am Stromboli – sehr hoher akustischer Druck weist auf stärkere Explosionen hin

Am Nachmittag des 12. Aprils begann um 15:36 UTC erneut Lava aus dem nördlichsten Schlot unterhalb der Kraterterrasse auszufließen und einen kurzen Lavastrom zu bilden, der im oberen Bereich der Sciara del Fuoco unterwegs war und in abgeschwächter Form auch heute Vormittag noch ist. Das geht aus einer Notiz des INGV hervor, die das Ereignis via Livecam beobachteten.



Stromboli

Der farblich codierte Tremorgraph beim LGS zeigt zum Zeitpunkt des Beginns der neuen Überlauf-Episode einen Peak, der den roten Bereich allerdings nicht erreichte. Bereits seit dem 9. April war der Tremor erhöht und vom gelben in den orangenen Bereich gestiegen. Es gibt keine nennenswerten Unterschiede in der Geschwindigkeit des Auftretens und der Größe von Explosionsbeben. Das heißt, dass die normale strombolianische Tätigkeit trotz der Lavaüberlauf-Episode weiterging und nicht nennenswert beeinflusst wurde. Indirekt lässt das Rückschlüsse auf das Fördersystem des Strombolis zu: Die explosiv tätigen Schlote scheinen von dem Nordschlot isoliert zu sein, denn wenn es nicht so wäre, würde man aufgrund des Lavaausflusses einen Druckabfall im Fördersystem erwarten. Insbesondere, da auch bei den Hochfrequenz-GNSS-Netzverformungsdaten keine signifikanten Variationen festgestellt wurden und es vor der Lavastrombildung nicht zu einer verstärkten Inflation des Vulkans gekommen war.

Die geophysikalischen Daten des LGS attestieren dem Stromboli heute sogar eine erhöhte Explosivität. In den letzten 24 Stunden wurden überdurchschnittlich viele Explosionsbeben festgestellt. Einige Eruptionen erzeugten dabei einen sehr hohen akustischen Druck von 2,2 bar. Werte, wie sie am Stromboli schon länger nicht mehr gemessen wurden. Normal sind Werte bis 1 bar. Seit dem 9. April registrierten die Infraschallsensoren bereits hohe Drücke bis zu 1,5 bar.

Während der Hauptphase des Lavaüberlaufs wurde eine minimale Deflation von 0,07 µrad festgestellt. Leider sind einige Messgeräte immer noch offline, so dass Daten zu den thermischen Durchgängen fehlen.

Die laut den LGS-Daten verstärkte explosive Komponente spricht für eine weitere Aktivitätssteigerung des Stromboli, die sich meiner Meinung nach in den 6 schwachen Erdbeben, die sich Anfang März unter der Insel ereigneten, ankündigte. Wenn ich in meine Glaskugel der Erfahrung und des Bauchgefühls blicke, sehe ich das Ende der Verstärkung noch nicht erreicht. Der Vulkan befindet sich möglicherweise noch in der Aufbauphase zu stärkeren Eruptionen.

Stromboli: Lavaüberlauf am 31. März

Ein weiterer Lavaüberlauf am Stromboli – Tremoramplitude erhöht

Am liparischen Inselvulkan Stromboli kommt es gerade wieder zu einem Lavaüberlauf aus dem nördlichsten Schlot, den man trotz schlechten Wetters auf den Livecamaufnahmen erkennen kann. Der kleine Lavastrom ist auf der Sciara del Fuoco unterwegs. Von seiner Front rollen einzelne Gesteinsblöcke den Hang hinab.

Stromboli

Aus seismischer Sicht ist seit etwa 14:45 UTC ein Anstieg der mittleren Amplitude des vulkanischen Tremors zu beobachten – von mittleren auf hohe Werte. Dagegen gibt es keine wesentlichen Veränderungen in der Häufigkeit oder Stärke der explosionsbedingten Erdbeben. Die strombolianische Tätigkeit geht also trotz des Lavastroms weiter.

