Ein weiterer Lavaüberlauf aus den Nordkratersektor – kurzer Lavastrom auf der Sciara unterwegs
Auf der Sciara del Fuoco ist erneut ein kurzer Lavastrom unterwegs, der bereits gestern Abend zu fließen begann. Der Lavastrom wird von intensivem Lavaspattering aus dem nördlichen Schlot gespeist und ist Ausgangspunkt von Steinschlägen, die bis zur Küste rollen können. Diesem Phänomen verdankt der Steilhang seinen Namen: „Sciara del Fuoco“ heißt übersetzt „Feuerrutsche“ und lehnt sich daran an, dass glühende Tephra sowie Abbrüche aus den Lavaströmen in Form von Steinschlägen und Schuttlawinen bis ins Meer rollen können.

Wie das INGV in einer kurzen Notiz bekannt gab, wurde der Lavaüberlauf erneut per Livestream gesichtet. Forscher betreten die Gipfelregion nur noch selten, aus Furcht vor plötzlich auftretenden Paroxysmen. Während diese Furcht die meiste Zeit über unbegründet ist, sieht es aktuell anders aus: Der Vulkan befindet sich in der Anfangsphase erhöhter Aktivität, deren sichtbare Anzeichen die Lavaüberläufe und das Lavaspattering sind. Die Erdbeben der letzten Wochen stellen messbare Warnsignale dar, dass sich der Druck im Speichersystem des Stromboli erhöht, wodurch die Gefahr paroxysmaler Eruptionen und vereinzelt auftretender stärkerer Explosionen signifikant steigt.
Parallel zur Steigerung der Aktivität begann auch der Tremor auf mittelhohe Werte zu steigen und zeigt auch heute Nachmittag einen neuen Peak, nachdem er nach der Initialphase der Lavastromtätigkeit wieder gefallen war. Die GNSS-Sensoren zeigten keine ungewöhnliche Bodendeformation. Es ist damit zu rechnen, dass die Tätigkeit in den nächsten Stunden abklingt, bis es in einigen Tagen erneut zu einem ähnlichen Ereignis kommen wird.
Die Erdbebentätigkeit auf Stromboli hat sich wieder normalisiert. Das gilt nicht für die Seismizität im Tyrrhenischen Meer und in Nordsizilien, wo weiterhin eine leichte Häufung schwacher Erdbeben festzustellen ist. So gab es im Umfeld des Liparischen Archipels in den letzten 24 Stunden drei Erdbeben. Zwei weitere Erdstöße wurden im Norden Siziliens detektiert. Schwache Erdbeben kommen in der Region zwar immer wieder vor, jedoch nicht ganz so häufig wie im März. Sie zeigen, dass die Erdkruste unter großen Spannungen steht. Ob diese Spannungen allein tektonischen Prozessen geschuldet sind oder etwa mit Magmaakkumulation unter dem Ätna und in geringerem Umfang vielleicht auch unter Stromboli zusammenhängen, bleibt unklar und wird kontrovers diskutiert. Isländische Vulkanologen gehen davon aus, dass sich beispielsweise Bodenhebungen bei Svartsengi in einem größeren Umkreis auswirken. Liest man entsprechende Artikel mit Interviews der Vulkanologen, kristallisiert sich heraus, dass der Radius entsprechender Spannungsänderungen mindestens 50 Kilometer um das Zentrum der Bodendeformation beträgt.








