Erdbeben vor Vulcano – INGV sieht derzeit keine Anzeichen einer erneuten vulkanischen Zuspitzung
Unmittelbar vor der Südküste der Äolischen Insel Vulcano hat sich ein kleiner Erdbebenschwarm ereignet. Am 18. Juli ein kleiner Erdbebenschwarm ereignet. Innerhalb von knapp 20 Minuten registrierte das INGV fünf Erdstöße mit Magnituden zwischen 1,1 und 2,4. Die stärksten Beben erreichten Magnituden 2,3 und 2,4. Die Hypozentren lagen in Tiefen zwischen 11 und 19 Kilometern etwa 7 bis 9 Kilometer südöstlich von Porto di Ponente im Meeresgebiet vor der Insel. Bereits am 12. Juli war westlich von Vulcano ein weiteres Beben der Magnitude 1,4 registriert worden, während am 6. Juli ein kaum messbares Mikrobeben direkt im Bereich der Insel auftrat. Die Beben zeigen, dass sich nach einer ruhigen Phase innerhalb von 2 Wochen die Aktivität steigerte.

Die Lage der Erdbeben ist bemerkenswert, da sie sich nicht unter dem Bereich des Kraters befinden, sondern deutlich südöstlich in größerer Tiefe. Damit unterscheidet sich die Erdbebensequenz von den flachen Erdbebenschwärmen, die häufig mit Veränderungen im hydrothermalen System aktiver Vulkane verbunden sind. Stattdessen könnten tektonische Spannungen im Untergrund für die Erschütterungen verantwortlich sein. Tatsächlich manifestierten sich die Beben im Bereich der bekannten Tindari-Letojanni-Störungszone, obgleich die Tiefe der Erdbeben für tektonische Erschütterungen relativ groß ist. Nicht auszuschließen ist, dass die Erdbeben durch einen beginnenden Magmenaufstieg getriggert wurden, der die Störungszone aktivierte.
Das Monatsbulletin für den Juni, in dem das INGV die Überwachungsparameter veröffentlichte, zeigte, dass sich Vulcano insgesamt stabil verhielt, und enthüllte keine Anzeichen einer erneuten Verschärfung der Situation. Die Temperaturen der Fumarolen am Krater nahmen an einigen Messstellen leicht ab, während sie an anderen geringfügig zunahmen. Die höchste Temperatur lag bei 253 Grad.
Die Kohlendioxid- und Schwefeldioxid-Emissionen blieben auf einem mittleren Niveau, während die chemische Zusammensetzung der Gase keine Hinweise auf einen verstärkten Zustrom frischen Magmas in der Tiefe erkennen ließ. Wichtig bei der Einordnung der Werte ist, dass sich die einzelnen Werte im Vergleich zur Eskalation der Situation im letzten Jahr auf einem mittleren Niveau bewegen: Für einen Vulkan, der nicht eruptiert, sind sie sehr wohl noch hoch: Der Schwefeldioxid-Ausstoß liegt bei 2800 Tonnen am Tag, was mehr ist, als so mancher eruptierender Vulkan hervorbringt. Auch der Kohlendioxid-Ausstoß von fast 5900 g/Quadratmeter am Tag ist deutlich erhöht. Die Werte zeigen, dass es in Tiefen von ca. 5 Kilometern einen entgasenden Magmenkörper gibt.
Die Tiltstation SLT zeigt seit April eine kontinuierliche Änderung der Bodenneigung: Die X-Komponente nahm bis Anfang Juli um rund 15 Mikroradiant zu, während die Y-Komponente gleichzeitig um etwa 40 Mikroradiant abnahm. Ein solcher gegenläufiger Verlauf deutet auf eine langsame Kippbewegung des Untergrunds hin. Das INGV bewertet diese Entwicklung jedoch nicht als Zeichen einer vulkanischen Inflation. Auch die GNSS-Messungen zeigen keine signifikanten Bodenhebungen oder andere großräumige Deformationen.
Insgesamt spricht die Datenlage gegen eine unmittelbar bevorstehende Eruption. Dennoch bleibt Vulcano einer der am intensivsten überwachten Vulkane Italiens. Nach den Unruhephasen der Jahre 2021 bis 2022 und 2025 beobachten die Vulkanologen jede Veränderung des hydrothermalen Systems und der Seismizität weiterhin mit großer Aufmerksamkeit.