Die Messdaten des hochfrequenten GNSS-Netzes zeigen keine auffälligen Veränderungen. Daten aus dem Neigungsmessnetz (Klinometer) liegen derzeit nicht vor, da es zu einer Störung der Geräte gekommen ist.

Der Autor dieser Zeilen sitzt gerade 2 Inseln weiter auf Vulcano und plant, morgen zum Stromboli zu fahren. Bis dahin wird der Lavaüberlauf dann wahrscheinlich wieder vorbei sein.

Situation auf Vulcano

Die vulkanische Situation auf Vulcano ist derzeit vergleichsweise entspannt: Der Aufstieg zum Krater ist freigegeben, ebenso der Zugang zum Fumarolenfeld. Bei meinem letzten Besuch hier vor gut 15 Monaten war das Gebiet noch gesperrt.

Gesperrt ist allerdings das bekannte Fangobad am Strand, doch nicht wegen erhöhtem Gasausstoß, sondern wegen ständiger Rechtsstreitigkeiten des privaten Besitzers mit der Kommune Lipari, die offenbar wie jede Bürokratie mit jeder Menge Auflagen den Menschen das Leben schwer macht und kein Interesse zu haben scheint, Steuereinnahmen zu generieren.

Das ca. 70 cm tiefe Schlammbad darf nun nur noch genutzt werden, wenn ein Bademeister vor Ort ist (kein Scheiß), und das lohnt sich für den Betreiber nur während der Saison! Mich lässt sowas immer einfach nur noch sprachlos zurück! Bevor man sich entschloss, damit via Eintritt Geld zu verdienen, war das Fangobad rund um die Uhr von zahlreichen Gästen besucht gewesen, was natürlich Menschen auf die Insel lockte, die nun nicht mehr kommen. Vulcano und Stromboli sind Paradebeispiele dafür, wie zu viel Reglementierung den Untergang des Tourismus herbeiführen kann.

Stromboli: Lavastrom quillt aus dem Krater

Ein weiterer Lavaüberlauf aus den Nordkratersektor – kurzer Lavastrom auf der Sciara unterwegs

Auf der Sciara del Fuoco ist erneut ein kurzer Lavastrom unterwegs, der bereits gestern Abend zu fließen begann. Der Lavastrom wird von intensivem Lavaspattering aus dem nördlichen Schlot gespeist und ist Ausgangspunkt von Steinschlägen, die bis zur Küste rollen können. Diesem Phänomen verdankt der Steilhang seinen Namen: „Sciara del Fuoco“ heißt übersetzt „Feuerrutsche“ und lehnt sich daran an, dass glühende Tephra sowie Abbrüche aus den Lavaströmen in Form von Steinschlägen und Schuttlawinen bis ins Meer rollen können.

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Stromboli. © INGV

Wie das INGV in einer kurzen Notiz bekannt gab, wurde der Lavaüberlauf erneut per Livestream gesichtet. Forscher betreten die Gipfelregion nur noch selten, aus Furcht vor plötzlich auftretenden Paroxysmen. Während diese Furcht die meiste Zeit über unbegründet ist, sieht es aktuell anders aus: Der Vulkan befindet sich in der Anfangsphase erhöhter Aktivität, deren sichtbare Anzeichen die Lavaüberläufe und das Lavaspattering sind. Die Erdbeben der letzten Wochen stellen messbare Warnsignale dar, dass sich der Druck im Speichersystem des Stromboli erhöht, wodurch die Gefahr paroxysmaler Eruptionen und vereinzelt auftretender stärkerer Explosionen signifikant steigt.

Parallel zur Steigerung der Aktivität begann auch der Tremor auf mittelhohe Werte zu steigen und zeigt auch heute Nachmittag einen neuen Peak, nachdem er nach der Initialphase der Lavastromtätigkeit wieder gefallen war. Die GNSS-Sensoren zeigten keine ungewöhnliche Bodendeformation. Es ist damit zu rechnen, dass die Tätigkeit in den nächsten Stunden abklingt, bis es in einigen Tagen erneut zu einem ähnlichen Ereignis kommen wird.

