Italien: Unwetter verursachten Sturzfluten in Vulkanregionen

Sturzfluten durch Unwetter in Kampanien und auf den Äolischen Inseln – Campi Flegrei und Stromboli besonders betroffen

Über weite Teile Italiens zogen seit gestern schwere Unwetter hinweg, die neben Blitz und Donner auch Sturmböen und Starkregen mit sich brachten. Besonders betroffen waren beliebte Urlaubsregionen in Kampanien sowie die Äolischen Inseln, wo sogenannte „Wasserbomben“ (bombe d’acqua) innerhalb kurzer Zeit Überflutungen und Erdrutsche verursachten, die zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führten. Auffällig ist die starke Betroffenheit vulkanisch geprägter Regionen wie der Caldera der Campi Flegrei bei Pozzuoli und der Vulkaninsel Stromboli, wo es vor allem die kleine Ortschaft Ginostra traf.

Neapel

In Kampanien kam es nach extremen Regenfällen zu massiven Problemen im Raum Neapel. Auf Ischia und in Pozzuoli unbd Neapel wurden Straßen überflutet; vielerorts verwandelten sich Verkehrswege in reißende Bäche. Auch in Bacoli im phlegräischen Gebiet meldeten die Behörden erhebliche Schwierigkeiten infolge des Starkregens. Die Feuerwehr wurde zu zahlreichen Einsätzen gerufen. Die Kombination aus dichter Besiedlung und den steilen Vulkanhängen verstärkt in den Campi Flegrei die Auswirkungen von Sturzfluten erheblich.

Der Verkehr wurde durch die Unwetter stark beeinträchtigt: Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Rom–Neapel kam es zu Verspätungen und Zugausfällen, ebenso im Eisenbahnknoten Neapel. Die Zivilschutzbehörden hielten die gelbe Warnstufe aufrecht und warnten vor weiteren lokal heftigen Gewittern mit Hagel, Blitzschlag und starken Windböen.

Bilder zeigen in den Wassermassen steckengebliebene Fahrzeuge, die vor allem in Senken bis zur Motorhaube in den Fluten versanken, sowie Straßen, die sich in reißende Flüsse verwandelt hatten – Szenen, die mittlerweile fast jeden Sommer mehrfach zu beobachten sind.

Inselvulkan Stromboli von Unwettern getroffen – Ginostra hart getroffen

Ginostra

Auch die Äolischen Inseln nördlich von Sizilien wurden von den Unwettern heimgesucht. Auf Stromboli und insbesondere in der abgelegenen Ortschaft Ginostra lösten die heftigen Regenfälle Hangrutsche aus und sorgten für Erosion entlang von Ablaufrinnen und Böschungen. Geröll und Schlamm gelangten bis ins Meer; zudem wurden Teile von Stützmauern und Treppenanlagen beschädigt. In der Folge kam es zeitweise zur Isolation einzelner Siedlungsbereiche. Verletzte wurden nicht gemeldet, doch Einsatzkräfte waren im unwegsamen Gelände im Einsatz.

Meteorologisch wurden die Unwetter durch unterschiedlich temperierte, feuchte Luftmassen ausgelöst, die über dem Tyrrhenischen Meer aufeinandertrafen. Diese Konstellation begünstigt die Bildung hochintensiver Gewitterzellen mit sehr hohen Niederschlagsraten innerhalb kurzer Zeit.

Die Aktivität der betroffenen Vulkane wurde von den Regenmassen bislang nicht merklich beeinflusst. Langfristig könnte das Hydrothermalsystem der Phlegräischen Felder jedoch auf die zusätzliche Wasserzufuhr reagieren. Dort kam es gestern Morgen außerdem zu Störungen in den Seismogrammen. Auf Stromboli sind gegen 5 Uhr morgens ungewöhnliche Signale im Seismogramm zu erkennen, die möglicherweise auf Erdrutsche zurückzuführen sind.

