Stromboli zeigt weiteren Lavaüberlauf und erhöhte Explosivität

Lavaüberlauf und stärkere Explosionen am Stromboli bestätigt – Erdbeben in großer Tiefe registriert

Am Stromboli hat die Aktivität in den vergangenen Stunden erneut zugenommen und zeichnet sich durch explosive und effusive Tätigkeit aus. Nachdem bereits Sonntagabend ein Lavaüberlauf stattfand, über den offizielle Stellen nicht berichtet haben, kam es nach Angaben des INGV am Abend des 12. Oktober gegen 19:00 UTC zu einem weiteren Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kraterbereich. Gleichzeitig hält die strombolianische Aktivität an, die zeitweise deutlich intensiver als üblich ist. Die Vulkanologen registrierten dabei bislang keine wesentliche Veränderung der als mittelhoch eingestuften Tremoramplitude oder der Explosionsseismizität. Eine ungewöhnliche Bodendeformation wurde nicht beobachtet. Lediglich das am Pizzo installierte Neigungsmessgerät SELI registrierte seit Beginn des Lavaüberlaufs eine geringe Änderung von etwa 0,1 Mikroradiant.


Stromboli

Die Messungen des Laboratorio di Geofisica Sperimentale (LGS) zeigen allerdings ein deutlich komplexeres Bild. Besonders auffällig ist die akustische Aktivität: Der maximale Schalldruck der Explosionen erreichte gestern 2,63 bar und wird damit weiterhin als sehr hoch eingestuft. Auch das Puffen beziehungsweise Spattering ist mit rund 64,7 mbar stark ausgeprägt. Hinzu kommen 21 registrierte Felsstürze innerhalb eines Tages, womit diese Aktivität als sehr hoch gilt. Der Tremor liegt dagegen im mittleren Bereich. Die SO₂-Emissionen werden mit 77 Tonnen pro Tag, der CO₂-Fluss mit 405 Tonnen pro Tag ebenfalls als mittel eingestuft.

Der vom LGS angegebene vulkanische Aktivitätsindex liegt dennoch nur im Bereich „mittel“. Diese Einstufung sollte allerdings mit Vorsicht interpretiert werden. Mehrere wichtige Messgrößen sind derzeit nicht verfügbar. Dazu gehören insbesondere die Zahl der VLP-Ereignisse sowie praktisch sämtliche Parameter der thermischen Überwachung. Damit fließen gerade Daten, die bei einem Lavaüberlauf besonders relevant sein können, nicht vollständig in die Bewertung ein. Der Aktivitätsindex stellt deshalb kein vollständiges Abbild der aktuellen Situation dar.

Darüber hinaus registrierte das EMSC heute Nacht ein weiteres sehr tief gelegenes Erdbeben der Magnitude 2,7 im Bereich von Stromboli. Das Epizentrum lag nur wenige Kilometer vor der Ostküste und somit unter der Vulkanflanke. Das Hypozentrum wurde in 203 Kilometern Tiefe ausgemacht und lag somit im oberen Erdmantel. Ob und wie sich die Vibrationen eines schwachen Erdstoßes auf die Aktivität des Vulkans auswirken, ist wissenschaftlich nicht ausreichend erforscht. Es gibt aber einige Studien, die darauf hinweisen, dass die tektonischen Prozesse in der Tiefe – die mit der Subduktion der Ionischen Platte zusammenhängen – die Magmaförderung am Stromboli beeinflussen können.

Die aktuelle Kombination aus Lavaüberlauf, Explosionen, intensivem Spattering und zahlreichen Felsstürzen zeigt jedenfalls eine erhöhte Aktivität. Auch der Luftfahrt-Farbcode wurde für Stromboli auf Orange gesetzt.