Die Erdbebentätigkeit auf Stromboli hat sich wieder normalisiert. Das gilt nicht für die Seismizität im Tyrrhenischen Meer und in Nordsizilien, wo weiterhin eine leichte Häufung schwacher Erdbeben festzustellen ist. So gab es im Umfeld des Liparischen Archipels in den letzten 24 Stunden drei Erdbeben. Zwei weitere Erdstöße wurden im Norden Siziliens detektiert. Schwache Erdbeben kommen in der Region zwar immer wieder vor, jedoch nicht ganz so häufig wie im März. Sie zeigen, dass die Erdkruste unter großen Spannungen steht. Ob diese Spannungen allein tektonischen Prozessen geschuldet sind oder etwa mit Magmaakkumulation unter dem Ätna und in geringerem Umfang vielleicht auch unter Stromboli zusammenhängen, bleibt unklar und wird kontrovers diskutiert. Isländische Vulkanologen gehen davon aus, dass sich beispielsweise Bodenhebungen bei Svartsengi in einem größeren Umkreis auswirken. Liest man entsprechende Artikel mit Interviews der Vulkanologen, kristallisiert sich heraus, dass der Radius entsprechender Spannungsänderungen mindestens 50 Kilometer um das Zentrum der Bodendeformation beträgt.

Stromboli: Weiterer Lavaüberlauf auf der Sciara del Fuoco

Lavastrom fließt aus dem nördlichen Krater des Stromboli – Lavaspattering beobachtet

Am liparischen Inselvulkan Stromboli begann gestern Nachmittag ein erneutes Überfließen der Lava aus dem nördlichen Schlot des Kraters. Die Lavafront war im oberen Bereich der Sciara del Fuoco unterwegs. Der Tremor stieg kurzzeitig bis auf mittelhohe Werte. Laut INGV kam es zu keiner ungewöhnlichen Deformation des Vulkangebäudes. Abends konnte man via Livecam kontinuierliches Lavaspattering und anhaltende explosive Aktivität beobachten, wie sie für den Stromboli typisch ist.

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Stromboli. © INGV-Livecam

Seit gut Februar kommt es immer wieder zu diesen Lavaüberläufen, die wir bereits in den vergangenen Jahren immer wieder in Phasen haben auftreten sehen. Nicht selten steigerte sich die Aktivität zu Paroxysmen und vereinzelt auftretenden stärkeren Explosionen, die eine ernste Gefahr für Vulkanbeobachter im Gipfelbereich darstellen können, weswegen der Aufstieg in die Gipfelregion seit Jahren verboten ist. Die Lavaströme können auch zu Kollapsereignissen am Kraterrand führen. In solchen Fällen können pyroklastische Ströme entstehen, die hunderte Meter weit aufs Meer rauslaufen können. Vorhersagen lassen sich diese Ereignisse praktisch nicht, was ein generelles Problem am Stromboli darstellt: Durch das offene Fördersystem kommt es nur selten zu einer Druckerhöhung, die signifikante geophysikalische Anzeichen liefert. So sind vulkanotektonische Erdbeben und Bodendeformationen am Stromboli selten. Treten sie auf, sollte man sie ernst nehmen. Zudem ist kontinuierliches Lavaspattering ein Warnsignal, dass eine größere Menge Magma aufsteigt.

Die täglich automatisch erhobenen Daten des LGS sind diesbezüglich aktuell wenig aufschlussreich und zeichnen ein Bild durchschnittlicher Aktivität am Stromboli. Der Aktivitätsindex steht auf „Medium“. Allerdings sind einige Messanlagen seit Monaten außer Betrieb und es werden keine Daten zu den thermischen Durchgängen ermittelt. Auch die 6 Mikrobeben vom 17. März finden keine Erwähnung in den Updates. Meiner Meinung nach übersieht man hier einige Signale, die eine Aktivitätssteigerung in den nächsten Tagen/Wochen ankündigen könnten.