Stromboli: Erdbeben M 4,7 in großer Tiefe

Erdbeben ML 4,7 unter dem Tyrrhenischen Meer südöstlich von Stromboli – keine unmittelbare Auswirkung auf den Vulkan

In den letzten Wochen kam es zu einer auffälligen Häufung mittelstarker bis starker Erdbeben tief unter dem Tyrrhenischen Meer, die mit der Subduktion der Ionischen Mikroplatte unter dem Eurasischen Kontinent zusammenhängen. Der gleiche Prozess ist maßgeblich für Magmenbildung verantwortlich und versorgt die Vulkane zwischen Sizilien und der Toskana mit Schmelze. Gestern Nachmittag kam es erneut zu einem dieser Erdstöße. Er hatte eine Magnitude von 4,7 und eine Herdtiefe von 214 km. Das Besondere: Das Epizentrum lag nur ca. 25 Kilometer südöstlich von Stromboli. Der Vulkan reagierte indirekt mit der kurzzeitigen Erhöhung der Tremoramplitude bis auf hohe Werte, eine Steigerung der eruptiven Tätigkeit gab es aber bis jetzt nicht.

Erdbeben. © EMSC/Leaflet

Das Ereignis steht wie bereits erwähnt im Zusammenhang mit der komplexen Subduktionszone unter Süditalien. Entlang des Kalabrischen Bogens taucht die ionische Lithosphärenplatte, die ein Überbleibsel der Tethys-Ozeankruste ist, unter die Kalabrische und Ägäische Platten ab, die Eurasien vorgelagert sind. Tiefe Erdbeben wie das aktuelle entstehen innerhalb der absinkenden Platte und unterscheiden sich grundlegend von den flachen Erschütterungen, die direkt mit Magmenbewegungen oder tektonischen Störungen in der Erdkruste zusammenhängen. Dennoch könnten sich die Vibrationen des Bebens auf das Magma unter Stromboli auswirken und die Aktivität des Vulkans beeinflussen.

Auf Stromboli selbst zeigen die jüngsten Messungen weiterhin eine insgesamt mittlere Aktivität. Das Überwachungsnetz des LGS registrierte gestern eine hohe Anzahl sogenannter Very-Long-Period-Ereignisse (VLP) von durchschnittlich 16 Ereignissen pro Stunde. Diese Signale werden häufig mit der Bewegung von Gasen und Magma im Fördersystem des Vulkans in Verbindung gebracht und spiegeln zumindest indirekt starke Entgasungen und Explosionen wider.

Auch die explosive Tätigkeit bleibt moderat, wobei der Schalldruck der Explosionen deutlich stärker war als es an den meisten Tagen der letzten Woche der Fall gewesen war. Die stärksten Explosionen erreichten einen akustischen Druck von knapp 1 Bar, während das typische Puffing und Spattering vor allem im Nordostsektor des Kraters anhält. Thermalkameras erfassten dort eine erhöhte Zahl von Wärmeimpulsen geringer Intensität.

Die Messwerte für Schwefeldioxid- und Kohlendioxid-Ausstoß liegen ebenfalls im mittleren Bereich. Gleichzeitig zeigen Neigungsmesser keine Anzeichen einer Deformation des Vulkangebäudes. Der Vulkan verbleibt auf seinem typischen strombolianischen Aktivitätsniveau.

Stromboli: Nachlese zum Vulkanausbruch am 12. Juni

Pyroklastischer Dichtestrom am Fuß der Aschewolke erkennbar. © LGS

Neue Daten und Bilder zur Explosion am Stromboli vom 12. Juni

Nachdem ich gestern quasi live über die stärkere Explosion am Stromboli auf Basis von Bildern und Augenzeugenaussagen berichtet habe, möchte ich heute noch einmal einen Bericht mit den Beobachtungen und Daten der Vulkanologen vom INGV und LGS nachschieben, die erst veröffentlicht wurden, nachdem ich die erste Fassung des Liveberichts geschrieben hatte. Was zunächst nicht ersichtlich war, ist die Bildung eines kleinen pyroklastischen Dichtestroms gewesen, der infolge der Explosion und des Kollapses von einem Stück Kraterrand freigesetzt wurde.

Die Explosion manifestierte sich am Morgen des 12. Juni 2026 um 05:12 UTC (07:12 Uhr Ortszeit) und förderte eine vom Ort aus sichtbare Aschewolke, die mehrere hundert Meter hoch aufstieg, beim VAAC Toulouse aber keine VONA-Warnung auslöste. Die Explosion ereignete sich im nordöstlichen Kratersektor des Vulkans.