Stromboli: Murenabgänge durch Unwetter

Unwetter verursachten Geröllabgänge auf Stromboli – Insel vom Fährverkehr abgeschnitten

Am Freitag und Samstag wurden die Liparischen Inseln von einem heftigen Unwetter getroffen. Dabei kam es nicht nur auf Lipari zu Beeinträchtigungen (Vnet berichtete), sondern, wie sich inzwischen herausgestellt hat, auch auf Stromboli. Auf der Vulkaninsel führten die starken Regenfälle zu kleineren Murenabgängen, bei denen Geröll und Schlamm auf die Straßen gespült wurden. Die erneuten Vorfälle verdeutlichen, wie gefährdet die Siedlungen an den steilen Hängen des Inselvulkans bei Starkregen sind. Gleichzeitig beeinträchtigen die schlechten Wetterbedingungen den Schiffsverkehr und erschweren die Versorgung der Insel.



Stromboli nach Unwetter (Archiv)

Wie die sizilianische Medien am 12. Oktober berichteten, genügte ein einzelner Wolkenbruch, um enge Gassen auf Stromboli mit Geröll und Schlamm zu bedecken. Die Präsidentin der örtlichen Organisation Pro Loco Amo Stromboli, Rosa Oliva, erklärte, dass die Bewohner bereits seit 2022 mit solchen Ereignissen konfrontiert seien. Sie bekundete zwar ihre Solidarität mit den Menschen auf Lipari, die am Wochenende ebenfalls von Überschwemmungen betroffen waren, forderte zugleich aber konkrete Maßnahmen zum Schutz Strombolis und des Ortes Ginostra.

Besonders problematisch ist die Situation an den Bachläufen und Abflussrinnen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur ANSA ist das Bachbett des Montagna Russo inzwischen stark mit Geröll aufgefüllt. Bei erneuten Niederschlägen könnten große Steine und weitere Sedimente die vorhandenen Schutzvorrichtungen überwinden und bis in bewohnte Gebiete gelangen. Die Gefahr beschränkt sich daher nicht auf verschmutzte Straßen: Bei Starkregen können sich gefährliche Sturzfluten und größere Muren entwickeln.

Oliva verwies darauf, dass der regionale Katastrophenschutz die Gemeinden bereits im September zu vorbeugenden Maßnahmen aufgefordert habe. Dazu gehörten die Reinigung von Abflüssen, Schächten und Bachbetten sowie die Beseitigung von Hindernissen. Die Bewohner beklagen jedoch, dass bislang keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen worden seien.

Die Lage wird durch den unterbrochenen Fährverkehr zusätzlich verschärft: Stromboli und Ginostra sind bereits seit Mittwoch von den Schiffsverbindungen abgeschnitten. Dadurch drohen Engpässe bei der Versorgung mit frischen Lebensmitteln. Ob die Verbindungen am 12. Oktober wieder aufgenommen wurden, war zunächst nicht zuverlässig bestätigt. Auch auf den Livecams deuteten die Wetterbedingungen nicht auf eine baldige Entspannung hin.

Bereits in der kommenden Woche beginnen in einigen deutschen Bundesländern die Herbstferien, und sicherlich planen einige Urlauber einen Besuch auf der Vulkaninsel. Zwar war es schon immer so, dass raue See den Fährverkehr und insbesondere den Einsatz der Tragflächenboote zu den abgelegenen Inseln beeinträchtigt. In den vergangenen Jahren scheint sich die Situation jedoch verschärft zu haben, da vor allem im Frühjahr und Herbst häufiger Stürme und Unwetter auftreten. Ein möglicher Faktor sind die ungewöhnlich hohen Temperaturen des Mittelmeeres, die die Entwicklung intensiver Unwetter begünstigen können.

Hinzu kommt, dass seit dem verheerenden Vegetationsbrand auf Stromboli im Jahr 2022 bei Niederschlägen vermehrt Schlamm- und Geröllströme abgehen. Durch den Verlust der Vegetation kann Regenwasser schlechter zurückgehalten werden, während Boden und loses Gesteinsmaterial leichter mobilisiert werden. Dadurch steigt die Gefahr, dass Starkregen innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen an Schlamm und Geröll in die Siedlungen transportiert, Straßen blockiert und den Abfluss des Regenwasseres erschwert, wodurch Sturzfluten entstehen.