Stromboli: Erhöhte seismische Aktivität im März

Mehrere Erdbeben unter Stromboli – Seismizität deutlich erhöht

Datum: 17.03.2026 | Zeit: 22:03:09 UTC | Koordinaten: 38.796 ; 15.217 | Tiefe: 3,4 km | Mb 1,1

Unter Stromboli, dem aktivsten Vulkan Europas, manifestierten sich am 17. März fünf Erdbeben, die erst heute auf der INGV-Shakemap angezeigt werden. Bereits zwei Tage zuvor hatte es schon einen schwachen Erdstoß gegeben. Die Epizentren von 5 Beben liegen unter der Nordflanke des Vulkans, wobei 2 Beben sich direkt unter der Sciara manifestierten. und ein weiteres am Rand der Cima. Ein Erdstoss lag im Süden der Insel. Alle Beben lagen in geringen Tiefen zwischen 3,5 und 1,4 km unter dem Meeresspiegel. Der stärkste Erdstoß hatte eine Magnitude von 1,1. Zwei weitere brachten es auf 1,0.  Normalerweise sollte man meinen, dass eine Handvoll Mikrobeben an einem aktiven Vulkan nichts Besonderes sind, doch am Stromboli verhält es sich anders.



Stromboli
Stromboli. &copy, INGV

In den letzten Tagen schrieb ich bereits öfters über eine leichte Zunahme der Seismizität im Bereich des Tyrrhenischen Meers und in der Nähe von Stromboli. Bei den meisten Beben handelte es sich um Tiefenbeben und ich erwartete, dass es auch direkt unter der Insel Erdbeben geben wird, so wie es jetzt der Fall ist. Als es die letzten Male eine entsprechende Seismizität unter Stromboli gegeben hatte, folgten innerhalb weniger Tage bis Wochen Phasen stärkerer Eruptionen, bei denen es nicht nur zu stärkeren Lavaüberläufen gekommen war, sondern auch zu Paroxysmen mit pyroklastischen Strömen. Diese will ich zwar nicht prognostizieren, doch ich rechne fest mit einer Aktivitätssteigerung am Stromboli. Welcher Art sie sein wird, werden wir sehen.

Unter Vulcano hat es übrigens auch wieder ein Mikrobeben gegeben. Inzwischen wurde der Monatsbericht nachgereicht, der weitestgehend stabile Werte zeigte. Einzelne Erschütterungen sind hier nicht so relevant wie auf Stromboli, zeigen aber, dass es weiterhin Fluidbewegungen unter der Insel gibt. Mit einer Aktivitätssteigerung ist aber nur zu rechnen, wenn ein neuer Schub Magma unterhalb Vulcanos intrudiert. Anders als am Stromboli, der über ein offenes Fördersystem verfügt und bei dem ein Magmaschub entweder keine oder nur wenige Beben verursacht, sind die seismischen Schwärme in so einem Fall auf Vulcano intensiver.

Tatsächlich bin ich demnächst auf den Inseln unterwegs – sofern weder ein Streik noch ein Sturm dazwischenfunken werden – und kann mit ein wenig Glück dann mal wieder live berichten.

Stromboli: Lavaüberlauf und Erdbeben am 18. März

Erneuter Lavaüberlauf auf Stromboli – weitere Erdbeben im Tyrrhenischen Meer

In der Nacht begann am liparischen Inselvulkan Stromboli ein weiterer Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kratersektor. Der Lavastrom fließt im Bereich der Sciara del Fuoco über die obere Vulkanflanke, ohne dass der Tremor besonders angestiegen wäre: Die Amplitude des vulkanischen Zitterns bewegt sich weiter im mittleren Bereich. Das INGV brachte eine kurze Notiz heraus, in der mitgeteilt wird, dass alle geophysikalischen Parameter normal seien und weder eine Aufblähung des Vulkans noch erhöhter Tremor registriert werde.

