Proteste und Diskussionen um Verwendung von Fördergelder für Tourismusprojekte auf Stromboli – Hafen für größere Fähren wieder offen
Während der Krater des Strombolis weiterhin sehr aktiv ist und starke Explosionen erzeugt, die Infraschalldrücke von 1,5 bar erreichen, protestieren unten am Hafen Mitglieder des Vereins „Pro Loco – Amo Stromboli“ gegen die geplante Verwendung von 440.000 € Fördergeldern, die im Rahmen des Projekts „EXCOVER – Explore and Discover Eolie“ vom italienischen Tourismusministerium und der UNESCO zur Verfügung gestellt werden. Mit einem Großteil der Gelder sollen digitale Projekte und Studien gefördert werden, die die Sichtbarkeit der Inseln erhöhen. Nur der vergleichsweise geringe Anteil von 153.000 € soll dem Ausbau von Wanderwegen zugutekommen. Eine Summe, die nicht einmal ausreicht, um die Wege auf Stromboli zu sanieren, geschweige denn auf allen 7 Inseln!
Bei EXCOVER geht es darum, UNESCO-Weltkulturerbe aufzuwerten und touristische Infrastruktur und deren Sichtbarkeit zu verbessern. Das gesamte Äolische bzw. Liparische Archipel gehört zum Weltkulturerbe und jede der 7 Inseln hat ihre Besonderheiten. Auf Stromboli ist es natürlich der Vulkan selbst, wobei eine Rolle spielt, dass hier eine der wichtigsten touristischen Vulkanwanderrouten der Welt liegt. Ursprünglich konnte man auf Wanderwegen bis zum Krater aufsteigen und die Eruptionen aus nächster Nähe bewundern. Etwas, das seit 2019 aufgrund von Phasen erhöhter Aktivität praktisch dauerhaft untersagt wurde. Seitdem sind Wanderungen nur noch auf Aussichtspunkten auf 290 m Höhe (ohne Führer) und 400 m Höhe (mit Führer) erlaubt. Das vulkanische Erlebnis früherer Tage ist damit in weite Ferne gerückt.

Durch den großen Macchia-Brand von 2022, der durch eine Filmcrew ausgelöst wurde, verlor der mittlere Flankenbereich des Vulkans nicht nur seinen berühmten Schilf- und Ginstergürtel, sondern auch das Erdreich an Stabilität. Ungünstigeres nahm ausgerechnet nach dem Großbrand die Anzahl und Heftigkeit von Unwettern zu, so dass es zu einer Beschleunigung der Erosion und Abgang von Laharen kam, die teilweise durch Stromboli Ort flossen und einige Beschädigungen verursachten. Besonders hart traf es die Wanderwege am Vulkan.
Im letzten Jahr musste dann noch das Restaurant am Punta Labronzo schließen, da man sich nicht an Bauauflagen gehalten hatte. ein weiterer herber Rückschlag für den bereits stark in Mitleidenschaft gezogenen Tourismus auf Stromboli.
Zu allem Überfluss wurde das Pier von Scari – dem Hauptanleger auf Stromboli – im Januar 2026 von bis zu 10 Meter hohen Wellen infolge des Zyklons „Harry“ stark beschädigt, so dass tagelang gar keine Boote mehr anlegen durften. Im Februar einigte man sich darauf, dass bei ruhiger See kleinere Fähren anlegen dürfen, die Fahrzeuge und Waren bis maximal 3,5 Tonnen anlanden können. Aktuell sind Reparaturarbeiten im Gange und Vereinsmitglied Andreas beobachtete letzte Woche wieder eine größere Fähre am Anleger.
Streit um das Projekt „EXCOVER“: Kritik an fehlender Einbindung lokaler Akteure auf Stromboli

Gestern versammelten sich am demolierten Anleger auf Stromboli Bürger und Mitglieder des Vereins „Pro Loco“, um gegen die Verteilung der Fördergelder zu protestieren. Der Verwendungsplan sieht folgendermaßen aus:
- ~153.000 € für Wanderwege
- ~55.000 € für eine App
- ~42.500 € für ein Videospiel
- ~40.000 € für Marketing / Social Media
Die Protestierenden stellen die Sinnhaftigkeit der Geldverteilung infrage und argumentieren, was digitale Kampagnen für die Erhöhung der Sichtbarkeit der Inseln bringen sollen, wenn die touristische Infrastruktur vor Ort in Trümmern liegt. Über 13.500 € des Budgets fürs Marketing sollen übrigens Influencern zugutekommen – soweit mir bekannt, bleibe ich allerdings unberücksichtigt – etwas, das die Menschen vor Ort besonders aufregt.
Die Wanderwege auf Stromboli werden aktuell von den Bergführern und Inselbürgern in Eigenregie mehr schlecht als recht am Leben gehalten. Die Pro Loco betont, dass genau jene Menschen, die täglich mit den Bedingungen vor Ort umgehen und seit Jahren auf Probleme hinweisen, nicht in die Projektentwicklung einbezogen wurden. Der Verein fordert daher eine stärkere Einbindung lokaler Strukturen, mehr Transparenz bei der Mittelverwendung sowie eine klare Priorisierung der Instandhaltung touristisch genutzter Infrastruktur.
Ich kritisiere seit Jahren die Politik des Bürgermeisters der Liparischen Inseln und eine Reihe fragwürdiger Entscheidungen, die mitverantwortlich für den Niedergang des Tourismus und der Infrastruktur auf den Liparischen Inseln sind. Dazu zählen die Vollsperrung des Aufstiegs zum Krater auf Stromboli, die Privatisierung des Schlammpools auf Vulcano und die damit entbrannten Rechtstreitigkeiten, die Schließung des Restaurants von Labronzo aus gleichem Grund und natürlich die mangelnde Finanzierung von Infrastrukturprojekten der kleineren Gemeinden des Archipels.
Eine Informations-App für die Liparischen Inseln fände ich im Gegensatz zu „Pro Loco“ allerdings sehr sinnvoll, insbesondere wenn aktuelle Informationen über den Betrieb der Fähren (Anlandung auf Stromboli) und Aktivität der Vulkane geteilt werden. Und mal Hand aufs Herz: Was sind heute schon 440.000 € Fördergelder für mehrere Projekte auf 7 Inseln? Selbst mit einer Null mehr wäre es noch zu wenig!