Stromboli: Lavaüberlauf am Abend des 11. Oktober

Lavaüberlauf am Stromboli-Nordschlot – explosiv Aktivität hält an

Auf den Liparischen Inseln kommt es am Inselvulkan Stromboli heute Abend zu einem erneuten Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kratersektor. Livecam-Aufnahmen des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) dokumentieren die effusive Aktivität. Gleichzeitig ist ein weiterer Schlot explosiv aktiv und schleudert glühende Lava aus. Auch die Messdaten des Vulkanobservatoriums LGS-Florenz dokumentieren seit gestern eine erhöhte explosive Aktivität.



Im aktuellen LGS-Bulletin vom 11. Oktober wird die vulkanische Aktivität insgesamt als mittelstark eingestuft. Allerdings zeigen einzelne Messparameter deutlich erhöhte Werte. Besonders auffällig ist die akustische Druckstärke der Explosionen: Sie erreichte Maximalwerte von 3,12 bar und lag damit weit über dem üblichen Referenzbereich von weniger als einem Bar. Auch die Infraschall-Aktivität und das sogenannte Puffing, das mit stoßweisem Gasausstoß und Spattering verbunden ist, waren erhöht. Die Druckamplitude des Puffings betrug 55,1 Millibar. Einige wichtige Messdaten, etwa die zu den thermischen Durchgängen, fehlen, was zur Einstufung einer nur mittelstarken Aktivität beigetragen haben kann.

Bereits gestern wurde eine hohe Steinschlagaktivität festgestellt, die zum einen von der erhöhten Explosivität herrühren kann, zum anderen auch immer dann erhöht ist, wenn Lava auf der Sciara del Fuoco fließt oder es besondere Instabilität am Kraterrand gibt, wodurch Lavabrocken aus der Kraterwand brechen. Die Überwachungsstationen registrierten innerhalb von 24 Stunden insgesamt 29 Felsstürze. Die meisten davon waren allerdings mit geringen geschätzten Volumina verbunden.

Der seismische Tremor bewegte sich gestern im mittleren Bereich und ist aktuell eher niedrig, was nicht so ganz zu der steigenden Aktivität passt. Die Schwefeldioxid-Emissionen lagen bei etwa 80 Tonnen pro Tag, während der Kohlendioxidfluss mit 1.215 Tonnen täglich als mittel eingestuft wurde. Auffällige thermische Anomalien wurden von den Satellitenmessungen nicht festgestellt. Die Neigungsmesser registrierten außerdem keine signifikanten Verformungen des Vulkangebäudes.

Die aktuelle Situation zeigt, dass am Stromboli effusive und explosive Prozesse gleichzeitig ablaufen. Während Lava aus dem nördlichen Kraterbereich überläuft, bleibt die Aktivität an anderen Schloten explosiv. Die besonders hohen Explosionsdrücke und die zahlreichen Steinschläge unterstreichen die Dynamik des Geschehens. Trotz der insgesamt mittleren Einstufung durch das LGS ist daher weiterhin Vorsicht im Gipfelbereich geboten. Darüber hinaus ist das Besteigungsverbot weiterhin in Kraft und Stromboli darf nur mit Führer bis auf Quota 400 bestiegen werden.

Update: Der Tremorgraph des LGS wurde erst mit zeitlicher Verzögerung aktualisiert und zeigt nun einen Anstieg des Tremors bis in den orangenen Bereich.

Lipari: Schlammfluten durch Unwetter

Starkregen löst Schlamm- und Sturzflut auf Lipari aus – Wellen beschädigten Boote

In der Nacht zum 10. Oktober wurde die Äolische Insel Lipari von einem starken Unwetter getroffen, das innerhalb kurzer Zeit eine Schlamm- und Sturzflut ausgelöst hat. Besonders betroffen waren die Bereiche Zinzolo und Salita San Leonardo. Nach Angaben italienischer Medien fielen zeitweise rund 50 Millimeter Regen in kurzer Zeit. Die intensivste Phase wurde zwischen 1:00 und 1:40 Uhr registriert; am Morgen setzte zwischen etwa 7:00 und 8:30 Uhr ein weiteres Mal kräftiger Regen ein.