Seit Februar gab es bereits mehrere dieser Lavaüberläufe. Außerdem steigerte sich die Seismizität im Umfeld des Inselvulkans leicht. Am 15. März wurde ein schwaches Beben Mb 0,3 unter der Sciara del Fuoco registriert. Gestern gab es einen Erdstoß kurz vor der Nordküste und heute Nacht bebte es mit Mb 2,6 weiter nördlich unter dem Tyrrhenischen Meer. Die Beben unter dem Meer sind tektonischen Ursprungs und treten immer wieder auf. Wissenschaftlich ist ein direkter Zusammenhang mit den Vorgängen auf Stromboli nicht bewiesen, ich meine aber, beobachtet zu haben, dass bereits eine leichte Häufung von Erdbeben oft mit einer Aktivitätssteigerung des Vulkans einhergeht. Es könnte aber auch eine subjektive Wahrnehmung sein. Letztendlich sind in Vulkanregionen aber vulkanische Prozesse über Magmenaufstieg und Fluidbewegungen, die Spannungsänderungen verursachen, oft mit tektonischen Vorgängen verlinkt und es kann zu Wechselwirkungen kommen.

Im jüngsten INGV-Bericht zum Stromboli, der gestern veröffentlicht wurde und den Beobachtungszeitraum 9. bis 15. März beschreibt, wird dem Vulkan eine normale Tätigkeit ohne besondere Auffälligkeiten attestiert. Die Explosionshäufigkeit schwankte zwischen 10 und 20 schwachen bis mittelstarken Ereignissen in der Stunde. Eine besondere Bodenhebung wurde auch auf Wochensicht nicht detektiert. Weiterhin erhöht ist der Kohlendioxid-Ausstoß am Pizzo und die Helium-Isotopen-Konzentration im Wasser eines Brunnens. Dieser Wert deutet auf Aufstieg frischen Magmas in tieferen Regionen des Strombolis hin, was an einem daueraktiven Vulkan aber nicht ungewöhnlich ist.

Auch wenn die Daten nicht darauf hindeuten, dass sich eine große Eruption anbahnt, besteht das latente Risiko zu Paroxysmen, die sich am Stromboli oft nur Minuten vorher ankündigen. In Zeiten mit Lavaüberläufen und Lavaspattering ist das Risiko hierfür erhöht.

Liparische Inseln: Erdbeben Mb 3,8 nördlich des Archipels

Erdbeben Mb 3,8 nördlich der Liparischen Inseln – schwacher Erdstoß auf Stromboli

Die Region der Liparischen Inseln nördlich von Sizilien wird dieser Tage häufiger von tiefen Erdbeben erschüttert. So auch gestern Abend, als sich um 17:29 UTC ein Erdbeben der Magnitude 3,8 zutrug, dessen Epizentrum etwa 95 km westnordwestlich von Messina und rund 38 km nordwestlich von Lipari im Tyrrhenischen Meer lag. Besonders auffällig ist die große Herdtiefe von 291 km, was auf ein Beben im oberen Erdmantel schließen lässt. Aufgrund dieser Tiefe dürfte das Erdbeben an der Oberfläche nicht spürbar gewesen sein und hatte keine erkennbaren Auswirkungen auf die Erdoberfläche.

Stromboli. © INGV

Wissenschaftlich ist der Erdstoß dennoch von Interesse, da er mit der Subduktion der Ionischen Kleinplatte zusammenhängen könnte. Dieser Prozess ist für den Vulkanismus in Süditalien verantwortlich und belegt, dass die Vorgänge im Erdinneren, die letztendlich auch zu Magmenbildung führen, nicht zum Erliegen gekommen sind.

Darüber hinaus registrierten die Seismometer des INGV-Netzwerkes einen sehr schwachen Erdstoß der Magnitude 0,3. Dieses Beben ereignete sich bereits am 15. März um 22:43:08 UTC in einer Tiefe von 1500 m unter dem Meeresspiegel Das Epizentrum lag bei den Koordinaten 38.7979° N; 15.2107° E unter der Sciara del Fuoco nördlich des Kraters. Nun sind schwache Erdbeben unter Vulkanen normalerweise nichts Besonderes. Am Stromboli kommen sie aber vergleichsweise selten vor und gehen oft einer Aktivitätssteigerung des Vulkans voran, insbesondere wenn es zu einer Häufung kommt, wobei eine Häufung von Erdbeben unter Stromboli durchaus im einstelligen Bereich liegen kann.