Größeneinordnung © LGS

Nach Angaben des Laboratoriums für Experimentelle Geophysik (LGS) der Universität Florenz wurde das Ereignis von den Überwachungsinstrumenten deutlich registriert. Im seismischen Very-Long-Period-Band (VLP) wurde eine maximale Bodenverschiebung von 2,0 × 10⁻⁵ Metern gemessen. Gleichzeitig zeichnete ein Neigungsmesser eine Bodenverformung von etwa 0,3 Mikroradianten auf. Besonders auffällig war der starke Infraschallimpuls mit einem akustischen Druck von rund 276 Pascal, der typisch für ein größeres explosives Ereignis ist. Ordnet man das Ereignis in der Skala der stärkeren Explosionen ein, befindet sie sich am unteren Ende des stärkeren Spektrums.

Aufnahmen von Wärmebild- und Überwachungskameras zeigen, dass vulkanisches Material weit über den Kraterrand hinausgeschleudert wurde und den Gipfelbereich erreichte. Dabei lösten sich Teile des Kratersektors, die anschließend als Steinschläge und kleinere Erdrutsche entlang der Sciara del Fuoco talwärts rutschten. Dabei entstand ein kleinerer Dichtestrom, der im LGS-Bericht nicht explizit erwähnt wird, aber auf den Livecam-Aufnahmen deutlich zu erkennen ist. Wahrscheinlich wurde ein Stück vom heißen Schlotrand herausgesprengt.

Laut INGV gingen die durch die Explosion ausgeworfenen Produkte überwiegend im oberen Bereich der Sciara nieder. Bei der Sciara del Fuoco – der Feuerrutsche – handelt es sich um die berühmte Abflussfläche am Nordhang des Vulkans.

Seismisch zeigte sich unmittelbar nach der Explosion ein ungewöhnlich starkes Signal. In den ersten acht Minuten nach dem Ereignis wurde ein schneller Anstieg der Tremoramplitude registriert, bevor die Werte wieder auf das übliche mittlere Niveau zurückgingen. Signifikante Veränderungen der allgemeinen explosiven Aktivität wurden jedoch nicht festgestellt. Auch die hochfrequenten GNSS-Messungen und die Kippmeterdaten zeigten keine Hinweise auf eine relevante Verformung des Vulkangebäudes.

Das am 13. Juni veröffentlichte LGS-Bulletin weist weiterhin auf eine erhöhte Aktivität hin. Die Zahl der VLP-Ereignisse lag mit 15,1 Ereignissen pro Stunde über dem Normalbereich, aber unter dem Niveau der Vortage. Zudem wurde ein hoher Explosionsdruck von bis zu 1,69 bar gemessen. Die thermische Aktivität blieb dagegen moderat, während Satellitendaten nur geringe Wärmeanomalien von etwa 1 Megawatt erfassten. Der Schwefeldioxid-Ausstoß betrug 82 Tonnen pro Tag und lag damit im mittleren Bereich. Insgesamt wird der Aktivitätsindex des Stromboli derzeit als „mittel“ eingestuft, was aber dem Umstand geschuldet sein kann, dass nicht alle Messinstrumente ihre Werte übermittelten.

Bildquelle: Laboratoriums für Experimentelle Geophysik (LGS) der Universität Florenz

Stromboli: Vulkan erzeugt Schloträumer und Lavaüberlauf

Aschewolke über Stromboli. © Gianni Porto – digital bearbeitet

Stromboli erzeugte stärkere Explosion – möglicher Beginn eines neuen Lavaüberlaufs

-Der Artikel erhielt um 11: 30 Uhr ein Update-

Der liparische Inselvulkan Stromboli sprengte heute Morgen um 05:12 Uhr UTC einen Förderschlot frei, wobei nicht nur ein stärkeres seismisches Signal entstand, sondern auch eine Aschewolke, die gut 500 m über den Gipfel hinaus aufstieg und vom Ort aus sichtbar war. Ohrenzeugen berichten von einer lauten Explosion, den Geräuschen von Tephra, die auf den Boden prasselt, und leichtem Ascheniederschlag. Auf der Wärmebildkamera ist eine ausgeprägte Wärmesignatur auf der Sciara del Fuoco zu sehen, wie sie typischerweise von einem Lavaüberlauf verursacht wird.

