Vulcano: Erdbeben vor der Südküste des Vulkans

Erdbeben vor Vulcano – INGV sieht derzeit keine Anzeichen einer erneuten vulkanischen Zuspitzung

Unmittelbar vor der Südküste der Äolischen Insel Vulcano hat sich ein kleiner Erdbebenschwarm ereignet. Am 18. Juli ein kleiner Erdbebenschwarm ereignet. Innerhalb von knapp 20 Minuten registrierte das INGV fünf Erdstöße mit Magnituden zwischen 1,1 und 2,4. Die stärksten Beben erreichten Magnituden 2,3 und 2,4. Die Hypozentren lagen in Tiefen zwischen 11 und 19 Kilometern etwa 7 bis 9 Kilometer südöstlich von Porto di Ponente im Meeresgebiet vor der Insel. Bereits am 12. Juli war westlich von Vulcano ein weiteres Beben der Magnitude 1,4 registriert worden, während am 6. Juli ein kaum messbares Mikrobeben direkt im Bereich der Insel auftrat. Die Beben zeigen, dass sich nach einer ruhigen Phase innerhalb von 2 Wochen die Aktivität steigerte.

Vulcano

Die Lage der Erdbeben ist bemerkenswert, da sie sich nicht unter dem Bereich des Kraters befinden, sondern deutlich südöstlich in größerer Tiefe. Damit unterscheidet sich die Erdbebensequenz von den flachen Erdbebenschwärmen, die häufig mit Veränderungen im hydrothermalen System aktiver Vulkane verbunden sind. Stattdessen könnten tektonische Spannungen im Untergrund für die Erschütterungen verantwortlich sein. Tatsächlich manifestierten sich die Beben im Bereich der bekannten Tindari-Letojanni-Störungszone, obgleich die Tiefe der Erdbeben für tektonische Erschütterungen relativ groß ist. Nicht auszuschließen ist, dass die Erdbeben durch einen beginnenden Magmenaufstieg getriggert wurden, der die Störungszone aktivierte.

Das Monatsbulletin für den Juni, in dem das INGV die Überwachungsparameter veröffentlichte, zeigte, dass sich Vulcano insgesamt stabil verhielt, und enthüllte keine Anzeichen einer erneuten Verschärfung der Situation. Die Temperaturen der Fumarolen am Krater nahmen an einigen Messstellen leicht ab, während sie an anderen geringfügig zunahmen. Die höchste Temperatur lag bei 253 Grad.

Die Kohlendioxid- und Schwefeldioxid-Emissionen blieben auf einem mittleren Niveau, während die chemische Zusammensetzung der Gase keine Hinweise auf einen verstärkten Zustrom frischen Magmas in der Tiefe erkennen ließ. Wichtig bei der Einordnung der Werte ist, dass sich die einzelnen Werte im Vergleich zur Eskalation der Situation im letzten Jahr auf einem mittleren Niveau bewegen: Für einen Vulkan, der nicht eruptiert, sind sie sehr wohl noch hoch: Der Schwefeldioxid-Ausstoß liegt bei 2800 Tonnen am Tag, was mehr ist, als so mancher eruptierender Vulkan hervorbringt. Auch der Kohlendioxid-Ausstoß von fast 5900 g/Quadratmeter am Tag ist deutlich erhöht. Die Werte zeigen, dass es in Tiefen von ca. 5 Kilometern einen entgasenden Magmenkörper gibt.

Die Tiltstation SLT zeigt seit April eine kontinuierliche Änderung der Bodenneigung: Die X-Komponente nahm bis Anfang Juli um rund 15 Mikroradiant zu, während die Y-Komponente gleichzeitig um etwa 40 Mikroradiant abnahm. Ein solcher gegenläufiger Verlauf deutet auf eine langsame Kippbewegung des Untergrunds hin. Das INGV bewertet diese Entwicklung jedoch nicht als Zeichen einer vulkanischen Inflation. Auch die GNSS-Messungen zeigen keine signifikanten Bodenhebungen oder andere großräumige Deformationen.