Laut den Daten vom LGS zeigte der Stromboli gestern wenige Auffälligkeiten: Gegenüber der letzten Woche hat die Explosionshäufigkeit abgenommen und liegt im durchschnittlichen Bereich. Dafür hat der akustische Explosionsdruck einiger Eruptionen zugenommen und hat Werte von mehr als 1 bar erreicht. Die Schwefeldioxid- und Kohlendioxid-Werte sind unauffällig und der Tremor bewegt sich im gelben Bereich. Eine etwaige bevorstehende Aktivitätssteigerung lässt sich hier nicht ablesen.

Liparischen Inseln: Mehrere Erdbeben im Tyrrhenisches Meer

Erdbeben Mb 3,7 bei den Liparischen Inseln – schwächere Erschütterung nördlich von Stromboli

Seit einigen Wochen ist die Seismizität im Gebiet der vulkanisch geprägten Liparischen Inseln erhöht. So kam es in den letzten 24 Stunden zu mehreren Erdbeben, von denen sich das stärkste gestern Abend um 18:25:37 UTC manifestierte und eine Magnitude von 3,7 hatte. Die Herdtiefe wird beim ESC mit 21 Kilometern angegeben. Das Epizentrum befand sich südlich der Insel Filicudi. Eine halbe Stunde später folgte in 9 km Tiefe ein zweiter Erdstoß der Magnitude Mb 2,9, dessen Epizentrum südlich des ersten Bebens ausgemacht wurde. Von besonderem Interesse ist ein Beben der Magnitude Mb 2,4, das sich um 22:08 Uhr in 17 Kilometern Tiefe nördlich von Stromboli ereignete. Die Tiefenangaben sind aufgerundet.

Liparische Inseln

Die mitteltiefen Erschütterungen im Tyrrhenischen Meer sind für gewöhnlich tektonischen Ursprungs und stehen mit den plattentektonischen Prozessen in dieser tektonisch komplexen Region des Mittelmeeres in Verbindung, die übergeordnet von der Kollision Afrikas mit Europa geprägt wird. Es kommt zur Subduktion der Ionischen Platte, die Afrika vorgelagert ist und von diesem Kontinent unter Europa gedrückt wird. Dadurch entsteht ein Rückrolleffekt sowie eine Ausdünnung des tyrrhenischen Beckens, was für Spannungen in der Erdkruste sorgt und Erdbeben erzeugt. Die gleichen Prozesse sind auch für den Vulkanismus der Liparischen Inseln verantwortlich.

Obwohl es wissenschaftlich nicht bewiesen ist, zeigen meine Beobachtungen der letzten 30 Jahre, dass besonders Erdbeben im Bereich von Stromboli oft einer Phase erhöhter Aktivität des Vulkans vorausgehen. Hier reicht bereits eine leichte Häufung seismischer Ereignisse aus, um auf eine baldige Reaktion des Vulkans schließen zu können.

Die jüngsten geophysikalischen und geochemischen Daten des Wochenbulletins für den Beobachtungszeitraum vom 02.–08. März attestierten dem Vulkan eine normale strombolianische Tätigkeit, wobei die Explosionshäufigkeit schwankte und an einigen Tagen hohe Werte annahm. Eine steigende Tendenz spezieller chemischer Komponenten im Gasausstoß deutet darauf hin, dass sich frisches Magma auf dem Weg in das obere Fördersystem befindet. In der zweiten Februarhälfte gab es bereits mehrere Lavaüberläufe, die ebenfalls eine Drucksteigerung im System signalisierten. Ob letztendlich ein größerer Ausbruch resultieren wird, ist indes ungewiss; die Wahrscheinlichkeit weiterer Lavaüberläufe ist jedoch relativ hoch.