Das Ereignis wurde vom ortsansässigen Gianni Porto mit seiner Smartphonekamera in einer Fotoserie dokumentiert. Darüber hinaus zeigt die Wärmebildkamera des INGV die von der Lava ausgehende Wärmeanomalie, die sich bis jetzt nur wenig von der Basis des Kraters entfernt hat. Andere Livecams zeigen die Aschspuren von Schuttlawinenabgängen, wie sie besonders im Frühstadium eines Lavaüberlaufs häufig auftreten.

Der Vulkanausbruch hinterlässt seine Spuren auch in den Seismogrammen Die Explosion ist durch ein deutliches Signal dokumentiert. Zudem zeigt der Tremorgraph einen scharfen Peak, der wie aus dem Nichts kommt und hohe Werte erreicht.

Das Lavaspattering der letzten Tage war also ein Vorzeichen der aktuellen Ereignisse. Die stärkere Explosion des Schloträumers löste offenbar eine Verstopfung im Schlot aus, was erklärt, warum es in den letzten Tagen zwar häufige, aber nur schwache Explosionssignale gab.

Weder das INGV noch das LGS veröffentlichten bis jetzt Statements mit Daten zu dem Ausbruch. Diese reiche ich nach, sobald vorhanden.

Beim Stromboli handelt es sich um einen 924 m hohen Inselvulkan im Tyrrhenischen Meer, nördlich von Sizilien. Er ist seit mindestens 2000 Jahren daueraktiv und seit der Antike als „Leuchtfeuer des Mittelmeeres“ bekannt. Bis zu einer größeren Eruption im Jahr 2002, bei der durch einen Hangrutsch ein kleiner Tsunami ausgelöst wurde, galt Stromboli als ungefährlicher Touristenvulkan, doch dieses Image hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert.

Update 11:30 Uhr: Das INGV hat nun eine Meldung veröffentlicht, die das Geschehen genauer einordnet. Demnach wurde eine starke Explosion registriert, die den Tremor kurzfristig auf hohe Werte ansteigen ließ. Die Phase dauerte gut 8 Minuten. Eine ungewöhnliche Bodendeformation wurde nicht registriert.

Aschewolke. © LGS-Livecam

Das LGS hingegen kommuniziert, dass mit der Explosion eine Bodenverformung von 0,3 µrad einherging. Demnach lief also eine Magmablase durch das Fördersystem. Die Explosion warf Tephra bis auf den Pizzo aus und es soll zu einem Kollaps am Krater gekommen sein. Das heiße Material lief dann zusammen mit der glühenden Tephra über die Sciara del Fuoco. Das thermische Signal auf der Wärmebildkamera sieht dennoch wie von einem Lavastrom aus, was man besonders jetzt erkennt, wo es abkühlt: An der kurzen senkrecht verlaufenden Struktur unter dem Schlot ist es nach wie vor heiß. Tephra hätte sich hier nicht halten können.

Bei solchen Ereignissen können schnell pyroklastische Ströme entstehen. Weitere Explosionen sind nicht auszuschließen und somit könnte ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Dichteströmen bestehen.

Stromboli: Tremorabsturz Anfang Juni

Stromboli mit stark schwankenden Werten nach Aktivitätshoch Ende Mai – Jupiter und Venus im Blickfeld der Livecam

Seit Anfang des Monats hat der Stromboli sein Verhalten verändert und durchlief zwei Phasen niedrigen Tremors. Dieser war nach dem letzten Lavastromüberlauf Ende Mai plötzlich deutlich abgefallen. Nach dem Erdbeben der Magnitude 6,2 am 2. Juni, dessen Epizentrum weiter nördlich im Tyrrhenischen Meer lag, sowie erneut am 6. Juni erreichte der Tremor zwei markante Tiefpunkte. Parallel dazu nahm auch der akustische Explosionsdruck ab und sank am 3. Juni auf nur noch 0,22 bar. Inzwischen hat sich der Tremor wieder auf einem mittelhohen Niveau eingependelt und auch der Schalldruck der Explosionen hat zugenommen.