Insgesamt spricht die Datenlage gegen eine unmittelbar bevorstehende Eruption. Dennoch bleibt Vulcano einer der am intensivsten überwachten Vulkane Italiens. Nach den Unruhephasen der Jahre 2021 bis 2022 und 2025 beobachten die Vulkanologen jede Veränderung des hydrothermalen Systems und der Seismizität weiterhin mit großer Aufmerksamkeit.

Stromboli: Lavaüberlauf am 31. März

Ein weiterer Lavaüberlauf am Stromboli – Tremoramplitude erhöht

Am liparischen Inselvulkan Stromboli kommt es gerade wieder zu einem Lavaüberlauf aus dem nördlichsten Schlot, den man trotz schlechten Wetters auf den Livecamaufnahmen erkennen kann. Der kleine Lavastrom ist auf der Sciara del Fuoco unterwegs. Von seiner Front rollen einzelne Gesteinsblöcke den Hang hinab.

Stromboli

Aus seismischer Sicht ist seit etwa 14:45 UTC ein Anstieg der mittleren Amplitude des vulkanischen Tremors zu beobachten – von mittleren auf hohe Werte. Dagegen gibt es keine wesentlichen Veränderungen in der Häufigkeit oder Stärke der explosionsbedingten Erdbeben. Die strombolianische Tätigkeit geht also trotz des Lavastroms weiter.

Die Messdaten des hochfrequenten GNSS-Netzes zeigen keine auffälligen Veränderungen. Daten aus dem Neigungsmessnetz (Klinometer) liegen derzeit nicht vor, da es zu einer Störung der Geräte gekommen ist.

Der Autor dieser Zeilen sitzt gerade 2 Inseln weiter auf Vulcano und plant, morgen zum Stromboli zu fahren. Bis dahin wird der Lavaüberlauf dann wahrscheinlich wieder vorbei sein.

Situation auf Vulcano

Die vulkanische Situation auf Vulcano ist derzeit vergleichsweise entspannt: Der Aufstieg zum Krater ist freigegeben, ebenso der Zugang zum Fumarolenfeld. Bei meinem letzten Besuch hier vor gut 15 Monaten war das Gebiet noch gesperrt.

Gesperrt ist allerdings das bekannte Fangobad am Strand, doch nicht wegen erhöhtem Gasausstoß, sondern wegen ständiger Rechtsstreitigkeiten des privaten Besitzers mit der Kommune Lipari, die offenbar wie jede Bürokratie mit jeder Menge Auflagen den Menschen das Leben schwer macht und kein Interesse zu haben scheint, Steuereinnahmen zu generieren.

Das ca. 70 cm tiefe Schlammbad darf nun nur noch genutzt werden, wenn ein Bademeister vor Ort ist (kein Scheiß), und das lohnt sich für den Betreiber nur während der Saison! Mich lässt sowas immer einfach nur noch sprachlos zurück! Bevor man sich entschloss, damit via Eintritt Geld zu verdienen, war das Fangobad rund um die Uhr von zahlreichen Gästen besucht gewesen, was natürlich Menschen auf die Insel lockte, die nun nicht mehr kommen. Vulcano und Stromboli sind Paradebeispiele dafür, wie zu viel Reglementierung den Untergang des Tourismus herbeiführen kann.

Stromboli: Erhöhte seismische Aktivität im März

Mehrere Erdbeben unter Stromboli – Seismizität deutlich erhöht

Datum: 17.03.2026 | Zeit: 22:03:09 UTC | Koordinaten: 38.796 ; 15.217 | Tiefe: 3,4 km | Mb 1,1

Unter Stromboli, dem aktivsten Vulkan Europas, manifestierten sich am 17. März fünf Erdbeben, die erst heute auf der INGV-Shakemap angezeigt werden. Bereits zwei Tage zuvor hatte es schon einen schwachen Erdstoß gegeben. Die Epizentren von 5 Beben liegen unter der Nordflanke des Vulkans, wobei 2 Beben sich direkt unter der Sciara manifestierten. und ein weiteres am Rand der Cima. Ein Erdstoss lag im Süden der Insel. Alle Beben lagen in geringen Tiefen zwischen 3,5 und 1,4 km unter dem Meeresspiegel. Der stärkste Erdstoß hatte eine Magnitude von 1,1. Zwei weitere brachten es auf 1,0.  Normalerweise sollte man meinen, dass eine Handvoll Mikrobeben an einem aktiven Vulkan nichts Besonderes sind, doch am Stromboli verhält es sich anders.