Lipari

Die Wassermassen überforderten die Entwässerung und ließen die Torrenti Ponte und Valle über die Ufer treten. Wasser, Schlamm und Geröll strömten durch bewohnte Gebiete und überfluteten zahlreiche Straßen und rissen allerlei Unrat mit. Besonders eindrücklich sind Bilder aus Zinzolo und von der Salita San Leonardo, wo sich zeitweise regelrechte Wasser- und Schlammströme durch die Straßen bewegten.

Dutzende Häuser wurden von den Sturzflutmassen erfasst, wo Keller und Geschäfte vollliefen. Im Bereich des Hafens Sottomonastero gerieten mehrere Fahrzeuge in den Wassermassen beziehungsweise im Schlamm unterhalb der Kaimauer in Schwierigkeiten. Die aus den höher gelegenen Bereichen herabströmenden Fluten transportierten große Mengen Sediment und Geröll bis in den Küstenbereich. Teile des Materials gelangten schließlich an die Strände und ins Meer, wo eine starke Brandung wütete, die ihrerseits Schäden anrichtete und Fischerboote an Land warf.

Die Feuerwehr war mit zahlreichen Einsätzen beschäftigt und musste unter anderem Autofahrer aus gefährlichen Situationen befreien sowie überflutete Gebäude und Verkehrswege sichern. Zeitweise waren Familien in ihren Häusern durch die Wasser- und Schlammmassen eingeschlossen. Nach Angaben von Bürgermeister Riccardo Gullo konnte die Situation im Laufe des Tages weitgehend stabilisiert werden; die betroffenen Familien wurden befreit und wichtige Straßen wieder passierbar gemacht. Gleichzeitig blieb die Gefahr weiterer starker Niederschläge bestehen.

Das Ereignis verdeutlicht die hohe Sturzflutgefährdung der vulkanischen Insel: Bei extremem Starkregen kann das Wasser von den steilen Hängen innerhalb kürzester Zeit in die dicht besiedelten Küstenbereiche abfließen und dabei Schlamm und Geröll mitreißen. Die regionale Protezione Civile hatte für Sizilien eine orange Wetterwarnung ausgegeben.

Die Unwetter machten auch vor den anderen Inseln des Archipels nicht halt. Meldungen über katastrophale Zustände liegen von ihnen nicht vor. Allerdings ist der Fährverkehr zu den äußeren Inseln bereits seit Mittwoch eingeschränkt oder teilweise sogar ganz eingestellt. Stromboli, Alicudi und Filicudi sind praktisch von der Außenwelt abgeschnitten.

Marsili-Seamount: Erdbeben nahe des Unterwasservulkans

Marsili. KI-gerendert nach Grafikvorlage eines Radarbildes.

Mittelstarkes Erdbeben in großer Tiefe nahe dem Marsili-Seamount

Ein ungewöhnlich tiefes Erdbeben hat am Donnerstagmorgen das südliche Tyrrhenische Meer erschüttert. Das Beben ereignete sich um 05:42 Uhr Ortszeit und wurde vom italienischen Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) zunächst mit einer Magnitude von 4,7 und einer Herdtiefe von 372 Kilometern bestimmt. Internationale Messnetze kommen auf eine Magnitude von 4,9 und eine Tiefe von 367 Kilometern. Die unterschiedlichen Koordinaten sind auf die noch laufende Neubestimmung des Hypozentrums zurückzuführen. Das EMSC verortet den Erdstoß 56 Kilometer nordwestlich von Lipari. Damit wird deutlich, dass neben dem Marsili-Seamount auch der Inselvulkan Stromboli in relativer Nähe zum Epizentrum liegt.



Shakemap © EMSC/Leaflet

Das Epizentrum befand sich nördlich der Äolischen Inseln und damit in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Marsili-Seamount. Nach der internationalen Lokalisierung beträgt die Entfernung zu dem submarinen Vulkan nur etwa zehn Kilometer. Trotz dieser auffälligen Lage gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass das Erdbeben durch eine Aktivierung des riesigen Unterwasservulkans ausgelöst wurde.