Tremor. © LGS

Bemerkenswert ist, dass weiterhin überdurchschnittlich viele VLP-Erdbeben registriert werden, während größere strombolianische Eruptionen offenbar selten geworden sind. Auf den Livecams konnte ich in den vergangenen Tagen überwiegend Lavaspattering beobachten. Auch die Thermalbilder zeigen nur wenige ausgeprägte Hotspots. Nach den Daten des LGS ist der akustische Explosionsdruck zeitweise sehr niedrig, was ebenfalls eher für Lavaspattering als für größere strombolianische Explosionen spricht. Die Messwerte der letzten Tage deuten jedoch wieder auf eine Zunahme der Werte hin, sodass uns der Stromboli wohl nicht ausgehen wird.

Hätte der Tremor nicht bereits vor dem Erdbeben vom 2. Juni deutlich nachgelassen, würde ich vermuten, dass das plötzliche Nachlassen der Aktivität mit dem erwähnten Beben zusammenhängt. Es ist bekannt, dass starke Erschütterungen das Verhalten von Vulkanen beeinflussen können. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Erdbeben mit Magnituden über 6 Auswirkungen auf Vulkane haben können, die bis zu 1000 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegen. Voraussetzung für das Auslösen einer Eruption ist allerdings, dass sich der Vulkan bereits in einem kritischen, „geladenen“ Zustand befindet. Im umgekehrten Fall muss eine Eruption bereits im Gange sein, damit sie durch Erdbeben abgeschwächt oder unterbrochen werden kann.

Planeten. © LGS

Allerdings werden diese Zusammenhänge nicht von allen Wissenschaftlern gleichermaßen als Bewiesen anerkannt. Generell ist der Nachweis solcher Wechselwirkungen schwierig, und entsprechende Untersuchungen sind komplex. Schließlich kann eine vermeintliche vulkanische Reaktion auf ein Erdbeben auch rein zufällig mit diesem zusammenfallen.

Wer sich nun animiert fühlt, den Stromboli ein wenig via Livecam zu beobachten, der kann in der Abenddämmerung noch ein seltenes Himmelsschauspiel Beobachten: Die Planeten Jupiter und Venus stehen im Sichtfeld der Kamera nahe beieinander und sind hell genug, damit die Cam sie sehen kann.

Starkes Erdbeben Mw 6,2 erschüttert Süden von Italien

Starkes Erdbeben MW 6,2 vor der Küste Kalabriens in Italien – Hypozentrum in großer Tiefe

Datum: 01.06.2026 | Zeit: 22:12:35 UTC | Koordinaten: 39.294 ; 15.795 | Tiefe:  240 km | Mw 6,,2

Glück im Unglück hatten gestern Abend die Menschen im Süden von Italien, als sich unmittelbar vor der Küste Kalabriens im Tyrrhenischen Meer ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,2 manifestierte. Der Erdstoß war zwar stark, spielte sich aber in einer Tiefe von 240 Kilometern ab, weswegen der Erdstoß zwar weithin deutlich spürbar war, aber keine großen Schäden entstanden sind. Dennoch jagte der Erdstoß vielen Menschen Schrecken ein und trieb sie aus den Betten.

Italien © EMSC/Leaflet

Nach Angaben des INGV ereignete sich das Beben um 00:12:35 Uhr Ortszeit (22:12:35 UTC) vor der tyrrhenischen Küste Kalabriens. Das Epizentrum lag 22 Kilometer westsüdwestlich von Paola in der Provinz Cosenza sowie etwa 124 Kilometer nördlich von Messina auf Sizilien. Besonders bemerkenswert war die Herdtiefe von 240 Kilometern.

Zahlreiche Menschen wurden kurz nach Mitternacht aus dem Schlaf gerissen. Wahrnehmungsberichte auf der Erdbebenplattform EMSC schildern ein langes, deutlich spürbares Schwanken von Gebäuden und Möbeln. Viele Zeugen beschrieben die Erschütterungen weniger als abrupten Stoß, sondern vielmehr als ein vergleichsweise lange anhaltendes Schaukeln. Meldungen gingen aus weiten Teilen Kalabriens, aus Sizilien, Kampanien, Basilikata und Apulien ein. Selbst in Städten wie Palermo, Catania, Neapel und Salerno wurde das Beben wahrgenommen.