Stromboli
Stromboli. © INGV

In den letzten Tagen schrieb ich bereits öfters über eine leichte Zunahme der Seismizität im Bereich des Tyrrhenischen Meers und in der Nähe von Stromboli. Bei den meisten Beben handelte es sich um Tiefenbeben und ich erwartete, dass es auch direkt unter der Insel Erdbeben geben wird, so wie es jetzt der Fall ist. Als es die letzten Male eine entsprechende Seismizität unter Stromboli gegeben hatte, folgten innerhalb weniger Tage bis Wochen Phasen stärkerer Eruptionen, bei denen es nicht nur zu stärkeren Lavaüberläufen gekommen war, sondern auch zu Paroxysmen mit pyroklastischen Strömen. Diese will ich zwar nicht prognostizieren, doch ich rechne fest mit einer Aktivitätssteigerung am Stromboli. Welcher Art sie sein wird, werden wir sehen.

Unter Vulcano hat es übrigens auch wieder ein Mikrobeben gegeben. Inzwischen wurde der Monatsbericht nachgereicht, der weitestgehend stabile Werte zeigte. Einzelne Erschütterungen sind hier nicht so relevant wie auf Stromboli, zeigen aber, dass es weiterhin Fluidbewegungen unter der Insel gibt. Mit einer Aktivitätssteigerung ist aber nur zu rechnen, wenn ein neuer Schub Magma unterhalb Vulcanos intrudiert. Anders als am Stromboli, der über ein offenes Fördersystem verfügt und bei dem ein Magmaschub entweder keine oder nur wenige Beben verursacht, sind die seismischen Schwärme in so einem Fall auf Vulcano intensiver.

Tatsächlich bin ich demnächst auf den Inseln unterwegs – sofern weder ein Streik noch ein Sturm dazwischenfunken werden – und kann mit ein wenig Glück dann mal wieder live berichten.

Sizilien: Erhöhte Seismizität im Norden

Erhöhte Seismizität im Norden von Sizilien – Küstenregion besonders betroffen

Im Norden Siziliens und dem angrenzenden Tyrrhenischen Meer, wo es gestern Abend ein starkes Erdbeben in großer Tiefe bei Neapel gegeben hatte, ist die Seismizität erhöht. Auffällig sind zwei kleiner Erdbebencluster kurz vor der Küste bei Milazzo und Marina di Patti, wo es seit dem 7. März 12 Erschütterungen gegeben hatte. Das stärkste brachte es auf eine Magnitude von 2,8 bei einer Herdtiefe von 10 Kilometern. Das Epizentrum befand sich 11 Kilometer westlich von Milazzo. 

Sizilien. © EMSC/Leaflet

Obwohl die Beben geringe Magnituden hatten und nicht spürbar waren, sind sie im Kontext von vulkane.net von besonderem Interesse, da sie mit dem Tindari-Letojanni-Fault in Verbindung standen. Hierbei handelt es sich um eine Blattverschiebung am Rand der Ionischen Platte, die von nördlich des Ätnas bis nach Vulcano und anderen Inseln des Liparischen Archipels reicht. Die Störungszone könnte auf Spannungsveränderungen im Umfeld der Vulkane reagieren: Auf Vulcano hatte es Anfang des Monats fluidbedingte Erdbeben gegeben, genauso wie es letzte Woche zu dem starken Erdbebenschwarm unter der Südwestflanke des Ätnas gekommen ist. Dieser Schwarm ist immer noch aktiv und sammelte zumindest bis gestern weitere Erdbeben ein. Dem nicht genug, sind die Regionen durch die Subduktion der Ionischen Platte auch mit den Vulkanen Kampaniens verbunden, wo es gestern Abend das erwähnte Erdbeben Mw 5,9 und 375 km Tiefe gab, das sich vor dem Golf von Neapel manifestierte.