Das entscheidende Merkmal, das Beben als tektonisch bedingt einzustufen, ist die extreme Herdtiefe. Erdbeben, die durch Magmaaufstieg ausgelöst werden, treten nur sehr selten in Tiefen von mehr als 40 Kilometern auf. Der Grund liegt darin, dass die Gesteine der Asthenosphäre und des oberen Erdmantels aufgrund der dort herrschenden Druck- und Temperaturbedingungen zunehmend plastisch reagieren. Ein aufsteigender Magmakörper kann das Gestein daher eher verformen und verdrängen, als dass es spröde bricht. Sehr tiefe Erdbeben stehen deshalb meist mit einer subduzierten Lithosphärenplatte in Verbindung, die auch in großen Tiefen noch spröde genug ist, um durch Spannungsänderungen zu brechen.

Tektonisch befindet sich die Region über der nach Nordwesten abtauchenden Ionischen Platte. Ihre Subduktion unter den Kalabrischen Bogen ist maßgeblich für die komplexe Geodynamik des südlichen Tyrrhenischen Meeres verantwortlich. Der abtauchende Slab bildet eine ausgeprägte Wadati-Benioff-Zone, in der Erdbeben bis in Tiefen von etwa 500 Kilometern auftreten können. Die heutige Geometrie der Subduktionszone und ihr Rückzug nach Südosten standen zugleich mit der Öffnung des Marsili-Backarc-Beckens in Zusammenhang.

Das aktuelle Erdbeben ist daher am ehesten als tiefes Subduktionsbeben innerhalb beziehungsweise im Umfeld der abtauchenden ionischen Lithosphäre einzuordnen. Die räumliche Nähe zum Marsili ist geologisch interessant, stellt jedoch keinen Beleg für eine vulkanische Ursache dar. Allerdings lässt sich nicht grundsätzlich ausschließen, dass starke Erschütterungen auf den nahe gelegenen Stromboli einwirken und dort möglicherweise Veränderungen der vulkanischen Aktivität auslösen. Ob ein solcher Effekt tatsächlich auftritt, lässt sich erst anhand der weiteren Entwicklung der Aktivität beurteilen.

An der Oberfläche blieben die Auswirkungen gering. Schäden wurden nicht gemeldet. Lokale Berichte sprechen allerdings von einzelnen Wahrnehmungen eines leichten, einige Sekunden dauernden Tremors auf den Äolischen Inseln und an der tyrrhenischen Küste. Die große Herdtiefe dürfte dazu beigetragen haben, dass die Bodenbewegungen an der Oberfläche deutlich abgeschwächt wurden.

Warum Marsili als gefährlich eingestuft wird

Der Marsili gilt trotz seiner Lage unter dem Meer als potenziell gefährlicher Vulkan: Der Seamount erhebt sich bis zu 3000 m über dem Meeresboden und weist teils instabile Hänge auf, an denen es zu Hanginstabilitäten und großen submarinen Rutschungen kommen kann. Solche Rutschungen könnten besonders durch Eruptionen oder starke Erdbeben ausgelöst werden. Ein größerer Flankenkollaps könnte erhebliche Wassermengen verdrängen und dadurch einen Tsunami im Tyrrhenischen Meer auslösen, der insbesondere die Küsten Süditaliens gefährden würde.

Stromboli: Neuer Lavaüberlauf begann am 5. Oktober

Weiterer Lavaüberlauf am Stromboli – Lava fließt über Sciara del Fuoco

Am Stromboli hat sich heute Nachmittag ein weiterer Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kraterbereich entwickelt. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) beobachtet seit 13:05 UTC einen Austritt von Lava, der einen bislang mäßig großen Lavastrom speist. Die Schmelze ergießt sich aus dem Nordschlot über den oberen Bereich der Sciara del Fuoco, der steilen Feuerrutsche an der Nordflanke des Vulkans, der zur Inselgruppe der Liparischen Inseln gehört.



Stromboli © stati d’animo

Neben der effusiven Tätigkeit setzt sich gleichzeitig die für diesen Vulkan typische strombolianische Aktivität aus beiden Kraterbereichen fort. Zusätzlich kommt es am Nordkrater zu unterschiedlich starkem Lavaspattering, bei dem glühende Lavafetzen aus dem Schlot geschleudert werden. Damit ist die aktuelle Aktivität gegenüber einer rein explosiven Phase deutlich gesteigert, ohne dass sich bislang Hinweise auf eine größere Flankeneruption ergeben. Aus solchen relativ milden Phasen können sich stärkere Eruptionen entwickeln. Die Aktivität geht momentan aber ohne eine nennenswerte Tremorsteigerung einher, weshalb eine weitere Aktivitätszunahme kurzfristig unwahrscheinlich erscheint.