Trotz seiner Stärke sind bislang keine größeren Sach- oder Personenschäden bekannt geworden. Dies hängt vor allem mit der außergewöhnlichen Herdtiefe zusammen. Während flache Erdbeben ihre Energie unmittelbar an die Oberfläche übertragen und dort oft schwere Zerstörungen verursachen, verteilt sich die Energie tiefer Erdbeben über ein deutlich größeres Gebiet. Dadurch werden sie zwar über große Entfernungen hinweg gespürt, ihre Auswirkungen an der Oberfläche bleiben aber meist begrenzt.

Unterschiedliche Erdbebenarten im Süden von Italien

Die Region Kalabrien zählt zu den erdbebengefährdetsten Gebieten Europas. Historisch wurde sie mehrfach von schweren Katastrophen erschüttert, darunter die verheerende Erdbebenserie von 1783 sowie das Erdbeben von Messina im Jahr 1908, das mehr als 80.000 Menschen das Leben kostete. Allerdings treten in der Region grundsätzlich zwei sehr unterschiedliche Arten von Erdbeben auf.

Die erste Kategorie umfasst flache Krustenbeben. Sie entstehen entlang aktiver Störungen in den oberen zehn bis zwanzig Kilometern der Erdkruste. Solche Ereignisse können bereits bei Magnituden um 6 signifikante Schäden verursachen, da die Bruchzone nahe an der Oberfläche liegt. Die meisten historischen Katastrophen Kalabriens und Siziliens gehören zu diesem Typ.

Die zweite Kategorie bilden sogenannte Tiefbeben innerhalb einer absinkenden Erdplatte. Genau zu dieser Gruppe zählt das aktuelle Ereignis. Kalabrien liegt am sogenannten Kalabrischen Bogen, einer geologisch komplexen Zone zwischen dem Tyrrhenischen Meer und dem Ionischen Meer. Dort taucht die ozeanische Lithosphäre des Ionischen Beckens seit Millionen von Jahren in den Erdmantel ab. Diese absinkende Platte bildet eine mehrere hundert Kilometer tiefe Zone erhöhter Erdbebenaktivität, die von Geologen als Wadati-Benioff-Zone bezeichnet wird.

Das Erdbeben vom 1. Juni ereignete sich mit seiner Herdtiefe von rund 240 Kilometern innerhalb dieser Zone. Seismologisch handelt es sich daher nicht um einen Bruch an einer oberflächennahen Störung Kalabriens, sondern um ein sogenanntes Intraslab-Beben innerhalb der bereits tief in den Mantel abgesunkenen ionischen Lithosphäre. Die Position und Tiefe des Hypozentrums entsprechen auffallend genau dem bekannten Muster früherer Tiefbeben unter dem Kalabrischen Bogen.

Dieses tektonische Setting erklärt die Kombination aus starker Magnitude, bei großräumiger Wahrnehmung und vergleichsweise geringen Auswirkungen. Das Beben war stark genug, um Menschen von Sizilien bis Kampanien zu alarmieren, fand jedoch in einer Tiefe statt, in der seine Energie vor allem weiträumige Schwingungen erzeugte.

Auswirkungen des Erdbebens auf die Vulkane Süditaliens möglich

Die Subduktionsprozesse sind nicht nur für Erdbeben verantwortlich, sondern prägen auch den Vulkanismus der Region, indem sie zumindest teilweise für die Entstehung des Magmas verantwortlich sind, das an den Vulkanen als Lava austritt.

Insbesondere der Liparische Inselvulkan Stromboli, aber auch der submarine Marsili Seamount befinden sich in der Nähe des Epizentrums. Stromboli liegt gerade einmal 70 Kilometer entfernt. Die Erschütterungen des Erdbebens könnten sich auf die Aktivität des Vulkans auswirken, Eruptionen triggern oder unterbinden. Selbst die anderen Vulkane Süditaliens liegen innerhalb des theoretischen Wirkungskreises des Bebens. Sollten sich in den nächsten Stunden, Tagen und Wochen signifikante Verhaltensänderungen an einem der Feuerberge ereignen, könnte das mit dem Erdbeben zusammenhängen.

Vulkan Stromboli mit Phase intensiven Lavaspatterings

Starkes Lavaspattering generierte kurzen Lavastrom – größerer Vulkanausbruch könnte demnächst folgen

Gestern kam es am Stromboli erneut zu einer Phase intensiven Lavaspatterings. Die Aktivität dauerte mehrere Stunden an und löste eine Sondermeldung des INGV aus. Aktiv war erneut ein Schlot im nördlichen Kratersektor. Dabei entstand ein kurzer Lavastrom auf der Sciara del Fuoco. Intensive Phasen des Lavaspritzens gehen häufig stärkeren Ausbrüchen bis hin zu Paroxysmen voraus. Kritisch wird es insbesondere dann, wenn diese Aktivitätsform mehrere Tage hintereinander anhält, wobei sie oft phasenweise auftritt.