Auch wenn ich es nicht wissenschaftlich beweisen kann und die meisten Stimmen sagen werden, dass es alles nur Zufall ist, kann ich mich der Ahnung nicht verwehren, dass es hier tatsächlich Hinweise auf großen Spannungsaufbau entlang der Störungen der Ionischen Platte gibt. Spannungen, die sich möglicherweise in den nächsten Wochen oder Monaten auf die Aktivität des einen oder anderen Vulkans Süditaliens auswirken und eine Eruption triggern könnten.

Vulcano: Anstieg der Seismizität Anfang März

Mehrere schwache Erdbeben unter Vulcano – Monatsbericht steht aus

In den letzten Tagen zog nicht nur die Seismizität am Ätna an, sondern auch im Bereich von Vulcano. Hier manifestierten sich Ende Februar/Anfang März 5 schwache Erschütterungen direkt unter der Insel und eine weitere vor der Nordwestküste. Drei der Beben lagen unter der Fossa, dem aktiven Vulkankegel mit seinem Fumarolenfeld. Die Beben waren sehr schwach und hatten zum Teil sogar negative Vorzeichen, was bedeutet, dass sie nur mit den modernsten Seismometern registriert werden können. Von den Erschütterungen selbst geht keine Gefahr aus, sie zeigen allerdings, dass es weiterhin Fluidbewegungen unter Vulcano gibt. Sollten in den nächsten Tagen vermehrt solche Beben detektiert werden, könnten sie andeuten, dass eine neue Magmablase unter dem Vulkan aufsteigt und in geringere Krustentiefen von 4 bis 5 Kilometern intrudiert. Zuletzt wurde im Sommer 2025 so ein Ereignis festgestellt, als es neben Erdbeben zu einer sprunghaften Erhöhung der Fumarolentemperaturen kam und große Mengen Kohlendioxid ausgestoßen wurden.

vulcano
Vulcano

Aktuell lässt das INGV-Monatsbulletin für den Februar noch auf sich warten. Sollte es zeitnah erscheinen, reiche ich die aktuellen Daten hier nach. Im Bulletin für den Januar war zu lesen gewesen, dass die geophysikalischen und geochemischen Werte weiterhin leicht rückläufig waren und sich die Gesamtsituation entspannte. Dennoch lagen die Werte noch über dem langjährigen Mittel, so dass von Normalität noch nicht gesprochen werden konnte.

Auf Vulcano verhält es sich wie bei auch vielen anderen sporadisch aktiven Vulkanen, die über Jahrhunderte ruhen: Normalerweise dauern Aufheizphasen mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Das Magma steigt nicht in einem Rutsch aus großer Tiefe auf, sondern akkumuliert sich zunächst in 8 bis 12 Kilometern Tiefe, bis genug Schmelze vorhanden ist, damit sie die halbe Distanz bis zur Oberfläche zurücklegen kann. In 4 bis 6 Kilometern bildet sich ein flaches Speicherreservoir Waren die Anzeichen der tiefen Magmenakkumulation noch relativ schwach, werden nun Bodenhebung, erhöhter Gasausstoß und stärkere Schwarmbeben registriert. Aber selbst wenn sich Magma in geringer Tiefe ansammelt, heißt das nicht, dass es zu einem Vulkanausbruch kommen muss. Oft verweilt die Schmelze dort über längere Zeiträume. Je länger, desto explosiver wird eine spätere Eruption, weil sich das Magma chemisch verändert und ein hoher Gasdruck aufgebaut wird.

Bei quasi daueraktiven Vulkanen wie dem Ätna oder Piton Fournaise, wo sich die Pausenintervalle in Monaten berechnen, strömt aus der Tiefe ständig Magma nach, so dass es nicht lange in der Erdkruste verweilt, um zu differenzieren Hier werden die meisten Lavafontänen und Lavaströme gefördert. Vulcano hingegen hat das Potenzial, stärker explosive Ascheeruptionen zu erzeugen.

Auf der Shakemap sieht man übrigens auch einige Beben bei Alicudi, der westlichsten Insel des Liparischen Archipels.