Die gestrigen Messdaten des LGS zeigen eine erhöhte, aber insgesamt stabile Aktivität. Die Zahl der Very-Long-Period-Ereignisse (VLP) liegt mit durchschnittlich 16,6 Ereignissen pro Stunde deutlich über dem Normalbereich von 5 bis 12 Ereignissen. Gleichzeitig bewegt sich die Amplitude des vulkanischen Tremors weiterhin im mittleren Bereich.

Auffällig ist zudem die Stärke der Explosionen. Die akustischen Druckwerte erreichen bis zu 1,9 bar, während normalerweise Werte unter 1 bar registriert werden. Das LGS meldet außerdem einen leichten Anstieg sowohl der Häufigkeit als auch der Stärke der Explosionsbeben.

Andere Parameter liefern dagegen bislang keine Hinweise auf eine grundlegende Veränderung des Vulkansystems. Die Neigungsmesser und das GNSS-Netz registrieren keine signifikanten Deformationen. Auch der Schwefeldioxid-Ausstoß ist mit zuletzt 53 Tonnen pro Tag niedrig. Satellitendaten zeigen eine mittlere thermische Anomalie von etwa 12 MW.

Der aktuelle Lavaüberlauf stellt damit eine erneute Verstärkung der oberflächennahen Aktivität dar. Hinweise für eine sich anbahnende größere Eruption können aus den vorliegenden Daten bislang nicht gelesen werden.

Stromboli: Lavaüberlauf am 1. Oktober

Neuer Lavaüberlauf startete nachts am Stromboli – mehrere tiefe Erdbeben zuvor

In der Nacht hat sich am Stromboli die vulkanische Aktivität nach einer mehrwöchigen Phase ohne besondere Vorkommnisse erhöht. Nach Angaben des INGV zeigten die Überwachungskameras seit etwa 01:00 UTC eine Intensivierung von Lavaspattering und explosiver Aktivität im nördlichen Kraterbereich. Dabei kam es zu einem neuen Lavaüberlauf. Der Lavastrom beschränkt sich derzeit auf den oberen Abschnitt der Sciara del Fuoco, ist aber auch am Mittag weiter aktiv.



Stromboli. ©INGV

Der Aktivität voran sind mehrere tiefe Erdbeben gegangen, die sich in den letzten Tagen im Tyrrhenischen Meer überwiegend südöstlich des Stromboli abspielten. Das stärkste ereignete sich am 29. September in einer Tiefe von 78 Kilometern und hatte eine Magnitude von 3,3. Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen diesem tiefen Erdbeben und der Aktivität des Stromboli gibt, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, aber es gibt oft eine auffällige Häufung dieser Erdbeben bevor der Stromboli seine Aktivität steigert.

In der LGS-Tagesanalyse vom 1. Oktober für den Vortag registrierte das Messnetzwerk eine hohe Rate von Very Long Period Events (VLP). Mit durchschnittlich 18,5 Ereignissen pro Stunde lag sie deutlich über dem normalen Bereich von 5 bis 12 Ereignissen. Der vulkanische Tremor wurde dagegen als mittel eingestuft. Gleichzeitig war die infrasonische Aktivität hoch. Der maximale akustische Druck der Explosionen erreichte 1,9 bar, während normalerweise Werte unter 1 bar gemessen werden.

Auch die Zahl der Steinschläge war mit 27 Ereignissen innerhalb von 24 Stunden sehr hoch. Die thermische Aktivität wurde hingegen als niedrig bis moderat bewertet; Satellitendaten erfassten eine thermische Anomalie von maximal 36 MW. Der Schwefeldioxid-Ausstoß lag mit 64 Tonnen pro Tag auf niedrigem Niveau. Insgesamt zeigt sich aber, dass Stromboli bereits vor dem eigentlichen Lavaüberlauf eine vergleichsweise hohe Aktivität zeigte.