Thermalbild. © INGV

Das INGV berichtete am 29. Mai 2026 über eine deutliche Veränderung der eruptiven Dynamik. Nach Auswertung der Überwachungskameras wurde festgestellt, dass ab 07:35 UTC eine effiziente Lavaförderung aus dem Nordkratergebiet einsetzte. Infolgedessen entwickelte sich ein Lavastrom, der sich im mittleren bis oberen Bereich der Sciara del Fuoco ausbreitete.

Neben dem Spattering setzte sich auch die typische strombolianische Aktivität fort. Sowohl im Nord- als auch im Mittel-Süd-Kratergebiet traten weiterhin Explosionen auf. Diese Form vulkanischer Tätigkeit gilt als charakteristisch für den Stromboli, deutet in der derzeitigen Intensität jedoch auf eine insgesamt erhöhte Aktivität hin.

Die Zahl der sogenannten Very Long Period (VLP)-Ereignisse lag mit durchschnittlich 16,5 Ereignissen pro Stunde deutlich über den Normalwerten von fünf bis zwölf. Der vulkanische Tremor bewegte sich im mittleren Bereich, ebenso die Infraschallaktivität. Die akustische Druckintensität der Explosionen erreichte Werte von bis zu 0,95 bar. Die Eruptionen traten zwar häufiger als gewöhnlich auf, waren jedoch nur von durchschnittlicher Stärke.

Besonders auffällig war die hohe Anzahl thermischer Transienten im nordöstlichen Kratersektor, die mit 519 Ereignissen deutlich über dem Standardwert lag und wahrscheinlich in Zusammenhang mit dem intensiven Lavaspattering stand.

Zudem wurde eine erhöhte Steinschlagaktivität mit elf Ereignissen pro Tag registriert. Während der Schwefeldioxid-Ausstoß im mittleren Bereich blieb, erreichte der Kohlendioxidfluss mit rund 1670 Tonnen pro Tag hohe Werte. Trotz der erhöhten Aktivität wurden bislang keine signifikanten Bodenverformungen festgestellt. Insgesamt stuft das INGV den Vulkanaktivitätsindex derzeit als hoch ein.

Vulkan Stromboli steigerte seine Explosivität

Stromboli mit Lavastrom von der Seeseite her. © Katarina Schulz

Zunahme der stündlichen Explosionen am Stromboli trotz effusiver Tätigkeit

Der Stromboli ist weiterhin in einer Phase erhöhter Aktivität begriffen und steigerte die Anzahl seiner stündlichen Explosionen deutlich. Zeitgleich ist er effusiv tätig und fördert einen Lavastrom, der rotglühend etwa die Hälfte des Weges zum Meer schafft. Von der Lavafront gehen Schuttlawinen und Steinschläge ab, die bis zur Küste hinabreichen können.

Die Fotos hier wurden von Vnet-Leserin Katarina in unserer FB-Gruppe geteilt. Sie war zur Dämmerung mit einem Boot unterwegs und lieferte einen seltenen Blick auf den Lavastrom, der nicht von einer Drohne aus geschossen wurde Nicht zuletzt wegen der Zunahme der Explosionsfrequenz bei gleichzeitigem Lavafluss bot sich ihr gleich mehrfach die Gelegenheit, die beiden Phänomene des Vulkanismus auf Bildern einzufangen. Sie äußerte sich überglücklich, den Stromboli gleich bei ihrer ersten Reise dorthin so aktiv erlebt zu haben.

Auf dem Foto links sieht man besonders gut die Lage der beiden aktiven Schlote im nördlichen Kratersektor, der unterhalb der früheren Kraterebene liegt. Der Lavastrom fließt durch eine Abflussrinne und ist von Land aus nur bedingt einsehbar.