Vulcano: Leichte Entspannung der Situation

Vulcano atmet auf – erhöhte GeoWerte rückläufig

Vulcano, römischer Gott und Namensgeber aller Vulkane, zeigt sich zu Beginn des Jahres vergleichsweise gnädig: Nach Monaten alarmierend hoher Fumarolentemperaturen und Kohlendioxid-Emissionen meldet das italienische Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) eine insgesamt abnehmende Aktivität auf der liparischen Vulkaninsel, die den Namen des Gottes trägt und vielfach als sein Zuhause angesehen wird. Die GeoDaten liegen aber immer noch deutlich über den Normalwerten und die Lage bleibt beobachtungswürdig.

Im gestern veröffentlichten Bulletin für den Januar 2026 beschreiben die Vulkanologen ein von intensiven, aber nachlassenden hydrothermalen Prozessen geprägtes Vulkansystem. So haben die Fumarolen-Temperaturen im Krater La Fossa deutlich abgenommen und liegen inzwischen rund 40 Grad unter den Höchstwerten des Vorjahres. Konkret liegen die Temperaturen an den 4 gemessenen Fumarolen zwischen 267 und 227 °C. Auch die Gasemissionen von Kohlendioxid und Schwefeldioxid zeigen leicht rückläufige Trends. Dennoch stößt der Vulkan noch viel Gas aus: Der CO₂-Ausstoß lag im Schnitt bei 10000 g/m2/d. Geht man von einem 10.000 Quadratmeter großen Fumarolenfeld aus, wären das ca. 100 Tonnen am Tag. Betrachtet man einen ganzen Krater aus dem diffus Gas austritt, kommt man schnell auf das 10-fache des Wertes.

Die Seismizität blieb im Januar niedrig, und Messungen der Bodenverformung liefern keine Hinweise auf Bodenhebungen. Es gibt also derzeit keine Anzeichen dafür, dass frisches Magma aufsteigt. Die Entgasungen stammen von der letzten Intrusion im September letzten Jahres.

Die Situation auf Vulcano eskalierte im Herbst 2021, als es zu einer ersten Intrusion unter dem Vulkan kam. Die Gasemissionen nahmen sprunghaft zu, Fumarolentemperaturen stiegen auf ungewöhnlich hohe Werte, und das Bodenniveau im Kraterbereich hob sich messbar an. In Vulcano Porto mussten zeitweise Sperrzonen eingerichtet werden, weil sich CO₂ in Senken und Gebäuden ansammelte und zur Gefahr für die Bevölkerung wurde.

Die wissenschaftliche Einordnung des Geschehens ist heute klarer als damals: Unter Vulcano kam es zu einer Magmenintrusion in geringer Tiefe. Das Magma erreichte die Oberfläche nicht, setzte jedoch große Mengen an Gasen frei und heizte das hydrothermale System stark auf. Schätzungen zufolge drangen mehrere Millionen Kubikmeter Magma in die Erdkruste ein – genug, um das System zu destabilisieren, aber nicht genug für eine Eruption. Ähnliche Prozesse hatte der Vulkan bereits zwischen 1988 und 1993 gezeigt.

Auch wenn sich die Situation momentan entspannt und die Bewohner von Vulcano durchatmen können, kann es jederzeit zu neuen Magmaintrusionen kommen, die letztendlich in einer Eruption gipfeln könnten. Verlässliche Prognosen lassen sich nicht aufstellen.

Vulcano: 3 schwache Erdbeben im Norden der Insel

Seismometer registrierten 3 schwache Erdbeben im Norden von Vulcano bzw. Vulcanello

Die Lipareninsel Vulcano wurde in den letzten Tagen von 3 Mikrobeben erschüttert, die sich im Norden der Insel manifestierten. Zwei der Beben lagen offshore, kurz vor der Küste der Halbinsel Vulcanello, ein drittes Beben wurde an der Ostküste registriert. Die Beben waren alle sehr schwach und hatten Hypozentren in Tiefen von weniger als 5 Kilometern. Über den Ursprung der Beben lässt sich nur spekulieren. Sie könnten rein tektonischer Natur gewesen sein oder von Fluidaufstieg entlang von Störungszonen verursacht worden sein. Eine Bedrohung stellen sie nicht dar, verdeutlichen aber, dass der Untergrund der Region weiterhin sehr lebendig ist.

