Vulcano |
Vulcano, dieser kleinen Insel im Tyrrhenischen Meer vor Sizilien verdanken alle anderen Feuerberge ihren Namen. Der Sage nach lebt hier Vulcano, der Gott des Feuers und der Schmiede. Doch ist sein Wohnsitz umstritten, denn fast jeder Vulkan Süditaliens beansprucht dieses Privileg für sich. Gewiss ist, daß der Vulkan der Insel, die Fossa, ganz bestimmt nicht erloschen ist. Noch immer zischen kochend heiße Schwefeldämpfe aus den zahlreichen Fumarolen; nicht nur am Kraterrand, sondern auch am Strand von Porto di Levante. Dort, nahe dem Felsen "Il Faraglione" befindet sich ein Schlammpool, dessen braun-graue Brühe eine heilende Wirkung nachgesagt wird. Der Pool entstand durch eine Probebohrung des AGIP-Konzerns, der hier mittels geothermalen Wasserdampfes Strom erzeugen wollte. Das Projekt ging schief, übrig blieb eine kostenlose Kuranlage. Die Insel wird geomorphologisch in drei Einheiten unterteilt. Im Süden befinden sich mehrer Stratovulkane mit dem 500 Meter hohen Monte Aria. In Inselmitte liegt die große Calderra mit einem Durchmesser von 3000 Metern. In ihr befindet sich der Kegel von Vulcano Fossa, einem 391 Meter hohem Komplex aus einem alten,- und einem neuen Krater. Letzterer ist als Fossa 2 bekannt und ist der jüngst Aktive. Hier fanden zuletzt 1889 Ausbrüche statt. Die dritte Einheit ist die "Halbinsel an der Insel"; der Vulcanello. Von der Geburt dieses kleinen Vulkans gibt es einen fesselnden Augenzeugenbericht des Historikers Polybius; Immerhin aus dem Jahre 183 v. Chr.. Zunächst war Vulcanello eine eigenständige Insel die erst im 16. Jahrhundert durch eine flache Landzung mit der Hauptinsel verbunden wurde. Ein trauriges Kapitel in der Geschichte Vulcanos ist das der Sträflingskolonie. Im 19. Jahrhundert mußten Gefangene den kostbaren Schwefel abbauen, diente er doch zur Herstellung von Schießpulver. Neben Schwefel wurden auch Salpeter und Alaun abgebaut. Doch die schweren Eruptionen gegen Ende des Jahrhunderts machten den schottischen Minenbetreibern einen Strich durch die Rechnung und ließen keinen Stein auf dem anderen. Der Schürfbetrieb wurde eingestellt und die Insel ging wieder in Besitz einheimischer Fischer über. Erst in den letzten Jahrzehnten erlebt Vulcano mit zunehmenden Tourismus eine Renaisance. Geologisch gesehen ist Vulcano eine junge Insel. Die Tätigkeiten hier begannen vor ca. 100.000 Jahren im Südteil der heutigen Insel und verlagerten sich weiter in den Norden. In prähistorischer Zeit -vermutlich mit Beginn des Präglazials vor gut 10.000 Jahren- entstanden die Krater von Vulcano Fossa. Große, explosive Eruptionen ließen den Kegel auf seiner heutigen Höhe anwachsen. Die meisten Gesteine bestehen hier aus Trachyt, einem intermediären Vulkanit. Typisch für die Eruptionen der Fossa war der explosive Auswurf erstarrter, oder zumindest hochviskoser Laven; dieses Verhalten wurde als vulcanischer Ausbruchstyp definiert. Ebenfalls ein Charkterzug dieses Ausbruchstyps sind die relativ langen Ruhepausen mit fumarolischer Tätigkeit. In einer solchen Phase befindet sich der Vulkan heute. Ein mögliches Warnsignal für eine bevorstehende Eruption ist die Temperaturerhöhung der ausströmenden Gase. Die Maximaltemperaturen liegen hier bei ca. 500 °C; gemessen 5 cm unter der Oberfläche. Auch die Änderung des Risssystems deutet darauf hin, daß sich etwas am Berg tut. Doch keine Panik, der Vulkan ist mit den Messinstrumenten der Vulkanologen gespickt und eine überraschende Eruption ohne ausreichende Vorwahnzeit erscheint unwahrscheinlich. |