Die Wochenanalyse des INGV vom 29. September zeigt, dass sich die gegenwärtige Entwicklung in eine länger anhaltende Phase strombolianischer Aktivität einfügt. Während der vergangenen Woche wurde eine mittelstarke bis hohe Explosionsfrequenz beobachtet, teilweise begleitet von Spattering im nördlichen Kraterbereich. Signifikante Erdbeben mit Magnituden ab Ml 1,0 wurden nicht registriert. Auch die Messnetze zur Überwachung der Bodendeformation zeigten keine auffälligen Veränderungen. Allerdings wurden im Bereich San Bartolo weiterhin hohe CO₂-Werte gemessen.

Das INGV hatte bereits im Wochenbulletin darauf hingewiesen, dass die anhaltende strombolianische Aktivität mit Lavaüberläufen entlang der Sciara del Fuoco einhergehen kann. Dabei sind auch Felsstürze und Schuttlawinen möglich. Zudem können beim Kontakt von Lava mit dem Meer phreatomagmatische Explosionen auftreten.

Im Zusammenhang mit den Liparischen Inseln interessant ist auch, dass es auf Vulcano seit gestern wieder 2 Mikrobeben gab, nachdem die Seismizität in den Vorwochen sehr gering bis nicht vorhanden war.

Vulkan Stromboli: Lavastromüberlauf am 08.08.2026

Neuer Lavaüberlauf aus dem Nordkrater des Stromboli setzte in der Nacht zum Samstag ein

Am Stromboli hat sich die Aktivität in den vergangenen Stunden erneut verändert. Nach Angaben des INGV begann am Abend des 7. August gegen 22:45 UTC ein weiterer Lavaüberlauf aus dem nördlichen Kraterbereich. Dabei bildete sich ein kleiner Lavastrom, der bislang nur den oberen Abschnitt der Sciara del Fuoco betrifft. Hinweise auf einen größeren Lavastrom oder eine deutliche Ausweitung der Aktivität liegen derzeit nicht vor. Erst am Donnerstagnachmittag wurde der vorherige Lavaüberlauf für beendet erklärt. 

Thermalbild. © INGV

Der Lavaüberlauf änderte nicht das explosive Geschehen am Stromboli und dieser setzt die typische strombolianische Aktivität sowohl im Nordkrater als auch im zentralen Kraterbereich fort. Im Norden tritt zudem zeitweise verstärkt Spattering auf, bei dem glühende Lavafetzen aus dem Fördersystem geschleudert werden. Spattering gilt als ein relativ zuverlässiges Vorzeichen für Lavastrombildung.

Die täglich veröffentlichten Messdaten des LGS zeigen einige erhöhte Aktivitätsparameter. Die Zahl der sogenannten VLP-Erdbeben (Very Long Period) lag am 7. August bei 17 Ereignissen pro Stunde und damit deutlich über dem Normalbereich von 5 bis 12 Ereignissen. Solche Signale stehen bei Stromboli vor allem mit Magmabewegungen und Druckveränderungen im flachen Fördersystem in Zusammenhang und gelten als indirektes Maß für die Explosivität. Auch die Infraschallaktivität ist hoch. Bei Explosionen wurde ein maximaler Schalldruck von 2,3 bar registriert, während Werte unter 1 bar als normal gelten. Die Stärke des vulkanischen Tremors bleibt dagegen im mittleren Bereich.

Weitere Messgrößen zeigen ein überwiegend moderates Aktivitätsniveau. Der Schwefeldioxid-Ausstoß lag bei etwa 90 Tonnen pro Tag, der CO₂-Ausstoß bei rund 1.133 Tonnen pro Tag. Satellitendaten erfassten eine thermische Anomalie von bis zu 38 Megawatt. Zudem wurden neun Steinschläge innerhalb von 24 Stunden registriert.

Trotz der erhöhten VLP-Aktivität und der starken Explosionen zeigen die Tiltmeter keine signifikanten Veränderungen der Vulkanflanke. Insgesamt bewertet das INGV die Aktivität weiterhin mit einem mittleren Vulkanaktivitätsindex. Die aktuelle Lavaüberströmung verdeutlicht allerdings, dass sich die Aktivität am Nordkrater vorübergehend intensiviert hat.