Vulcano ist komplett vulkanischen Ursprungs und da macht die Halbinsel Vulcanello keine Ausnahme. Sie bildet den jüngsten Teil von Vulcano und ist erst etwas mehr als 2000 Jahre alt.  Zu Zeiten der Römer begann sie, aus dem Meer aufzutauchen, und stellte zunächst eine eigenständige Insel dar. Antike Autoren berichten, dass sich 183 v. Chr. nahe der Küste Siziliens eine neue Insel aus dem Meer erhob. Diese Beschreibung wird heute allgemein mit der Entstehung von Vulcanello in Verbindung gebracht. Sie wuchs in mehreren Phasen und man kann davon ausgehen, dass auch diese Geburt nicht ohne Wehen ablief: Normalerweise dauert es mehrere Jahrzehnte, bis sich eine stabile Vulkaninsel bildet, die nicht schnell wieder erodiert wird.

Die eruptierte Lava war vergleichsweise zäh und führte zur Bildung von flachen, blockreichen Lavaströmen. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu mehreren weiteren Ausbruchsphasen, insbesondere um 126 v. Chr. und im 4. Jahrhundert. Der bislang jüngste Ausbruch ereignete sich im 16. Jahrhundert. Insgesamt entstanden bei den Eruptionen drei kleine Schlackenkegel, die heute das charakteristische Erscheinungsbild von Vulcanello prägen.

Erst im 16. Jahrhundert wurde Vulcanello dauerhaft mit der Hauptinsel Vulcano verbunden. Pyroklastische Ablagerungen und Küstensedimente füllten den Meeresarm zwischen beiden Inseln auf und bildeten den heutigen Isthmus. Seitdem ist Vulcanello eine Halbinsel.

Die Entstehungsgeschichte von Vulcanello ist eines der seltenen Beispiele, bei denen vulkanische Neubildung von Land nicht nur geologisch nachweisbar, sondern auch historisch überliefert ist.

Vulcano: Weiterhin hohe Gasemissionen

Blick über den Krater von Vulcano in Richtung Lipari und Salina. © Marc Szeglat

Hohe Gasemissionen bei leicht sinkenden Temperaturen – Aktivität auf Vulcano bleibt hoch

Die italienische Insel Vulcano gehört zu den sieben Äolischen Inseln nördlich von Sizilien und bleibt auch zum Jahresende unter genauer Beobachtung der INGV-Vulkanologen. Der Krater La Fossa, der das Zentrum der jüngsten vulkanischen Aktivität der Insel bildet, emittiert weiterhin viel Kohlendioxid – allerdings ohne Anzeichen einer unmittelbar bevorstehenden Eruption. Dies geht aus dem jüngsten monatlichen Bulletin des INGV vom 2. Dezember 2025 hervor.

Die Temperaturen der Fumarolen im Gipfelkrater setzen ihren leicht fallenden Trend fort: Die Fumarole T1 ist noch 281 Grad heiß, die anderen liegen darunter. Eine Ausnahme bildet die Fumarole T3, die temporär bis zu 494 Grad erreicht und damit einen kritischen Wert. Generell wird eine abkühlende Fumarolenaktivität als Hinweis auf eine allmähliche Abschwächung des oberflächennahen hydrothermalen Systems gewertet.

Gleichzeitig bleibt der CO₂-Fluss im Krater auf hohem Niveau. Durchschnittlich wurde eine Förderrate von mehr als 17.300 g/m²/d (Gramm pro Quadratmeter am Tag) gemessen. Damit hat sich der Wert im Vergleich zum Spitzenwert im August zwar halbiert, bewegt sich aber weiterhin auf hohem Niveau. Auch der durchschnittliche SO₂-Ausstoß – gemessen Anfang November – bestätigt, dass der Vulkan weiterhin vulkanische Gase aus dem Untergrund transportiert. Die chemische Zusammensetzung der Fumarolengase zeigt eine leicht sinkende CO₂-Konzentration, was auf Veränderungen im hydrothermalen System hindeuten könnte.

Abseits des Kraters verhalten sich die Messstationen stabil: Am Fuß des La-Fossa-Kegels sowie im Bereich von Vulcano Porto bleibt der CO₂-Fluss unverändert. Auch die Thermalwassersysteme der Brunnen Camping Sicilia und Bambara zeigen sich geochemisch stabil.