Die Daten des LGS attestieren dem „Leuchtfeuer des Mittelmeers“ eine hohe Aktivität. Besonders auffällig ist die Anzahl der VLP-Erdbeben, die sich gestern auf 18,6 Ereignisse pro Stunde steigerte und sich somit auf einem ungewöhnlich hohen Niveau befindet. Der Normalwert liegt zwischen 5 und 12. Die VLP-Erdbeben stehen am Stromboli im Zusammenhang mit der explosiven Tätigkeit und entstehen durch platzende Gasblasen im Förderschlot. Es muss zwar nicht immer Tephra mit ausgeworfen werden, doch zumindest finden dann starke Gasstöße statt.

Der akustische Druck der Explosionen liegt mit 0,6 bar im mittleren Bereich, was darauf hindeutet, dass die Explosionen nicht überdurchschnittlich stark sind.

Die von dem Lavastrom ausgehende Wärmestrahlung erzeugte heute Nacht in der Spitze eine Leistung von 348 Megawatt, gemessen durch das MODIS-System.

Die Daten zu Steinschlagaktivität blieben laut LGS gering, was allerdings den Beobachtungen widerspricht, die man vor Ort oder per Livestream machen kann. Es wurden nur drei Ereignisse registriert.

Der Schwefeldioxid-Ausstoß (SO₂) im nordöstlichen Bereich der Kraterterrasse ist mit 178 Tonnen pro Tag hoch und zeigt in den vergangenen 24 Stunden einen steigenden Trend.

Vor Ort ist die Gefahr von Paroxysmen weiterhin erhöht, vorhersagen lassen sich diese starken Ausbrüche allerdings nicht oder nur sehr kurzfristig. Seid also vorsichtig!

Neuer Lavastrom am Vulkan Stromboli

Erneuter Lavaüberlauf am Stromboli generiert einen weiteren Lavastrom auf der Sciara del Fuoco

Am Stromboli im Tyrrhenischen Meer kommt es seit heute Morgen zu einem erneuten Lavaüberlauf aus dem nordöstlichen Kratersektor. Wie das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie berichtet, wurde die Aktivität zuerst um 07:32 UTC auf Bildern von Überwachungskameras beobachtet. Die Lava fließt entlang der Sciara del Fuoco ab und löst Schuttlawinen aus, die bis zur Küste am Fuß der Feuerrutsche rollen.

Stromboli. © INGV

Aus seismischer Sicht zeigt sich seit etwa 02:00 UTC ein deutlicher Anstieg der Tremoramplitude, die inzwischen ein hohes Niveau erreicht hat. Zuvor war sie nur moderat ausgeprägt und zeigte nach der Explosion vom Sonntag einen Tiefstand. Signifikante Veränderungen bei den Explosionsbeben wurden ebenso wenig registriert wie Bodenverformungen.

MIROVA verzeichnet eine moderate Thermalstrahlung mit 56 MW Leistung.

Laut dem aktuellen LGS-Bulletin für den 25. Mai zeigte der Vulkan eine anhaltend hohe Aktivität. Es traten etwa 15,4 VLP-Ereignisse pro Stunde auf, ein Wert, der deutlich über dem Normalwert von 5–12 stündlichen Ereignissen liegt. Die seismische Tremoraktivität wurde bereits gestern als hoch beschrieben.

Der akustische Explosionsdruck lag bei etwa 0,6 bar und damit im mittleren Bereich. Die Tiltmeter zeigten keine signifikante Deformation des Vulkangebäudes. Die thermische Aktivität wird als mittel eingestuft, wobei im Nordostsektor 842 thermische Transienten registriert wurden bei niedriger Amplitude. Dieser hohe Wert thermischer Durchgänge spricht für anhaltendes Lavaspattering – ein Vorbote der aktuellen effusiven Eruption.

Gegenüber den Messungen vom Samstag hat sich der Schwefeldioxidfluss normalisiert und betrug etwa 113 Tonnen pro Tag.

Am Sonntag dominierte somit ein insgesamt hohes Aktivitätsniveau ohne Hinweise auf signifikante Bodendeformationen oder Eskalation der explosiven Dynamik über das mittlere Niveau hinaus. Der Lavaüberlauf heute kündigte sich durch intensives Spattering an. In solchen Phasen ist die Gefahr für Paroxysmen groß und es könnten starke Explosionen entstehen. Im Extremfall ist die Generierung pyroklastischer Dichteströme möglich.