Stromboli: Vulkan eruptiert seit dem 5. August neuen Lavastrom

Neuer Lavastrom fließt über die Sciara del Fuoco am Stromboli – explosive Aktivität bleibt hoch

Am Stromboli wird seit gestern Abend erneut eine Verstärkung der eruptiven Aktivität beobachtet. Seit gestern Abend ist auf Livecam-Aufnahmen ein kleiner Lavastrom zu sehen, der aus einem Schlot an der nördlichen Basis des Kraterkomplexes austritt. Entsprechende Aufnahmen wurden von Wolfgang K. in unserer FB-Gruppe „volcanoes and volcanism“ veröffentlicht. Laut einer INGV-Mitteilung begann der Lavaüberlauf erst gegen 05:00 UTC. Die Schmelze speist einen mäßigen Lavastrom, der sich auf den oberen Abschnitt der Sciara del Fuoco beschränkt.

Stromboli

Neben der Lavastromtätigkeit, die in den letzten Jahren am Stromboli immer wieder vorkommt, setzt sich die typische strombolianische Tätigkeit an beiden Kraterbereichen fort. Sowohl im Nordkrater als auch im Zentralbereich des Südkraters ereignen sich regelmäßig Explosionen. Besonders im Nordkrater werden unterschiedlich starke Lavaauswürfe beobachtet, die glühende Schlacken und Lavabomben über den Kraterrand hinausschleudern.

Die geophysikalischen Messdaten zeigen dabei weiterhin ein insgesamt stabiles Bild. Die Amplitude des vulkanischen Tremors bewegt sich im moderaten Bereich, während weder bei der Anzahl noch bei der Stärke der Explosionsbeben auffällige Veränderungen registriert wurden. Auch die Überwachung der Bodenverformung ergab keine signifikanten Änderungen, sodass derzeit keine Hinweise auf eine ungewöhnlich schnell ablaufende Magmenintrusion oder eine größere Destabilisierung des Vulkangebäudes vorliegen.

Die täglichen Messwerte des LGS attestieren dem Vulkan allerdings eine lebhafte Aktivität. Mit durchschnittlich 16 VLP-Erdbeben pro Stunde liegt die Rate deutlich über dem Normalbereich. Auch die Infraschallmessungen weisen auf kräftige Explosionen hin: Der maximale akustische Druck erreichte 2,9 bar und liegt damit deutlich über den üblichen Werten von weniger als 1 bar. Es gab zumindest vereinzelt deutlich stärkere Explosionen. Die Entgasung bleibt moderat. Der Schwefeldioxid-Ausstoß wurde mit 86 Tonnen pro Tag gemessen, der Kohlendioxid-Fluss mit rund 449 Tonnen pro Tag. Satellitendaten registrierten dagegen nur geringe thermische Anomalien von maximal 5 Megawatt. Auch die Steinschlagaktivität blieb vor Einsetzen der Lavastromtätigkeit gering, wobei zu erwarten ist, dass sie aktuell zunimmt, da von der Lavafront oft Blöcke abbrechen.

Das am 4. August vom INGV veröffentlichte Wochenbulletin für den Beobachtungszeitraum 27.07. – 02.08.2026 beschreibt insgesamt eine unveränderte Situation. Demnach dominierte in der letzten Woche weiterhin die gewöhnliche strombolianische Aktivität an beiden Kraterarealen, die zeitweise von Lavaspattering im Nordkrater begleitet wurde.  Die seismischen Parameter und Bodenverformungen blieben während der gesamten Berichtswoche stabil. Geochemisch wurden mittlere SO₂-Werte, erhöhte CO₂-Flüsse aus dem Untergrund sowie ein rückläufiges, aber weiterhin hohes Helium-Isotopenverhältnis registriert.

Die Vulkanologen weisen darauf hin, dass neben der anhaltenden strombolianischen Aktivität jederzeit größere Explosionen auftreten können. Zudem besteht die Möglichkeit von Lavaüberläufen, die im Extremfall das Meer erreichen, wodurch es zu hydromagmatischen Explosionen kommen könnte.