Die Zahl hochfrequenter Mikrobeben (über 1 Hz) nahm im November ab, während niederfrequente Ereignisse stabil blieben. Größere Erdbeben wurden im Umfeld Vulcanos nicht registriert: Keine Erschütterung erreichte eine Magnitude von 1,0 oder höher.

Laut den Vulkanologen des INGV zeigen auch die Bodenverformungsmessungen (GNSS und Klinometer) keine signifikanten Veränderungen. Selbst die Gravimetrie, die auf Masseverlagerungen im Untergrund reagieren würde, blieb ohne auffällige Befunde. Allerdings lässt sich dem im Bulletin veröffentlichten Graphen der klinometrischen Messungen entnehmen, dass sich die Vulkanflanke um bis zu 30 µrad versteilt hat – ein an Vulkanen bereits bemerkenswerter Wert.

Nach Bewertung aller Parameter geht das INGV von einem fortgesetzt ruhenden, aber gasaktiven Vulkan aus. Das bedeutet: Es gibt keine Anzeichen für Magmenaufstieg oder eine bevorstehende Eruption. Dennoch bestehen gewisse Gefahren fort.

Ätna: Schwarmbeben bei Pedara bestätigt

Erdbebenschwarm bei Pedara im Süden des Ätnas bestätigt – Risse im Asphalt vor einer Schule

Gestern berichtete ich über die drei Erdbeben mit Magnituden im Zweierbereich, die sich an der unteren Südflanke des Ätnas zwischen Nicolosi und Pedara manifestierten, und mutmaßte, dass es weitere Erdbeben mit geringeren Magnituden gegeben haben könnte. Heute wurde die Ätna-Erdbebenkarte des INGV aktualisiert und es erschienen nicht nur die drei bereits beschriebenen Erdbeben, sondern noch 6 weitere Beben mit Magnituden zwischen 1,5 und 2,0. Es entstanden neue Risse im Asphalt vor einer Schule bei Tremestieri. Die Beben wurden vermutlich durch Spannungen an der Trecastagni-Tremestieri-Verwerfung verursacht.

Aktualisierte Ätna-Shakemap. © INGV

Nachdem es bereits Ende Oktober einen tiefen Erdbebenschwarm im Westen des Ätnas gegeben hat, überraschte mich das gestrige Schwarmbeben im Süden nicht: Bereits vor 3 Wochen schrieb ich, dass sich am Ätna oft Schwarmbebenserien ereignen, die in größeren Tiefen im Westen beginnen und sich über mittlere Tiefen im Süden bis in den Osten des Vulkans fortpflanzen, wo die Beben meistens in Tiefen von weniger als 5 Kilometern auftreten. Meiner Meinung nach werden diese Beben von aufsteigendem Magma einer Intrusion verursacht, das die lokalen Störungszonen während des Aufstiegs nach und nach aktiviert. Folglich kann man im Osten des Ätnas in den nächsten Wochen ebenfalls mit Schwarmbeben rechnen.

Leider lässt der INGV-Wochenbericht noch auf sich warten. Sollte er gleich noch kommen, ergänze ich diesen Artikel um weitere Informationen.

Neue Beben auf Vulcano

Vulcano. © INGV

Die Beben unter dem Ätna sind aber nicht die einzigen Erschütterungen unter sizilianischen Vulkanen: Unter der Fossa 2 auf Vulcano manifestierten sich seit dem 16. November ebenfalls 8 schwache Erschütterungen in geringen Tiefen, von denen sich 7 Beben direkt unter dem Vulkankegel ereigneten. Ein weiterer Erdstoß wurde unter der Bucht von Porto di Levante lokalisiert. In den letzten 4 Wochen gab es eine deutliche Steigerung dieser Erdbeben, die ich hier schon als signifikant bezeichnen würde. Leider gibt es momentan keine Wochenberichte des INGV, so dass wir uns bis Anfang Dezember gedulden müssen, um Einblick in die weiteren geophysikalischen und geochemischen Daten zu bekommen. Mich würde ein steigender Kohlendioxidausstoß ebenso wenig überraschen wie weitere Erdbeben.