Stromboli wird von Ziegen kahl gefressen – Verstärkte Erosion
Auf Stromboli werden die wild lebenden Ziegen immer mehr zur Plage und nerven vor allem Bewohner und Besucher von Ginostra, dem kleinen Aussteigerort im Nordwesten der Insel. Dort stehen die 40 ständigen Bewohner des Dorfes fast 2000 Ziegen gegenüber. Da die Hänge des Vulkans fast kahl gefressen sind, dringen die Ziegen auf der Suche nach Futter immer häufiger in die Gärten und Wohnungen der Dorfbewohner ein und machen dabei weder vor Dächern noch Betten halt.

Dass es dabei dreckig zugeht, ist selbstredend, und daher werden die Ziegen auch zu einem gesundheitlichen Problem für die Bewohner von Ginostra: Die Ziegen hinterlassen ihre Fäkalien selbst auf den Hausdächern, von denen Regenwasser in Zisternen geleitet wird. Zudem sind die Tiere zum teil aggressiv und ängstigen die Besucher, die von den Ziegen bereits bedrängt wurden.
Ein weiteres Problem ist die fortschreitende Erosion auf der Insel, die durch den Kahlfraß der oberen Berghänge beschleunigt wird.
Das Übel nahm seinen Ursprung bereits im Jahr 2002, als Ginostra aufgrund eines kleinen Tsunamis, der infolge eines Kollapses am Vulkankrater auftrat, evakuiert wurde. Damals ließ man in Ställen lebende Ziegen frei, da man die Tiere weder nach Lipari mitnehmen konnte noch sich in der Lage sah, die Tiere täglich zu versorgen. Sie zogen sich in die oberen Hangbereiche zurück, wo sie sich ungehindert vermehrten. Hinzu kam der Vegetationsbrand von 2022, der einen Großteil der Macchia auf dem Südhang des Inselvulkans vernichtete.
Maßnahmen, den Ziegenbestand zu reduzieren, wurden bereits Anfang des Jahres von der Inselverwaltung beschlossen, doch passiert ist bislang nichts. Die Ausschreibungen zur Auftragserteilung an Jäger und Schlachter laufen angeblich noch. Nicht nur in Deutschland mahlen die Mühlen der Bürokratie langsam.
Aktivität des Vulkans: schwach bis mittelstark
Und der Vulkan selbst? Er geht von der Ziegenplage unbeeindruckt seinem Tagesgeschäft nach und macht, was ein daueraktiver Vulkan eben so macht: fauchen, dampfen, lavaspucken! Dabei sind die mehrmals in der Stunde erscheinenden strombolianischen Eruptionen schwach bis moderat und ihre Auswirkungen beschränken sich auf den Gipfelbereich des Vulkans. Alle geophysikalischen Parameter werden vom LGS als schwach bis moderat eingestuft, mit Ausnahme der Steinschlagaktivität, die als stark beschrieben wird. Das liegt daran, dass der aktivste Förderschlot nicht durch einen Kraterrand gegen den Hang der Sciara del Fuoco abgeschirmt ist und die eruptierten Lavabrocken dort bis zur Küste hinabpoltern können.